Der Start in die neue Börsensaison ist, sagen wir mal, holprig verlaufen: Für den DAX war es der schwächste Jahresbeginn seiner Geschichte. Am Aktienmarkt in China wurde der Handel nach einem Crash in den ersten Handelsstunden komplett ausgesetzt - und beim marktbreiten S&P 500 bildet sich gerade ein Kursmuster, das eine obere Trendwendeformation erahnen lässt. Die folgende Abbildung zeigt das.

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Blöd nur, dass der Start in den Januar generell ein ganz brauchbarer Indikator für den Rest des Jahres ist. Erleben wir in 2016 also den ganz großen Zusammenbruch der internationalen Aktienmärkte? Beim Blick auf einige aktuelle Entwicklungen kann es einem schon flau im Magen werden.

Beginnen wir in China. Dort sind die Börsenkurse am ersten Handelstag nach Neujahr nicht ohne Grund in den freien Fall übergegangen: Unmittelbarer Auslöser des Kursrutsches war ein (neuerlicher) Rückgang der chinesischen Industrieproduktion. Schon im Sommer hatte China aus ähnlichen Gründen für Turbulenzen rund um den Globus gesorgt. Die folgende Abbildung zeigt den langfristigen Verlauf des Shanghai Composite. Wie beim S&P 500 lässt sich auch hier erahnen, was ansteht, wenn nichts geschieht...

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Was geschehen wird, weil es geschehen MUSS, und zwar nicht nur in China, das wurde gleich am Dienstag dieser Woche deutlich: Eine milliardenschwere staatliche "Beruhigungspille" hatte weitere Einbrüche am chinesischen Aktienmarkt (vorerst) verhindert. Doch die Freude währte nur ein paar Stunden: Schon am Donnerstag waren die Kurstafeln in China wieder dunkelrot. Nach Bloomberg-Informationen haben staatlich kontrollierte Fonds in dieser Woche chinesische Aktien gekauft, um die Märkte zu stützen. Rund 19 Milliarden Euro hatte Peking in die Märkte geblasen. Auch staatlich kontrollierte Banken sollen jetzt chinesische Aktien einsammeln, um weitere Kursverluste zu verhindern.

Das Beispiel zeigt: Die Notenbanken bleiben ihrem „bewährten“ Reflex treu: Wenn es brenzlig wird, dann wird die Geldspitze ausgepackt. Nach diesem Muster "funktionieren" mittlerweile alle (!) großen Weltbörsen.

Es ist nur noch ein schöner Schein, der hier gewahrt wird. Wir dringlich diese alberne Maskerade in diesem Jahr werden wird, das verdeutlichen einige aktuelle Entwicklungen:

Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), rechnet in diesem Jahr mit einem enttäuschenden Wachstum der Weltwirtschaft. Hauptursache sei der Konjunkturabschwung in China.

Da fügt es sich, dass der Baltic Dry Index, der das Frachtaufkommen auf den Weltmeeren erfasst, kürzlich auf den niedrigsten Stand aller Zeiten eingebrochen ist. Die folgende Abbildung muss man nicht kommentieren.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat unterdessen längst klar gemacht, dass sie das geldpolitische Gaspedal bei Bedarf noch sehr viel weiter durchdrücken wird. Dass es diesen „Bedarf“ geben wird, das kann man sich schon heute an fünf Fingern abzählen. Die „Zielinflationsrate“ der EZB von zwei Prozent etwa, liegt trotz der forcierten Anleihekäufe der Notenbank mit 0,1 Prozent per Ende 2015 in weiter Ferne. Wobei wir hier die Frage außen vor lassen, was an dem Ziel einer schleichenden Enteignung der Bevölkerung eigentlich erstrebenswert sein soll.

Bleiben noch die USA. Dort hatte die Notenbank im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren die Leitzinsen angehoben. Wer nun aber glaubt, damit sei alles in bester Ordnung, der irrt sich:

Tatsache ist, dass die Konjunktur in den USA trotz jahrelanger Nullzinspolitik nicht in Schwung kommt.

Dazu einige Zahlen:

Im November war der US-Einkaufsmanagerindex (ISM) erstmals seit drei Jahren unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen. Derzeit sind fast 50 Millionen US-Bürger zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts auf staatliche Unterstützung angewiesen: Ohne die berüchtigten Food-Stamps würden viele Menschen in den USA schlicht verhungern.

Die Zahl der US-Bürger, die keine Arbeit haben, notiert unterdessen auf dem höchsten Stand seit 1975. Die folgende Grafik wirft ein interessantes Schlaglicht auf die in allen Medien hier zu Lande unablässig gefeierten, weil angeblich so „tollen“ Arbeitsmarktzahlen aus den USA. In Wahrheit ist der US-Arbeitsmarkt in einem katastrophalen Zustand.

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Mit Blick auf die jüngste Zinserhöhung der Fed kann man daher von einer "Verzweiflungstat" sprechen, mit der die Notenbank vor allem die Gemüter beruhigen und die Illusion einer prosperierenden US-Wirtschaft aufrecht erhalten wollte. Nach dem Motto: Jetzt bloß noch schnell die Zinsen anheben, bevor die Schwäche der US-Wirtschaft einen solchen Schritt gar nicht mehr zulässt.

Hinzu kommt: In den letzten Wochen des „alten Jahres“ hatten die Kapitalmärkte eine Zinserhöhung längst vorweggenommen. Wäre sie erneut ausgeblieben, wie zuletzt im Oktober, hätte die US-Notenbank jeden noch verbliebenen Rest an, nun ja, „Glaubwürdigkeit“ verloren.

Bei einer Fortsetzung der Nullzinspolitik wären die Börsen wohl in den freien Fall übergegangen, wie das im Oktober bereits ansatzweise zu sehen war. Nun aber wird den Anlegern erneut der Anschein von "Normalität" vorgegaukelt.

Doch die Rechnung für den geldpolitischen Irrsinn, den die Notenbanken rund um den Erdball nunmehr seit Jahren veranstalten, wird man uns irgendwann präsentieren. Bargeldverbote, negative Zinsen, Enteignungen im Zypern-Stil und andere unerfreuliche Maßnahmen sind nur noch eine Frage der Zeit.

Was bedeutet dies nun aber für die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten?

Während naive Gemüter nach dem symbolischen Zinsschritt der US-Notenbank noch eine Weile der Illusion frönen können, 2016 werde das Jahr der „großen Zinswende“, und mithin einer restriktiveren Geldpolitik in den USA, ist das genaue Gegenteil sehr viel wahrscheinlicher:

Endlich geht der Vorhang auf und die Wahrheit über dieses durch und durch verlogene, korrupte und zerstörerische Schuldgeldsystem kommt ans Licht. Das zeigt sich jetzt an immer mehr Stellen. Etwa bei den unablässig wachsenden Staatsschulden oder der nachlassenden Wirkung finanzpolitischer Manipulationen. Die steigende Kriegsgefahr rund um den Globus ist ebenso ein Indiz monetärer Demenz, wie die demnächst wieder anstehenden "Bankenrettungen" auf Kosten der Steuerzahler oder die absehbare soziale Katastrophe, die sich in Deutschland unter den Augen einer völlig überforderten, unfähigen und ferngesteuerten Kanzlerin anbahnt.

Und weil immer mehr Menschen begreifen, dass dies alles ineinander greift, werden auch die Probleme unseres ungedeckten, dollarzentrierten Geldsystems immer offensichtlicher.

Dies wird unserer Einschätzung nach dazu führen, dass die Notenbanken in 2016 geradezu gezwungen sein werden, mit einer nie für möglich gehaltenen Geldflut den unvermeidlichen Zusammenbruch dieses Systems noch einmal nach hinten zu verschieben - ganz ähnlich wie im Jahr 2008.

Ob dies erneut gelingt, ist freilich eine ganz andere Frage.

Welche Folgen dies für die verschiedenen Anlageklassen hat, das werden wir in der Januar-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs untersuchen.

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.