Der Euro eröffnet heute (07.54 Uhr) bei 1.2315, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im europäischen Handel bei 1.2249 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 78.15. In der Folge notiert EUR-JPY bei 96.20, während EUR-CHF bei 1.2011 oszilliert.

Anzeige

Es ist immer wieder "erfrischend", sich mit deutscher Politik auseinanderzusetzen. Die deutsche Bundesregierung beteiligt sich an den Schwüren, alles zu tun, um die Integrität der Eurozone zu erhalten, um dann offensichtlich den Begriff „alles“ neu zu interpretieren.

(Reuters) - Unionsfraktions-Vize Michael Meister hat Bestrebungen in der Euro-Zone, dem Rettungsschirm ESM unbegrenzt Kredite bei der Europäischen Zentralbank (EZB) einzuräumen, eine strikte Absage erteilt. "Eine Banklizenz für den ESM hieße, dass die Zentralbank die Staatsfinanzierung übernimmt. Das wollen wir nicht und das werden wir nicht zulassen", sagte Meister der "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe).

Nein, das machen die USA, Japan und UK. Mit anderen Worten alle Regionen der westlichen Welt, mit denen wir im Wettbewerb stehen. Wird dann nicht ein massiver Wettbewerbsnachteil für die Eurozone, die die massivsten Reformen in der Finanzgeschichte umsetzt, etabliert? Da die Finanzprotagonisten aus London und NY uns unsachlich angreifen (fiskalische Fundamentaldaten eindeutig pro Eurozone) und auf den Zerfall der Eurozone wetten, werden Investitionen in die Reformländer als auch mittlerweile in Ansätzen in Deutschland unterbunden und die Wirtschaft geschwächt mit der Folge, dass die fiskalische Struktur der Eurozone verstärktem Druck ausgesetzt wird und als Resultat das Risiko eines Zerfalls der Eurozone steigt.

Es kommt nicht häufig vor, dass wir mit Herrn Geithner übereinstimmen. Aktuell ist das der Fall. O-Ton Geithner: "Europa muss konsequenter und kreativer und effektiver bei der Beruhigung des finanziellen Drucks sein, der das Wachstum so stark belastet." Dem stimmen wir vollständig zu! Passender Reuters Beitrag zu Portugal - Hintergrund konjunkturelle Probleme: (Reuters) - Portugal hat im ersten Halbjahr weniger Steuern eingenommen und könnte deshalb seine Ziele für das Gesamtjahr verfehlen. Wie die Prüfbehörde des Parlaments am Dienstag mitteilte, dürfte ein Teil der Ausfälle jedoch durch überraschend starke Einsparungen im Haushalt ausgeglichen werden.

Das Haushaltsdefizit für die erste Jahreshälfte habe 4,14 Milliarden Euro betragen und lag damit unter der Obergrenze von 4,4 Milliarden Euro, die als Teil eines Rettungspaketes der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbart wurde. Die Behörde legte keine Prognose für das Gesamtjahr 2012 vor. Eine Banklizenz würde "dauerhaft den Reformdruck von den Staaten" nehmen behauptet Herr Meister.

Wäre das wirklich so? Oder ist das vielleicht eine Unterstellung, die für Italien, Portugal, Spanien, Irland und auch Frankreich in entscheidenden Ansätzen als herablassend empfunden werden kann? Das gilt um so mehr, als dass Deutschland seit 2004 keine Reformen mehr machte und sogar vorherige Reformen der Agenda 2010 unter der Regierung Merkel entschärfte? Mit anderen Worten sind wir doch auch ein wenig "Hollande"?

Ist die deutsche Position mit dem Begriff Selbstüberschätzung in Einklang zu bringen, zumal unser Wohl und Wehe unverändert durch Exportmärkte und hier vor allen Dingen durch die Absatzmärkte der Eurozone bestimmt ist?

Wenn man in einer sich zuspitzenden Krise mehr zu tun verspricht, und dann nicht liefert, ist das mindestens verstörend. Es ist wesentlich korreliert mit dem Dilemma der Vorfestlegungen der Koalitionspartner CSU und FDP, aber auch dem Risiko der kommenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Das verstehen wir in Bremen schon.

Fakt ist, dass mit jedem weiteren Tag, an dem die Spekulation gegen die Integrität der Eurozone aufrecht erhalten wird und die Eurozone sich nicht angemessen verteidigt, die europäische Konjunktur sukzessive weiter abstirbt, obwohl durch die Reformen attraktivere Investitionsbedingungen geschaffen wurden und weiter werden. Damit wird der gesellschaftspolitische Konsens in den Reformländern mangels angemessener Solidarität durch Deutschland weiter untergraben.

Wir sind im Endspielmodus um die Eurozone und damit auch um unsere deutsche Zukunft. Egozentrisches Parteienkalkül mag der Sache der „Res Publica“ entgegenstehen … Worte sind gut - Taten sind besser! - Staatsfrauen/männer und nicht Parteifunktionäre braucht das Land!

Die kritische Wirtschaftslage nimmt in der Eurozone zu. Das gilt vor allen Dingen für den Arbeitsmarkt, der eng mit dem Thema gesellschaftspolitischer Konsens innerhalb der Eurozone verbunden ist. Die Arbeitslosenrate markierte in der Eurozone per Berichtsmonat Juni ein neues Allzeithoch bei 11,2%. Der Chart erübrigt jedwede weitere Erörterung.

Seit Sommer 2011, korreliert mit den unfundierten spekulativen Attacken gegen Frankreich, SocGen und BNP, nimmt die Arbeitslosigkeit dynamisch zu, weil die Reformländer seitdem von realwirtschaftlichen Investitionen abgeschnitten wurden und weiter werden.

Verstehen das unsere Politiker nicht, was hier gespielt wird? Wie viel strategischer und ökonomischer Verstand ist in den führenden Eliten vorhanden. "The writing is on the wall" seit August 2011 - wo sind unsere Antworten in diesem “Finanzkrieg”. Mit Taschenmessern gewinnt man nicht gegen Finanzpanzer Herr Meister!

Open in new window

Wir verzichten auf weitere Kommentierung der gestrigen Wirtschaftsdaten aus gegebenen Anlass und fokussieren uns heute um 20.15 auf die Sitzung des Offenmarktausschusses.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Erst ein nachhaltiges Überwinden der Widerstandszone bei 1.2370 - 00 neutralisiert den negativen Bias des Euros.

Viel Erfolg!

© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Bremer Landesbank

Hinweis: Meinungen oder Empfehlungen geben die Einschätzung des jeweiligen Verfassers wieder und stellen nicht notwendigerweise die Meinung der Bremer Landesbank oder deren assoziierter Unternehmen dar. Sie können sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern. Die hier enthaltenen Aussagen sind nicht als Angebot oder Empfehlung bestimmter Anlageprodukte zu verstehen. Dies gilt auch dann, wenn einzelne Emittenten oder Wertpapiere erwähnt werden. Hier enthaltene Informationen können auf die individuellen Verhältnisse des Anlegers abgestellte, kundenspezifische und objektorientierte Beratung nicht ersetzen. Bitte setzen Sie sich deshalb mit Ihrem bei der Bremer Landesbank zuständigen Berater in Verbindung.