Als unbedarfter Bürger dieses Landes kann man schlicht kaum glauben, was im Nachgang der Bundestagswahlen alles ans Licht kommt. Wenn aus Russland oder Westafrika berichtet wird, dass bei Wahlen Stimmzettel verschwinden, oder nicht korrekt ausgezählt wird, dann heben die Deutschen ja gerne mahnend den Zeigefinger. Doch wie es aussieht, sollten wir besser vor unserer eigenen Türe kehren.

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Einige Beispiele belegen, dass bei der Bundestagswahl vom vergangenen Wochenende nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Die Vorfälle erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn es ist zu erwarten, dass in den kommenden Tagen über soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook noch mehr Merkwürdigkeiten ans Licht kommen werden:

1. Im Wahlbezirk Detmold wurden für die SPD 92 Stimmen vermerkt. Amtlich veröffentlicht wurden kurze Zeit später jedoch 241 Stimmen. Also 149 Stimmen mehr.

2. In Hamburg sind 100.000 Briefwahlstimmen für die CDU spurlos verschwunden.

3. Im Bezirk Meppen wurden 64 Zweitstimmen für die AfD einfach nicht berücksichtigt.

4. Im Wahlbezirk Hof war die Zahl der gültig abgegebenen Stimmen größer als die Zahl der Wahlberechtigten! Nein, das ist kein Witz.

5. In Chemnitz haben misstrauische Bürger die Probe aufs Exempel gemacht, und tatsächlich: Wer lediglich einen Reisepass vorlegen konnte, der konnte seine Stimme mehrfach abgeben.

Man mag sich gar nicht ausdenken, was angesichts solcher Vorgänge am Ergebnis der Bundestagswahl alles faul sein könnte. Dank des Internets breiten sich die Berichte über Unstimmigkeiten bei der Wahl gerade wie ein Lauffeuer aus. Einige Links dazu:

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/09/25/von-bochum-bis-waltrop-eklatante-fehler-bei-der-stimmen-zaehlung/

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/09/27/von-essen-bis-passau-weitere-gravierende-unregelmaessigkeiten/

http://www.cdu-hamburg.de/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/wo-sind-100000-hamburger-briefwaehler-geblieben-massive-ungereimtheiten-beim-hamburger-wahlergebni.html

http://homment.com/wahlbetrug-2013

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Sind das alles nur Versehen? Wurde da grandios geschludert? Oder wurde bei der Bundestagswahl 2013 womöglich Wahlbetrug im ganz großen Stil betrieben? Es ist zu befürchten, dass sich die Wahrheit kaum herausfinden lassen wird. Doch gefallen lassen müssen wir uns solche Vorgänge deshalb noch lange nicht: Wem das alles spanisch vorkommt, der kann sich einer Petition anschließen, die wegen der immer offensichtlicher werdenden Unregelmäßigkeiten Neuwahlen anstrebt:

https://www.openpetition.de/petition/online/wir-fordern-neuwahlen-fuer-bundestagswahlen-2013

Vielleicht wäre das tatsächlich gar keine schlechte Idee: Nach der Union waren die Nichtwähler mit 28,5 Prozent am vergangenen Sonntag die stärkste „Kraft“ im Lande. Dazu kommen 15,8 Prozent an Wählerstimmen für Parteien, die im nächsten Bundestag nicht vertreten sein werden. Gut 44 Prozent der Bevölkerung haben daher nach dem aktuellen Wahlergebnis keine politische Stimme.

Auch aus einem ganz pragmatischen Grund ist es gut möglich, dass uns ein weiterer Urnengang nicht erspart bleibt: Die SPD hat derzeit offenbar überhaupt keine Lust, sich mit der CDU ins Regierungsboot zu setzen. Und man kann es den Genossen nicht einmal verübeln: Wer sich in Europa-Fragen von der Kanzlerin „totale Unzuverlässigkeit“ vorwerfen lassen muss, obwohl er alle Beschlüsse zu diesem Themenkomplex ohne Murren brav abgenickt hatte, der ist verständlicherweise beleidigt, oder zumindest vorgewarnt, wenn er mit den gleichen Leuten jetzt eine große Koalition bilden soll.

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Die Grünen scheiden als Partner der Union ebenfalls aus, auch weil sie bis auf weiteres mit sich selbst beschäftigt sein werden. Es könnte also noch komplizierter werden als gedacht, bis der nächste Bundestag die Regierungsgeschäfte übernehmen kann...

Unterdessen spitzt sich die Lage in Griechenland von der Öffentlichkeit hier zu Lande kaum bemerkt dramatisch zu. In Athen könnte sich ein Militärputsch anbahnen. Es wäre übrigens nicht das erste Mal, dass das griechische Militär in einer Krisenlage das Heft des Handelns an sich reißt:

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/09/27/putsch-gefahr-griechisches-militaer-fordert-ruecktritt-der-regierung/

Das zeigt uns erstens, dass das Thema Eurokrise noch lange nicht aus der Welt ist, denn natürlich sind die wieder aufflackernden Unruhen eine direkte Folge der wirtschaftlichen Misere des Landes. Nebenbei führen uns die Entwicklungen in Athen zu einem wichtigen Punkt:

Einige Kollegen vertreten derzeit die durchaus überraschende Ansicht, das Ergebnis der Bundestagswahl mit dem klaren Sieg der Union zeige, dass die Eurokrise so gut wie ausgestanden sei. Die Menschen in Deutschland würden die bisherige Strategie der Bundesregierung billigen, wonach es Rettungspakete auch in Zukunft nur gegen Gegenleistungen geben werde. Daher werde es auch künftig keine weitere Zuspitzung der Eurokrise mehr geben.

Ganz davon abgesehen, dass eine Woche nach der Bundestagsswahl selbst ein rot-rot-grünes Regierungsbündnis keineswegs völlig ausgeschlossen ist, ist das schon sehr mutig gedacht. Oder sollte man besser sagen leichtsinnig?

Denn natürlich kann man das auch ganz anders sehen. So zum Beispiel: Dem aufmerksamen Beobachter wird nicht entgangen sein, dass die gesamte Eurothematik aus dem Bundestagswahlkampf nahezu vollständig ausgeklammert wurde – obwohl alle Umfragen immer wieder gezeigt haben, dass genau dieses Thema den Menschen in Deutschland ganz besonders auf den Nägeln brennt. Der Erfolg der Alternative für Deutschland (AfD) hat genau diesen Hintergrund.

Doch da die andächtige Stille in allen Fragen der Eurorettung während der vergangenen Monate nicht ganz unbeabsichtigt gewesen sein dürfte, ist zu befürchten, dass die Wahrheiten erst jetzt, also nach den Wahlen, auf den Tisch kommen werden. Manchem dürften dann die Augen übergehen, wenn er bemerkt, was die Eurorettung wirklich bedeutet. Und zwar für ihn ganz persönlich und für den eigenen Geldbeutel. Und schon ist die Eurokrise wieder das alles beherrschende Thema...

„Bloß keine Veränderungen“

In diesem Zusammenhang ist es immer wieder amüsant zu lesen, wie viele Zeitgenossen, Kollegen insbesondere, geradezu manisch darauf gepolt sind, an den bestehenden Zuständen krampfhaft festhalten zu wollen. Bloß keine Veränderungen, es könnte sich ja einmal etwas bewegen in unserem Wirtschafts- und Finanzsystem....

Auch aus diesem Grund dürften viele Menschen in Deutschland am vergangenen Sonntag an den Rockzipfel von „Mutti“ geeilt sein: Viele Bundesbürger spüren intuitiv sehr wohl, dass viele Dinge gerade ganz massiv aus dem Ruder laufen, doch wenn wir unsere Kanzlerin wählen, dann wird es schon nicht so schlimm kommen.

Doch womöglich wird es sogar sehr viel schlimmer.

Schon wenige Tage nach der Bundestagswahl kommen Entwicklungen in Gang, die zumindest aufhorchen lassen sollten: Finanzminister Wolfgang Schäuble denkt bereits laut über Steuererhöhungen nach, obwohl genau dieser Punkt im Wahlkampf der Union kategorisch ausgeschlossen worden war.

Soviel Unverfrorenheit verschlägt selbst der ARD-Moderatorin Anne Will die Sprache. Deshalb lohnt es sich, den Punkt noch einmal etwas näher zu beleuchten. Am vergangenen Mittwoch hatte die ARD das getan und die Frage gestellt: „Euro-Kritiker auf dem Vormarsch – kann Merkel sie kleinhalten“?

Viele werden die spektakuläre Sendung zu nachtschlafender Stunde am Mittwochabend um 23:45 Uhr verpasst haben. Wer sich mit eigenen Augen davon überzeugen möchte, wie die Masken allmählich fallen und den etablierten politischen und medialen Kräften die Kontrolle entgleitet, der findet die Sendung unter folgendem Link in der ARD-Mediathek:

[Link "http://daserste.ndr.de/annewill/videos/annewill3883.html" auf daserste.ndr.de/... nicht mehr verfügbar]

Es dürfte sich lohnen, den Beitrag relativ zeitnah anzuklicken, denn auf Youtube ist das Video bereits nicht mehr verfügbar. Am Donnerstagnachmittag war das noch anders.

Die Kollegen der Deutschen Wirtschaftsnachrichten haben sich die Mühe gemacht, zentrale Aspekte der Sendung zusammen zu fassen. Falls das Video demnächst nicht mehr erreichbar sein sollte, lassen sich im folgenden Artikel wichtige Punkte nachlesen:

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/09/26/euro-debatte-im-staats-tv-ein-system-demaskiert-sich-selbst/

Ein abschließender Blick auf die Börsen:

Achten Sie in den kommenden Wochen besonders aufmerksam auf die Aktie des weltgrößten Einzelhändlers WalMart (WMT). Das Unternehmen hat vor wenigen Tagen einen enttäuschenden Ausblick auf das wichtige vierte Quartal vorgelegt.

Es könnte sein, dass sich hier gerade ein Ende der Party abzeichnet: In den USA werden fast 70 Prozent der Wirtschaftsleistung von den Konsumenten getragen. Gehen die Geschäfte bei WalMart zurück, dann darf dies als schlechtes Omen für die US-Konjunktur verstanden werden.

Folgerichtig zeigt sich im langfristigen Kursverlauf bereits ansatzweise eine potentielle Top-Bildung. Sollte der gleitende 50-Wochen-Durchschnitt (blaue Linie) demnächst nach unten abdrehen, dürfte es kritisch werden:

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Weil es gerade so gut passt: Besonders hinterhältig und typisch Börse wäre, wenn eine größere Korrektur ausgerechnet am Beginn der traditionell stärksten Phase des gesamten Jahres einsetzen würde.

Das vierte Quartal beginnt in der kommenden Woche...

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de