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Der US Regulator veröffentlicht regelmäßig Listen der Banken, die entweder pleite gegangen sind oder gerettet werden mussten. Schon beim ersten Blick auf den Chart sieht man, dass 2008 rein von der Anzahl der bankrotten Banken gar nicht so schlimm war. Von 2008 bis heute sind in den USA 504 Banken abgewickelt worden. Von 1982 bis 1994 waren es 2.341. Das ist schon eine ganz andere Hausnummer. Die Behörden teilen mit, ob eine Bank wirklich pleite gegangen ist (faul) oder ob sie über staatliche Unterstützung gerettet wurde (assist).

In den 80er Jahren wurde zwar kräftig gestützt, das hat aber unterm Strich nicht viel geholfen. Nach 2008 hat sich die Anzahl der gestützten Banken ziemlich in Grenzen gehalten. Hier wurden vor allem größere Banken gestützt. Kleinere wurden kaum beachtet. Der überwiegende Großteil der bankrotten Banken nach 2008 waren kleine Banken.

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Obwohl uns die Finanzkrise an den Zusammenbruch des Systems heranführt, ist es für die Banken selbst überraschend glimpflich ausgegangen. Das Geld, welches Banken im Zuge der Rettungen erhalten haben, wurde größtenteils zurückgezahlt. Alles ist noch nicht abgewickelt. Es sieht aber ganz danach aus, als hätte der Steuerzahler am Ende durch die Rettungen nichts bezahlt. Damit steht die US Regierung ziemlich alleine da. In Europa häufen sich noch immer weitere Summen an.

Je nachdem wie gut Freddie Mac und Fannie Mae in Zukunft performen, kann der Staat in den USA sogar noch richtig viel Geld mit den Rettungen verdienen. In den 80er Jahren war das nicht der Fall. Damals mussten Steuerzahler effektiv 132 Mrd. USD berappen. Nach heutigen Maßstäben wären das ungefähr 400 Mrd. USD.

Woher kommt dieser große Unterschied?

In den 80er Jahren waren vor allem Bausparkassen betroffen. Ein Drittel aller Bausparkassen musste schließen. Das waren etwas mehr als 1.000 Stück. Grund für das Massensterben war eine ziemlich gefährliche Praxis. Es wurden langfristige Kredite mit fixen Zinssätzen vergeben. Refinanziert wurden die Kredite über den Interbankenmarkt oder durch die Fed. Die Refinanzierung war dabei kurzfristig. Es gab also einen Missmatch zwischen den ausgegebenen Krediten und der Refinanzierung. Ersteres war auf lange Frist fix verzinst. Letzteres orientierte sich an den kurzfristigen Zinsen.

Die Banken hatten vor allem zu niedrigen Zinsen vom Anfang der 70er Jahre Kredite in den Büchern. Die Zinsen verdoppelten sich dann allerdings bis Anfang der 80er Jahre. Die Banken mussten mehr für die Refinanzierung zahlen als sie über die Kreditzinsen von Verbrauchern wieder einnahmen.

Die Zinsen sanken nach 1982 wieder. Das war aber zu spät. Banken versuchten sich über Schneeballsyteme am Leben zu halten. Vielleicht hätte das sogar funktioniert, wenn die Verbraucher mitgespielt hätten. Keiner wollte mehr Kredite aufnehmen, weil die Zinsen so exorbitant hoch waren.

Viele Banken verschleppten das Problem, indem sie schlichtweg Bilanzfälschung betrieben. Teils wurden auch Ramschanleihen ausgegeben - ebenfalls auf Basis falscher Informationen. In einem Fall soll eine solche Anleihe gut 50 Mio. eingebracht haben. Der zugrunde liegende Wert lag allerdings bei -100 Mio.

Ab 1982 kam der Stein so langsam ins Rollen. Die Krise erreichte ihren Höhepunkt Ende der 80er Jahre. Den Aktienmarkt störte das kaum. In der Krisenzeit konnte sich der Dow Jones verdoppeln. Bankenkrisen sind nicht das Ende der Welt. Auch die Abwicklung von Banken ist nicht das Ende der Welt. Bedenkt man, wie sich unsere Politiker und Regulatoren anstellen seit 2008 Pläne für die Abwicklung von Banken zu entwickeln, dann ist das schon frustrierend. Es ist ja nicht so als hätte es so etwas noch nie gegeben...

Die Krise 2008 war natürlich von der Ausgangslage eine andere. Nichtsdestotrotz wurden in der Vergangenheit solche Krisen gut bewältigt. In Europa scheint das nicht zu gehen. Der Bankensektor ist nach wie vor ein Krisensektor. Vielleicht ist das mit ein Grund, weshalb Draghi gestern ganz tief in die Trickkiste gegriffen hat.