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Der Freitag brachte ein Ereignis, das Goldanleger nicht mehr gewohnt sind. Fast zwei Prozent rauschte der Preis für das edle Metall in die Tiefe. Wirklich handfeste Gründe gab es nicht. Ein Blick auf den Kursverlauf verheißt nichts Gutes. Die wichtige Unterstützung bei 1640 US-Dollar wurde geradezu pulverisiert. Bedenklich außerdem: Demnächst wird der gleitende 50-Tage-Durchschnitt (blau) die 200-Tage-Linie von oben nach unten durchkreuzen. Damit wird ein bedeutendes langfristiges Verkaufssignal entstehen. Und zwar, bitte festhalten, schon in der kommenden Woche:

War es das nun also mit der Goldhausse?

Was für eine hinterhältige Diva, diese Börse. Da redet alle Welt vom steigenden Goldpreis, und dann sowas. Dabei ist das geradezu typisch Und womöglich wird uns die Börse schon bald davon überzeugen, wie hinterfotzig sie wirklich sein kann.

Mein Kollege Daniel Kühn hat kürzlich zwei interessante Artikel zum Thema Gold verfasst, die aus antizyklischer Sicht einige sehr wichtige Argumente enthalten. Daniel Kühn vermutet, dass der Goldpreis sein Hoch für viele Jahre gesehen hat. Aber hallo! Das ist ja mal eine Aussage!

http://www.godmode-trader.de/nachricht/GOLD-Verhasster-Freund,a3027680,b605.html
http://www.godmode-trader.de/nachricht/Warum-ich-mein-Gold-absichere-Facebook,a3016112.html

Das Frappierende daran ist, dass so etwas derzeit niemand schreibt. Als Kontra-Anleger ist man deshalb geradezu verpflichtet, die Sache einmal näher zu beleuchten.

Derzeit gibt es ohne Frage mindestens ein gutes Dutzend fundamentaler Gründe, die dafür sprechen, dass der Goldpreis noch lange nicht am Ende seiner Reise angekommen ist. Wir wollen sie hier nicht alle aufzählen, die meisten Argumente sind ohnehin längst bekannt – was an sich schon wieder gefährlich ist und eigentlich für fallende Goldpreise spricht. Denn was die Spatzen von den Dächern pfeifen, das kümmert keine Sau mehr, um es einmal etwas salopp zu formulieren.

Drei der wichtigsten Argumente für das Gold lauten folgendermaßen:

1. In den vergangenen Jahren folgt der Preis für das Edelmetall erstaunlich präzise dem Verlauf der Entwicklung bei den US-amerikanischen Staatsschulden. Dass man hier von einem weiteren Anstieg ausgehen muss, ist einigermaßen wahrscheinlich. Dazu die folgende Grafik:

2. Negative Realzinsen und Käufe der Zentralbanken sollten das Gold auch weiterhin beflügeln...

Und drittens: Von einer spekulativen Übertreibung, die es an den Finanzmärkten regelmäßig dann gibt, wenn die große Masse ein Anlagethema für sich entdeckt, sind wir beim Gold und erst recht beim Silber noch meilenweit entfernt.

Zur Bestätigung dieser These genügt es, sich einmal im Bekanntenkreis umzuhören, wer denn von den lieben Freunden und Verwandten tatsächlich schon ein wenig Gold oder Silber gekauft hat. Hier könnte man jede Wette gewinnen, wenn man darauf setzt, dass die Zahl derjenigen, die das getan hat, noch in der übergroßen Minderheit ist.

Auch bei Taxifahrern, Friseuren oder Bäckergesellen sind Edelmetalle alles andere, nur kein Tagesgespräch. Womit nichts gegen diese ehrbaren Berufsgruppen gesagt sein soll. Die Tatsache aber, dass die breite Masse mit dem Thema Gold noch gar nicht befasst ist, spricht ganz eindeutig gegen ein Ende der Goldhausse zum jetzigen Zeitpunkt.

Doch jetzt kommt das gewichtige Aber:
Je stärker die Börsen steigen, desto mehr Menschen könnten der Illusion erliegen, die Finanzkrise sei ausgestanden. Genau an dieser Stelle lauert die größte Gefahr für eine mittelfristige Fortsetzung des Goldpreisanstiegs.

Und es gibt noch einen weiteren wichtigen Grund für eine, nennen wir es mal „Pause“ beim Gold. Dieser Grund ist mehr im allgemeinen Wesen der Börse zu suchen: Die stärksten Bullenmärkte haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie die große Masse abzuschütteln pflegen, ehe die größten Anstiege beginnen.

„Wer Gold kauft, ist verrückt“!
Erinnern wir uns an die Zeit vor etwa zwölf Jahren. Wer im Jahr 2001 für das Gold getrommelt hat, der musste von Glück reden, wenn man ihn nicht für völlig übergeschnappt erklärt hat. Gold war als Anlageobjekt dermaßen unbeliebt, wie man das nur am Beginn ganz großer Anstiege findet. Tatsächlich gab es beim Goldpreis seither keine einzige ernsthafte Korrektur, wenn man einmal von der Sondersituation Ende 2008 absieht, als die Anleger im Zuge der Lehman-Pleite praktisch alles verkauft haben, darunter auch Gold.

Den damaligen Schnitzer hat das Edelmetall jedoch umgehend wieder ausgebügelt und die Hausse seither unbeirrt fortgesetzt. Auch dies ist übrigens ein wichtiger Grund, der viele Menschen heute glauben lässt, das Gold sei quasi „unverwundbar“. Dass es das nicht ist, erleben wir gerade. Der zentrale 50-Wochen-Durchschnitt wurde in dieser Woche mit Karacho aufgegeben. Achten Sie auf die blaue Markierung in der folgenden Abbildung. Das heißt, wenn kein Wunder geschieht, dann kommt da noch mehr. Vielleicht sehr viel mehr:

Sieht man sich nun das aktuelle Stimmungsbild beim Gold an, dann kommt man als Kontra-Anleger schon sehr ins Grübeln: Unter den Fachkollegen gibt es kaum noch jemanden, der vor einem fallenden Goldpreis warnt. Die beiden eingangs erwähnten Artikel meines Kollegen Daniel Kühn stehen ziemlich allein auf weiter Flur.

Das Fatale ist nun. Aus antizyklischer Sicht ist es vollkommen ausgeschlossen, dass in einem solchen Umfeld der nächste dramatische Kursanstieg beginnt. Gehen wir noch einmal zurück an den Anfang der Geschichte: Wie war das noch im Jahr 2001? Damals hätte niemand auch nur einen Pfifferling auf das Gold gewettet. Und was geschah? Der Goldpreis begann einen beispiellosen kometenhaften Anstieg, mit dem er ALLE anderen Anlegesegmente weit in den Schatten gestellt hat.

Es wäre nun nur konsequent, wenn sich die Geschichte ganz ähnlich fortsetzt. Was aber könnte einen Stimmungsumschwung beim Gold verursachen, der so massiv ist, dass die große Masse das Weite sucht und panikartig ihre Goldbestände auflöst?
Hierzu fällt einem im aktuellen Umfeld nur eine vernünftige Antwort ein: Einzig ein dramatischer Kurseinbruch könnte einen solchen Stimmungsumschwung auslösen. Was aber könnte die Ursache eines solchen Stimmungswechsels sein? Auch hierzu muss man nicht lange überlegen: Sollte die breite Masse zu der Überzeugung gelangen, dass die weltweite Finanz- und Schuldenkrise überstanden ist, etwa weil, wie mein Kollege Jochen Stanzl am Freitag schreibt, ein neuer Kreditzyklus begonnen hat, dann wäre ein solches Ereignis denkbar.

Auch weitere Anstiege der Aktienmärkte könnten dem Gold zu schaffen machen. Dow Jones 15.000? DAX 9.000? Niemand weiß, was in diesem Sommer noch kommt. Sollten sich die beiden wichtigen Börsenbarometer aber tatsächlich in derart „utopische“ Regionen aufschwingen, dann muss man mit allem rechnen - auch mit einem totalen Zusammenbruch des Goldpreises. Denn die Krise ist dann ja „vorbei“...

Die wilden Siebziger...
Interessanterweise hält die Finanzgeschichte ein interessantes Ereignis in Petto, wie so etwas ablaufen könnte. Auch die 1970er Jahre waren gekennzeichnet durch einen starken Goldpreisanstieg, der im Jahr 1981 mit einem vorläufigen Hoch bei rund 850 US-Dollar je Feinunze gipfelte. Auf dem Weg dorthin kam es jedoch zu einem Ereignis, das als Blaupause dafür dienen könnte, für das, was auch den heutigen Goldfans noch blühen könnte:

Ehe der dramatischste Anstieg beim Gold begann, schüttelte der damalige Bulle, genau wie heute ein unerschütterlicher Geselle, selbst die standhaftesten Optimisten noch einmal konsequent ab: Von Mitte 1975 bis Anfang 1976 halbierte sich der Goldpreis nahezu: Die Notierungen taumelten von rund 190 US-Dollar je Unze auf 100 US-Dollar in die Tiefe - und zwar, das ist sehr wichtig, in einem Umfeld stark steigender Inflationsraten, die genau wie heute die negativen Realzinsen oder die steigende Staatsverschuldung „eigentlich“ ein Garant waren für einen unaufhaltsamen Anstieg des Goldpreises. Aber so funktioniert Börse eben nicht. Die folgende Abbildung zeigt, wie sie wirklich funktioniert. Achten Sie auf die schwarze Markierung. Und achten Sie vor allem auch darauf, was passierte NACHDEM das Bäumchen kräftig geschüttelt wurde. Da fing die Party nämlich erst an...

Quelle: www.kitco.com

Wird das in den kommenden Monaten so ähnlich wieder passieren? Interessanterweise muss man heute an die damaligen Kursverhältnisse nur eine Null dranhängen und schon erhält man mögliche Kursziele für eine Verkaufspanik beim Gold.

Was in diesem Zusammenhang gar nicht gefällt, das ist die fortgesetzte Schwäche der Minenaktien. Aus fundamentaler Sicht sind das in dem Sektor längst glasklare Kaufkurse. Auch das Sentiment ist so grottenschlecht, wie man das nur ganz selten findet. Und trotzdem wollen vor allem die großen Minen einfach nicht in die Gänge kommen. Das könnte darauf hindeuten, dass es beim Goldpreis nach zwölf Jahren Dauerhausse für die meisten Edelmetallfans vollkommen unerwartet und ganz plötzlich sehr unangenehmen werden könnte.

Nehmen wir noch einmal das Beispiel von 1975 zur Hand: Was würde wohl passieren, wenn der Goldpreis nicht nur auf 1.500 oder 1.200 Dollar einbrechen würde, sondern auf, sagen wir, 900 US-Dollar? Das würde in etwa dem damaligen Verlust entsprechen. Unter Garantie gäbe es auf dem Planeten in einem solchen Umfeld so gut wie keine Goldbullen mehr.

Dann könnte das geschehen, was unsere Börse nur zu gerne macht: Ganz ähnlich wie in den späten 1970er Jahren könnte der größte Anstieg beim Gold erst dann beginnen, wenn niemand mehr damit rechnet. Ende der 1970er Jahre hat sich der Goldpreis innerhalb kürzester Zeit verachtfacht. Endet die laufende Goldhausse also, wir hängen auch hier wieder eine Null an, erst bei 8.500 US-Dollar je Feinunze?

Eines ist meiner Ansicht nach vollkommen klar: Das Ende der aktuellen Goldhausse werden wir erst sehen, wenn die große Masse auf den Zug aufgesprungen ist. Da dies aber noch längst nicht der Fall ist, könnte es sein, dass uns das Gold noch zweimal überrascht: Zunächst auf dem Weg nach unten, mit Kurszeilen, die heute jedermann für vollkommen undenkbar hält – und anschließend auf dem Weg nach oben.

Niemand weiß das heute, aber vorstellbar wäre durchaus, dass Lieschen Müller ihr Erspartes erst dann in Gold umschichtet, wenn der Goldpreis bei 5.000 oder auch bei 8.000 US-Dollar notiert.

Leider ist das alles aus antizyklischer Sicht vollkommen logisch und konsequent. Goldanleger sollten sich deshalb sicherheitshalber auf turbulente Monate gefasst machen. Dabei könnte die uralte Kostolany-Regel hilfreich sein: Gold und Silber kaufen, Schlaftabletten nehmen und in ein paar Jahren nachsehen, was daraus geworden ist...

In der März-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs werden wir uns dem Thema ausführlich widmen.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de