Es scheint schon ein Naturgesetz geworden zu sein, dass im Sommer die Unsicherheiten in den Märkten stark zunehmen, bis hin zu unkalkulierbaren Abstürzen wie im letzten Jahr. Was könnten die Ursachen für diese Saisonalität sein, wenn man sie durch eine etwas unkonventionelle Brille betrachtet?

Anzeige

In der weltweiten Urlaubszeit sind die Umsätze an den Börsen gering und viele Entscheider in den Ferien. Dadurch ist es einfacher mit geringen Mitteln gezielt Marktbewegungen auszulösen und im Vorfeld darauf zu setzen. Wir vertraten schon letztes Jahr die These, dass die umsatzschwache Zeit, in der übrigens auch in Brüssel Sommerpause herrscht, für gezielte Attacken genutzt wird. Die Nachrichten, die dafür notwendig sind, werden natürlich angepasst. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, konnte solche Tendenzen auch in den letzten Tagen ausmachen. Friedliche Demonstrationen gegen die Sparbemühungen in Spanien wurden in den Medien als Massenaufstände dargestellt. Am Montag dieser Woche stand plötzlich die griechische Staatspleite unmittelbar bevor. Der negative Ratingausblick von Moody´s für Deutschland und andere AAA-Staaten passte auch gut ins Bild. Die Märkte fallen immer schon vorher – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Und die Medien machen sich, wahrscheinlich unbewusst, zum willfährigen Katalysator offensichtlicher Handelsstrategien großer Marktteilnehmer, die wir hier mal Hedgefonds nennen.

Es gibt eine weitere Gruppe, die Interesse daran haben könnte, die oben beschriebenen fragilen sommerlichen Rahmenbedingungen für ihre Zwecke zu nutzen. Nach den Erfahrungen im letzten Jahr hat kein Politiker den Wunsch nach einer Wiederholung. Deshalb ist die Bereitschaft bei einer Eskalation schnell zu handeln eventuell etwas größer, als in stabilen Marktphasen im Frühjahr oder zum Jahresende. Möglicherweise nutzen dies potenzielle Interessenten einer europäischen

Haftungsgemeinschaft, um schnell Zusagen der Geberländer bzw. der EZB zu erreichen, wie aktuell im Falle der spanischen Regionen. Aus EU-Kreisen heißt es, dass die Lage in Griechenland nicht mehr beherrschbar sei. Am Mittwoch warnten 15 Ökonomen vor einer vor dem Abgrund stehenden EU, wenn nicht schnell der Schritt in eine Haftungsunion unternommen werde. Der IWF drängt die Geberländer in eine Bankenunion, eine Erhöhung des ESM und weitere Haftungszusagen. Moody´s senkte das Rating von Deutschland, der Niederlande, Österreich, den dt. Bundesländern und natürlich dadurch auch die des EFSF. Warum kommt diese Panikmache gerade jetzt, wo doch jeder weiß, dass momentan keine wichtigen Entscheidungen getroffen werden? Überhaupt wartet doch die ganze Welt erst einmal auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts am 12. September. Es ist die Hoffnung, dass durch die hervorgerufene Panik an den Märkten, die Politik zu schnellen Entscheidungen gezwungen wird!

Haftungsumfang Deutschlands ist begrenzt!

Durch die negativen Ausblicke der Ratingagentur ist nun allen klar geworden, dass die Belastbarkeit Deutschlands nicht unendlich ist. Bei einer Überdehnung der vielfältigen Haftungen (ESFS, ESM, Griechenlandrettungspaket, Target2-Forderungen, etc.) steht die Bonität der Geberländer in Frage und diese könnten mit in den Sog der Euro-Krise gezogen werden. Die Folge wäre ein noch dynamischerer Absturz Gesamteuropas. Weitere Zusagen Deutschlands zu Hilfspaketen jedweder Art werden dadurch sehr erschwert.

Darüber hinaus steht immer noch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum ESM aus. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der ESM als verfassungskonform klassifiziert werden, jedoch mit relativ hohen Auflagen bezüglich der automatischen Aufstockung durch den Gouverneursrat des ESM und mit hohen Anforderungen an die Mitbestimmung durch das Parlament bei weiterer Ausweitung.

Mit diesem und weiteren Urteilen des Bundesverfassungsgerichts und der Rating- Agenturen, ist es Politikern in Zukunft nahezu untersagt leichtfertig Garantien oder andere Finanzunterstützungen zu beschließen, ohne das Volk zu befragen – das Ergebnis eines Plebiszits wäre jedoch aus unserer Sicht mehr als eindeutig!

Reformdruck erhöht sich

Die Folgen einer steigenden Gewissheit, dass nicht unendlich Garantien und Zahlungen aus dem Norden fließen können, wird die Reformbereitschaft unserer südlichen Euro-Mitglieder beflügeln. Wie wir bereits des Öfteren ausführten, geht es vorwiegend um Strukturreformen auf dem Arbeitsmarkt, in der öffentlichen Verwaltung und um Entkrustung der marktfeindlichen Gesetze. Diese Maßnahmen würden die wirtschaftlichen Kräfte entfachen, damit die betroffenen Staaten eben nicht auf Finanzspritzen und weiteres Sparen angewiesen sind! Von solchen Reformbemühungen sehen wir bisher viel zu wenig, weil diese erst mittelfristig in einigen Jahren wirken und kurzfristig nur mit politischen Belastungen für die Regierenden verbunden sind. Was jedoch daraus werden kann, wenn man Reformen konsequent verfolgt, zeigt sich in Estland, Irland und in Ansätzen auch in Portugal. Und der Kapitalmarkt goutiert diese Erfolge: Irland zahlt mittlerweile weniger Zinsen (6,17 Prozent) für 10-jährige Staatsanleihen als Spanien (7,5 Prozent) und Italien (6,6 Prozent). Vor 12 Monaten war der Preis für Geld in Irland noch bei knapp 14 Prozent. Reformen zahlen sich aus!

Nachhaltige Aktien sind erste Wahl

In diesem Umfeld sind echte, nachhaltige und kalkulierbare Renditen und Erträge gefragt. Aktien gesunder Unternehmen mit nachhaltigem Geschäftsmodell, die am Wachstum der Weltwirtschaft partizipieren sind hier erste Wahl (DAX und M-DAX). Die Weltwirtschaft wird in diesem Jahr wohl um 3,6 Prozent wachsen und Prognosen für 2013 gehen von über 4 Prozent aus. Auch wenn dies weniger ist als zu Beginn des Jahres erwartet, so sind 3,6 Prozent immerhin das durchschnittliche Wachstum der letzten 14 Jahre – das ist angesichts der stündlich aktualisierten medialen Weltuntergangs-Szenarien nicht so schlecht. Ein Bonmot noch zum Schluss: Die Welt geht nur sehr selten unter.

Quelle: GECAM