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Schon seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 sind den politischen Börsen stark verlängerte Beine gewachsen. Hinzu kommt eine extrem erhöhte Abhängigkeit von Äußerungen und Handlungen der Notenbanken. Die Auswirkungen sind enorm – ein paar Worte von EZB-Chef Mario Draghi, und der DAX macht innerhalb weniger Tage einen Satz von im Tief 6350 auf fast 6800. Es ist wahrhaftig nicht das erste Mal, dass wir so etwas in den letzten Jahren erleben. Denken Sie an die zwei LTROs Ende2011/Anfang 2012. Aber nicht nur konkrete Taten, auch jedes Gedankenspiel der Notenbänker hat zur Zeit mehr Gewicht als harte ökonomische Fakten. Das zeigt, in welch geringem Maße der Markt ein Eigenleben hat. Alles hängt am Tropf der Notenbanken. Und diese wiederum versuchen nicht zu viel zu machen, um den Druck auf die Politik glaubhaft aufrecht zu erhalten. Denn Mario Draghi und seine Kollegen wissen nur zu gut, dass es den meisten Euroländern am liebsten wäre, die EZB würde das Schlamassel im Alleingang bewältigen und einfach unlimitiert Anleihen kaufen. Diesen Gefallen wird die Zentralbank den Staaten aber nicht tun. Es läge auch weiter außerhalb ihres Mandats. Dieses hat Draghi mit seinen Äußerungen letzte Woche ohnehin auf Äußerste überdehnt. Die neue italienische Lesart in der Zentralbank lautet: wenn hohe Renditen die „Transmission der Geldpolitik“ stören, dann fällt das in das Aufgabengebiet der EZB. Soll heißen: Es kann und wird bald wieder Aufkaufprogramme geben – aber eben in begrenztem Maß, so dass den Krisenstaaten zwar Zeit gekauft der Reformeifer aber nicht abgewürgt wird.
Für die Märkte bedeutet dies, dass sie weiter hoch und runter geschüttelt werden. Euphorie und Depression gehen Hand in Hand. Heute wird noch Draghi bejubelt, morgen schon wieder der Grexit und dessen Folgen befürchtet. Leider wird das wohl noch eine ganze Weile so weiter gehen, denn von einer Lösung der Eurokrise sind noch nicht mal Ansätze erkennbar.