Frankfurt (BoerseGo.de) - Der deutsche Aktienmarkt war heute positiv gestartet, folgte aber am Nachmittag - wie gewohnt - der Wall Street, die heute etwas unter Gewinnmitnahmen litt (nachfolgender Wall Street Bericht).

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    Bis zum Xetra-Schluss verlor der DAX heute 0,5 Prozent auf 5.982 Punkte. Im Vergleich zur Vorwoche blieb dem Index aber noch ein Gewinn von rund 0,6 Prozent. Lang & Schwarz indizieren heute Nacht eine Verbesserung auf 6.001 Punkte.

    Tagessieger wurde die Deutsche Lufthansa. Medien berichteten über einen Aufschwung der Frachttochter Lufthansa Cargo. Dicht dahinter lag Adidas.

    Der Flop des Tages hieß ThyssenKrupp.

    Wall Street: Ein bisschen Geld vom Tisch

    New York (BoerseGo.de) - Die seit gut einem Jahr an der Wall Street anhaltende Rally (seit den Untiefen des März 2008 plus 72%) legte heute wieder mal eine Verschnaufpause ein. Der Dow Jones beendete fürs erste eine acht-tägige Gewinnstrecke, die das Barometer gestern noch auf ein 17-Monatshoch gelupft hatte. Die vorausgegangenen Kursgewinnen veranlassten wohl wieder einige Marktteilnehmer ein bisschen Geld vom Tisch zu nehmen.

    Indisches Vorbild?

    Glaubt man Bloomberg kam der Hauptvorwand dafür aus Indien. Die Notenbank in Mumbai (früher: Bombay) hob heute überraschend ihren Leitzins an, das erste mal seit Juli 2008. Der Grund dafür war die Inflationsrate, die auf dem südasiatischen Halbkontinent auf ein 16-Monatshoch geklettert war. Der indische Schritt weckte, so Bloomberg, Spekulationen, dass andere Notenbanken - wegen Wirtschaftserholung & Preisrisiken - bald dem indischen Vorbild folgen und ihre Stimulierungsmaßnahmen eindämmen, was wiederum das globale Wachstum zügeln könnte.

    Bereits gestern kursierte an der Wall Street das Gerücht, dass die US-Notenbank ihren Diskontsatz anheben will (das wäre bereits das zweite mal in diesem Jahr), gestern allerdings ohne nachhaltige Wirkung am Aktienmarkt.

    “Immer wenn Sie irgendein Geräusch („noise“) hören, über Notenbanken, die ihre Politik abändern, dann bekommen Sie diese Marktreaktion,” erklärte Keith Wirtz, Chief Investment Officer beim Fondsverwalter Fifth Third Asset Management laut Bloomberg.

    Beunruhigende Abstimmung

    Das Wall Street Journal hatte noch eine weitere Erklärung für das heutige Schwächeln parat, nämlich die am Wochenende fällige Abstimmung im US-Kongress über Obamas Gesundheitspolitik. Bereits in den vergangenen Wochen litten die Kurse zeitweise unter Presseberichten über die dadurch verursachten Kostensteigerungen und die Steuererhöhungen, die nötig sind, um die neue Politik zu finanzieren.

    Heute berichtete das Wall Street Journal, dass der Baumaschinenn-Riese Caterpillar (Mitglied im Dow Jones) deswegen einen Brief an House Speaker Nancy Pelosi sandte. Dessen Botschaft: Die neue Gesundheitspolitik erhöhe allein bei Caterpillar die Gesundheitskosten (für die Belegschaft des Industriekonzerns) bereits im ersten Jahr um 100 Mio. Dollar.

    „Die am Wochenende stattfindende Abstimmung zur Gesundheitspolitik ist beunruhigend und bewegt die Leute, Gewinne in den Bereichen mitzunehmen, die besonders gut gelaufen sind“, kommentierte daher Justin Wiggs, Managing Director beim Broker Stifel Nicolaus Capital Markets laut Wall Street Journal.

    Vierfacher Hexentag

    Da aller „schlechten Dinge“ drei sind, trug heute möglicherweise auch der vierfache Verfallstag (Vierfacher Hexentag oder quadruple witching) zu dem Rücksetzer bei. Wie an jedem vorletzten Wochenende eines Quartals liefen heute und gestern wieder zahlreiche Futures & Optionen ab und lösten umfangreiche Anpassungsreaktion aus.

    Besonders hart traf es den - in den vergangenen Monaten gut gelaufenen - Chip-Index, der heute 1,65% einbüßte.
    Der Russell 2000, der kleinere und riskantere Unternehmen erfasst, gab 1,13% ab. Die Eigenheimbauer fielen 1,89%.
    Der konjunktursensible Transportindex sank 1,1%.
    Der Bankenindex verlor 0,97%.

    Der Ölsektor rutschte 2,74%, eine Reaktion auf den fallenden Ölpreis.

    Die - als defensiv geltenden - Versorger kamen mit glimpflichen minus 0,08% davon.

    Logik der Gewinnmitnahmen

    Der Dow Jones Industrial Average minus 0,35 Prozent auf 10.741 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 minus 0,51 Prozent auf 1.159 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index minus 0,71 Prozent auf 2.374 Punkte.

    Diese Reihenfolge entspricht genau der Logik der Gewinnmitnahmen: Die Nasdaq war in den vergangenen Monaten am stärksten gestiegen, vor dem S&P 500, der Dow Jones hinkte hinter her, daher kam das Blue Chip Barometer heute am glimpflichsten davon.

    Im Vergleich zur Vorwoche setzen sich die moderaten Gewinne fort (spiegelverkehrt zur Reihenfolge der Vormonate):

    Dow Jones plus 1,1 Prozent
    S&P 500 plus 0,9 Prozent
    Nasdaq plus 0,3 Prozent

    Dow Jones Average: Ein bisschen gehext?
    Tops:

    9 der 30 Blue Chips schlossen im grünen Bereich. Die eine oder andere Bewegung war wohl dem heutigen Hexentreiben zuzuschreiben.
    Der Top des Dow war (nachrichtenlos) Coca Cola mit plus 1,5 Prozent auf 54,75 Dollar. Vielleicht half der defensive Charakter. Coke wird eben immer getrunken.

    Der Mischkonzern United Internet (Aufzüge und vieles mehr) gewann nachrichtenlos 1 Prozent auf Dollar.

    Flops:

    Der Mischkonzern 3M, der gestern nachrichtenlos zu den Tops gehörte und 1,8 Prozent gewann, verlor heute nachrichtenlos 2 Prozent auf 81,96 Dollar und war damit der Flop des Dow. Ob es an den Hexen lag?

    S&P 500: 3D weckt die Fantasie

    Tops:

    Best Buy plus 1,3 Prozent auf 40,99 Dollar. Analyst Matt Fassler von Goldman Sachs beförderte den Elektronik-Discounter von „neutral“ auf "buy" und hob das Kursziel von $44 auf$47. Die Einzelhandelsaktie sei „billig“, glaubt Fassler. Die Anleger sollten daher vor den kommenden Donnerstag (25.3.) fälligen Q4-Zahlen zugreifen.
    Außerdem führte der Analyst verschiedene fundamentaler Argumente ins Feld: Die Ladenkette profitiere von der Erholung der Volkswirtschaft, günstigeren Preisen für TV-Geräte (technischer Fortschritt) und einer wachsenden Verbrauchernachfrage nach Elektronik-Geräten. Fassler verwies dabei auch auf die wachsende Popularität der 3D-TVs.

    Kohl`s plus 1,4 Prozent auf 55,26 Dollar. Das verdankte der Warenhausbetreiber wohl JP Morgan. Die Bank hob heute ihre Gewinnschätzungen für Q1 des neuen Geschäftsjahres an. Außerdem wurden Overweight-Rating und Kursziel $60 bekräftigt.
    Die Bank verwies lobend auf die wachsenden Umsätze, der im mittleren Preisbereich agierenden Warenhaus-Kette. Der Dienstleister sollte besser als die Branche abschneiden, auch dank neuer In-Store Kioske und wachsender Internet-Verkäufe.

    Aetna plus 3,7 Prozent auf 34,46 Dollar. Die Groß-Krankenkasse überraschte heute mit einem positiven Ausblick. CFO Joseph Zubretsky stellte heute den Analysten während einer Investorenkonferenz für das laufende Quartal einen Gewinn von 66 Cents je Aktie in Aussicht, deutlich mehr als der Konsens bislang erwartet hatte. Der Optimismus kam gut an, weil die Obama-Partei am Wochenende ihre Gesundheitsreform im Kongress durchdrücken will, die von Analysten als kostenerhöhend bezeichnet wird.

    Das beflügelte auch den Kurs des Branchenkollegen Cigna, der 3,5 Prozent auf 37,08 Dollar gewann.

    Flops:

    Die Airlines waren - trotz billigerem Sprit - im Sinkflug. Anscheinend Gewinnmitnahmen nach den jüngsten Kursflügen.

    Continental Airlines minus 3,9 Prozent auf 21,78 Dollar.

    Delta Air Lines minus 4,1 Prozent auf 12,57 Dollar.

    US Airways minus 5,3 Prozent auf 7,10 Dollar.

    Nasdaq: Ungnädige Reaktion

    Die technologielastige Computerbörse war der Rally vorausgelaufen und litt daher unter der Logik der Gewinnmitnahmen.

    Der Flop des Tages war Palm mit einem Einbruch von 29,2 Prozent auf 4,00 Dollar. Die gestern Abend gemeldete Q4-Zahlen des Smartphone-Herstellers waren schon schlecht genug (Verlust deutlich höher als befürchtet), das eigentliche Übel kam aber erst eine Stunde später. In der nachfolgenden Bilanzkonferenz gab das Management eine Umsatzprognose ab, die deutlich unter den ohnehin gedrückten Erwartungen der Wall Street lag. Erst vor kurzem war die Aktie wegen einer Umsatzwarnung (bezogen auf die gestrigen Q4-Zahlen) eingebrochen. Der Grund: Die neuesten Geräte des Smartphones-Pioniers kommen schlecht an, wegen der Konkurrenz von iPhone & BlackBerry.
    Die heutige Reaktion der Analysten fiel entsprechend ungnädig aus. Einige Broker befürchten, dass sich die „Schwierigkeiten“ (Geräte verkaufen sich schlecht) noch beschleunigen, weil Verkaufs- und Netzpartner (Telefongesellschaften) das Geschäftsmodell von Palm zunehmend in Frage stellen und ihre Unterstützung zurückziehen. Daher sei das Risiko hoch, dass der Technologiekonzern seine Kassenbestände (wegen wachsender Verluste und mangelnder Einnahmen) binnen weniger Monate verbrennt und daher pleite geht.
    Konsequenz:
    Pessimisten:
    Der Broker Canaccord Adams dampft sein Kursziel gleich $4 auf $0 ein, das heißt, das Wertpapierhaus geht von einem Bankrott aus.
    Dem schließt sich der Broker Morgan Joseph an, der sein Rating von Hold auf Underperform kappt. Das Kursziel beträgt jetzt ebenfalls $0.
    Gnädiger geben sich Kaufman Brothers, die von Hold auf Sell korrigieren, aber noch ein vergleichsweise großzügiges Kursziel von $3 zugestehen.
    Optimisten:
    Der Broker RBC Capital Markets zeigt sich vergleichsweise optimistisch und senkt das Kursziel nur von $13 auf $11. Es sei noch zu früh "Game Over" zu rufen. Der Broker glaubt, dass die Verbindungen mit den Netzbetreibern noch intakt sind. Als Gründe dafür nennt der Broker ein überzeugendes Betriebs-System und ausgeschöpfte Chance am wachsenden Smartphone-Markt.
    Der Broker Stifel Nicolaus glaubt, dass das Betriebs-System (webOS) einen strategischen Nutzen für einen potentiellen Aufkäufer besitzt und bekräftigt daher sein Hold-Rating.
    Ähnlich argumentiert auch der Broker Pacific Crest, der sein Sector Perform-Rating wiederholt (etwa: Neutral).

    Die restliche Smartphone-Familie zeigte sich einigermaßen solidarisch

    Apple gab 1,1 Prozent auf 222,30 Dollar ab. Die Begeisterung für das iPad flaute etwas ab.
    Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des Smartphones BlackBerry, verlor 1,9 Prozent auf 73,04 Dollar. Wenig Beachtung wurde dem Broker Wunderlich geschenkt, der die Beobachtung mit einem Buy-Rating und Kursziel $96 einleitete.

    Die Chip-Gruppe litt ebenfalls stark unter Gewinnmitnahmen:

    Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, büßte 1,7 Prozent auf 355 Punkte ein.

    Microsoft stagnierte bei 29,61 Dollar. Heute galt das als Stärke.

    Oracle gab dagegen 0,8 Prozent auf 25,19 Dollar ab. Die Wall Street interessierte sich wenig für den Broker Jefferies, der sein Buy-Rating bekräftigte und das Kursziel von $28 auf $29 verbesserte

    Internet: Doppelter Ärger

    Die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets waren - wegen der enormen Gewinne seit einem Jahr - besonders für Gewinnmitnahmen anfällig.

    Google verlor 1,1 Prozent auf 560,03 Dollar. Der Internet-Riese hatte heute gleich doppelten Ärger. Dort wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Suchmaschinen-King aus dem Boommarkt China zurück zieht. Schon vor Monaten drohten die Kalifornier einen Ausstieg wegen der chinesischen Zensur an. Heute berichtete der regierungsnahe Nachrichtendienst China Business News, Google würde angeblich kommenden Montag ein Statement zum möglichen China-Ausstieg abgeben. Ein Rauswurf?
    Außerdem berichten die Medien über einen wieder hochkochenden Rechtsstreit zwischen Google und dem Medienkonzern Viacom (wozu auch MTV gehört). Viacom wirft Google schon lange vor, dass die Google-Tochter Youtube weiterhin den illegalen Upload von Inhalten (etwa Videos) erlaubt, die Viacom gehören. Google wiederum behauptet, dass Viacom selbst eigene Videos auf YouTube platziert, um dadurch einen angeblichen Verstoß des Internetanbieters zu konstruieren.

    Baidu gewann 0,9 Prozent auf 569,95 Dollar. Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen (rund 60%) profitiert der wachsenden Wahrscheinlichkeit, dass der Rivale Google im Reich der Mitte das Handtuch wirft.

    Yahoo minus 0,7 Prozent auf 16,44 Dollar.

    AOL (an der New York Stock Exchange notiert) minus 1,3 Prozent auf 25,51 Dollar.

    Das Online-Kaufhaus Amazon.com rutschte 1,7 Prozent auf 130,50 Dollar. In den vergangenen 12 Monaten war das Papier 86% geklettert.
    Der Rivale Ebay büßte 1 Prozent auf 27,19 Dollar ein.

    Die Online-Videothek Netflix avancierte dagegen 0,2 Prozent auf 70,70 Dollar.

    Rohstoffe: Keine Ausnahme

    Öl: Wind aus den Segeln
    Hohe US-Vorräte und ein steigender Dollarkurs nahmen heute der Ölspekulation etwas Wind aus den Segeln. Der April-Kontrakt für Crude verbilligte an der New York Mercantile Exchange um 1,52 Dollar und schloss auf 80,68 Dollar.

    Gold: Gewinnmitnahmen
    Die Gewinnmitnahmen machten auch beim Gold keine Ausnahme. Der Gold-Kontrakt für April rutschte heute an der New York Mercantile Exchange um 20,60 Dollar auf 1.106,90 Dollar. Nachbörslich pendelte das Edelmetall bei 1.107,35 Dollar.

    Ausblick: Neues von der Immobilienfront

    Montag:

    Dienstag:
    15:00 Uhr Verkauf bereits vorhandener Eigenheime Februar

    Mittwoch:
    13:30 Uhr Auftragseingänge langlebiger Güter, 15:00 Uhr Verkauf neuer Eigenheime, beide vom Februar, 15.30 US-Ölbestände

    Donnerstag:
    13:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche
    Quartalszahlen: Oracle (SAP-Rivale)

    Freitag: