Frankfurt (BoerseGo.de) - Der deutsche Aktienmarkt kam dieser Woche nicht von der Stelle, das Wochenergebnis wurde durch einen sehr schwachen Schluss verdorben (nachfolgender Wall Street Bericht).

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    Per Saldo stagnierte der DAX (minus 0,1% gegenüber Vorwoche). Das positive daran: Die Aktienkurse blieben günstig. “Wir haben eine positive Einstellung zur Wirtschaft,” erklärte diese Woche jedenfalls Pierre-Alexis Dumont, ein Fondsmanager bei OFI Asset Management in Paris, gegenüber Bloomberg. “Wenn sich die Wirtschaft überall erholt, hat das auch einen Einfluss auf Europa. Die Investoren sind zu sehr wegen den Schwierigkeiten in der Eurozone allarmiert. Das ist eine Kaufgelegenheit.”

    Wall Street: Ungarischer Trauermarsch

    New York (BoerseGo.de) - In dieser Woche setzten sich die Spekulationswellen gegen Aktien & Euro fort. Die Attacken verstärkten sich am Freitag und lösten den fast schon gewohnten - und von interessierten Kreisen angestrebten - Kursrutsch aus, der die Wochenbilanz gründlich verdarb.

    Für den heutigen herben Ausverkauf, der die Gewinne der Vortage wieder ausradierte, kann man auch mal wieder die menschliche Natur verantwortlich machen, die eben zur Panik neigt. Die Medien nannten dafür drei Vorwände:

    1. Der Arbeitsmarktbericht vom Mai (die Zahl der Woche) fiel unter den Erwartungen aus. Statt wie erhofft 536.000 US-Arbeitsplätzen (Konsens nach Bloomberg), wurden nur 431.000 geschaffen. Die einzelnen Prognosen bewegten sich allerdings in einer Spannweite von 220.000 bis 750.000 Jobs. Das Gros der Arbeitsplatzgewinne beruhte außerdem auf vorübergehenden Einstellungen des Staates, der gerade für eine Einwohnererfassung (Census) Leute benötigt. Der private Sektor schuf lediglich anämische 41.000 frische Jobs.

    2. Die Regierung von Ungarn bemühte sich heute mit Erfolg, die Kreditkosten ihres Landes hoch zu reden. Ungarische Regierungsvertreter gaben heute jedenfalls sehr skeptische Äußerungen zur Finanzlage ihres Landes ab. Das löste prompt - wie in solchen Fällen der Brauch - eine Kapitalflucht aus dem osteuropäischen Staat aus. Bravo!
    Die Flucht aus Ungarn brachten nicht nur die ungarische Währung Forint unter Druck, sondern auch den Euro. Ungarn ist zwar nicht Teil der Eurozone, aber egal, aus der Sicht der Wall Street wird derzeit alles in Sippenhaft genommen was europäisch ist.

    Die Nachrichten aus Budapest setzen heute die Wall Street Futures bereits schon vor 14:00 Uhr MEZ unter Druck, also vor den US-Jobdaten, die anscheinend lediglich die negative Stimmung verstärkten.

    3. Außerdem wurde von interessierten Kreisen das Gerücht in den Umlauf gebracht, dass die Societe Generale angeblich herbe Verluste im Geschäft mit Derivaten erlitt. Das brachte nicht nur den Aktienkurs der 2.-größten Geschäftsbank Frankreichs unter Druck, sondern auch die restlichen Bank-Titel der Welt.

    Kühlen Kopf bewahrt

    Trotz der fast schon gewohnten Verkaufspanik behielten einige Strategen einen kühlen Kopf. Dazu zählt Stu Schweitzer. Der Stratege bei der J.P. Morgan Private Bank erklärte gegenüber MarketWatch es gäbe in den USA genügend ökonomische Maßstäbe, die in die richtige Richtung zeigen. Diese Woche fielen Konjunkturbarometer wie der Einkaufsmanagerindex Industrie, die wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen und die Bauausgaben alle besser aus als erwartet. "Trotz dem enttäuschenden Jobs-Report von heute bleibt es klar, dass sich die Erholung fortsetzt", folgerte der Stratege.

    Auch andere lassen sich ihren Blick nicht vernebeln. „Die Wall Street steht auf dem Sprung und vor dem Beginn eines neuen Rally-Schubs“, verkündete diese Woche Laurence D. Fink, der Chef von BlackRock laut Bloomberg. Damit schließe sich der CEO des weltweit größten Vermögensverwalters ähnlichen Aussagen von Warren Buffett und Barton Biggs an, die alle US-Aktien als „guten Kauf“ bewerten, berichtet die Agentur.
    „Wir sind reif um als Land zu rocken (ready to really rock and roll)“, erklärte Fink während eines Meeting des Oregon Investment Council, eines der großen US-Pensionsfonds, der auch in BlackRock-Fonds investiert ist. „Ich denke wir sind einfach zu pessimistisch für unser Land“, fügte der Fondsverwalter hinzu.

    Heute klang allerdings der ungarische Trauermarsch. Im Vergleich zur Vorwoche entwickelten sich die großen Wall Street Barometer:

    Dow Jones minus 2 Prozent
    S&P 500 minus 2,3 Prozent
    Nasdaq minus 1,7 Prozent

    Dow Jones Average: Vergebliche Strategie

    Boeing sank von $64,18 auf $61,15. Glaubt man dem Broker Sanford Bernstein bietet sich dort derzeit eine Kaufgelegenheit. Dessen Analyst Douglas Harned beförderte den Airbus-Rivalen von Market Perform auf Outperform mit Kursziel $81. Die jüngsten Kursrückgänge - seit Ende April etwa 15% - sind laut Harned übertrieben. Verbesserungen bei den Zulieferern sollten die Produktion der 787-Geräte anregen. Harned geht davon aus, dass der Cash Flow (Einnahmen vor Abschreibungen) im kommenden Jahr „scharf ansteigt“.

    JP Morgan fiel von $39,58 auf $37,62. Besser geht`s nicht (as good as it gets), das ist nicht nur ein Hollywood-Film mit Jack Nicholson, das ist auch das Lob der UBS für den US-Rivalen JP Morgan. Die Schweizer werteten diese Woche ihre amerikanischen Konkurrenten von Neutral auf Buy auf, mit Kursziel $50.
    UBS-Analyst Glen Schorr gefällt die breite Geschäftsmischung, die den New Yorkern ermöglich, das Schlimmste der verschärften US-Regulierung zu vermeiden. Schorr rechnet zwar damit, dass die Bank - wegen der verschärften Regulierung - mehr Eigenkapital halten muss. Die Normalisierung der Kreditmarkt-Bedingungen lasse aber dem Finanzkonzern genug freies Kapital übrig, um entweder die Dividende anzuheben oder Aktien zurück zu kaufen, glaubt der Analyst. Im kommenden Jahr könnte die jährliche Dividende von jetzt 20 Cents je Aktie auf 60 Cents hochgeschraubt werden, also verdreifacht.

    Wal-Mart verbilligte von $50,56 auf $50,40 Der Discount-Sumo kündigte heute ein Aktienrückkaufsprogramm an im Volumen von $15 Mrd. Für heute (minus $1,32 = minus 2,6%) war diese Strategie allerdings vergeblich.

    S&P 500: Vergebliche Explosion
    Quiksilver verbesserte sich von $4,66 auf $4,73. Der Einzelhändler (Uhren, Kosmetik, Fashion) schlug am Donnerstag Abend die Gewinnerwartungen der Wall Street dank besserer Gewinnmargen.

    Abercrombie & Fitch bröckelte von $ 35,83 auf $34,78 (am Freitag minus $2,80 = minus 7,5%). Der Fashionhändler für die Teenies meldete, dass seine Auslandsverkäufe im Mai um 84% explodierten. Vergeblich.

    Las Vegas Sands stieg von $23,48 auf $24,25. Morgan Stanley hatte den Casiono-Betreiber von equal weight auf overweight befördert.

    Nasdaq: Vergebliche Fakten
    Der heutige allgemeine Katzenjammer übertönte 2 positive Meldungen der Woche, die dem Technologiesektor eigentlich neuen Schwung verpassen sollten:

    Die Researchfirma iSuppli berichtete heute, dass die PC-Verkäufe in Q1 weltweit um 22,7% gegenüber Vorjahr stiegen (auf 81,5 Mio. Geräte). Das sei die höchste Zuwachsrate seit iSupply diesen Markt beobachtet (2003).

    Apple hatte einen Marktanteil von 3,4%, die Zahl der verkauften Geräte wuchs um 32,4%.
    Marktführer blieb Hewlett-Packard mit 19,6% Anteil, Geräteverkauf plus 22%
    Acer: 13,3%, plus 47,1%
    Dell: 13,1%, plus 21,8%
    Lenovo: 8,6%, plus 58,5%

    Außerdem hob die Researchfirma Gartner gestern ihre Prognose für das Umsatzwachstum der Chip-Industrie in 2010 von 19,% auf 27%. Man beobachte eine Wachstumsbeschleunigung in allen Regionen und Produkt-Kategorien.

    Apple korrigierte von $257,18 auf $255,96. Der Verkaufsstart des iPads im Ausland (vergangenen Freitag in Deutschland und 8 weiteren Ländern) beeindruckte nur zeitweise. Seit dem Verkaufsbeginn in den USA vor rund 2 Monaten wurden bis Montag weltweit bereits 2 Mio. Geräte verkauft. Am 3. April war die 1-Mio-Marke überschritten worden. Damit verkauft sich das iPad besser als das iPhone bei dessen Start.
    Die Analysten reagierten aber positiv, jedenfalls hob bereits am Dienstag eine ganze Riege von Bilanzauswertern Gewinnschätzungen & Kursziele an:
    Broadpoint Amtech-Analyst Brian Marshall bekräftigte sein Buy-Rating und lupfte sein Kursziel von $320 auf $340.
    UBS-Analyst Maynard Um bestätigte sein Buy-Rating und verbesserte sein Kursziel von $315 auf $320.
    Barclays Capital-Analyst Ben Reitzes dito
    Kaufman Brothers-Analyst Shaw Wu wiederholte sein Buy-Rating und Kursziel $320.
    Piper Jaffray-Analyst Gene Munster bleibt bei seinem Overweight-Rating und änderte sein Kursziel von $323 auf $330.
    Am Mittwoch schloss sich Thomas Weisel Partners-Analyst Doug Reid der Applaus-Welle an. Er bestätigte sein Overweight-Rating und korrigierte sein Kursziel von $320 auf $340.
    Am Freitag folgte Susquehanna Financial-Analyst Jeffrey Fidacaro. Fidacaro bestätigte sein Buy-Rating und lupfte sein Kursziel von $300 auf $325. „Das iPad verkauft sich weiterhin besser als erwartet. Der Erfolg sollte sich in den kommenden Monaten fortsetzen, da neue geographische Märkte und Verwendungszwecke hinzukommen“, erklärte der Analyst seinen Schritt.


    Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des Smartphones BlackBerry, verbilligte von $60,70 auf $59,68.

    Dell veränderte sich von $13,33 auf $13,24. Schnell war die Rally verpufft, die Michael Dell ausgelöst hatte. Der CEO des PC-Herstellers hatte erklärt, er habe überlegt, die Gesellschaft von der Börse zu nehmen, also zu übernehmen.

    VMware avancierte von $66,21 auf $68,29. Microsoft-CEO Steve Ballmer nannte diese Woche - auf der All Things Digital Conference - die 4 größten Rivalen der Redmonter: Oracle, Apple, Google und VMware, den führenden Anbieter für Virtualization Software.
    Für den Barron´s Blog Tech Trader Daily ein Zeichen, wie wichtig Microsoft das Cloud Computing (Dienste wie Datenspeicherung, die aus dem Internet heraus angeboten werden) nimmt.
    Außerdem wiederholte heute UBS-Analyst Brent Thill am Donnerstag sein Buy-Rating für VMware und lupfte sein Kursziel von $64 auf $75. Obwohl die Aktie seit Jahresanfang bereits um 56% stieg, sei es zu früh, um auszusteigen, hieß es.

    Internet: Vergebliche Prognose

    Auch im Internet-Sektor (TEil der Nadaq) verpuffte eine positive Meldung. Das Management von Cisco rechnet damit, dass sich das explosive Wachstum des Internets in den kommenden Jahren fortsetzt. Als wichtiger Internet-Ausrüster (Netzwerke) dürften die Kalifornier kräftig daran verdienen.
    Der Technologie-Gigant publizierte diese Woche eine Studie zum künftigen Wachstum des weltweiten Netz (Traffic). Danach vervierfacht sich der Traffic bis 2014 auf 767 Exabytes, berichtet der Barron´s Blog Tech Trader Daily. Das sei zugleich das zehnfache des Traffics von anno 2008.
    Der Traffic würde von Videos dominiert: mehr als 91% des Wachstums des Verbraucher-Traffics.

    Das Online-Kaufhaus Amazon.com fiel von $125,46 auf $122,77. Der Broker Piper Jaffray bestätigte am Mittwoch sein Overweight-Rating und hob sein Kursziel von $172 auf $176. Zur Begründung wurde das wachsende Vertrauen in das Wachstum der Amazon Web Services. Der Internetpionier bietet dabei zahlreiche Dienste an, die zum Bereich Cloud Computing zählen, etwa Datenspeicher, die über das Internet verwaltet werden. Amazons Cloud Computing Geschäft sei der Niedrig-Kostenführer in dem Wachstumsmarkt und würde von jedermann genutzt, von Privatpersonen bis Firmen wie die New York Times oder Netflix. Das Geschäft wachse Jahr für Jahr im hohe zweitstelligen prozentualen Bereich (also mehr als 50% p.a) und könnte eine operative Gewinnmarge nahe 15% erreichen (etwa des Doppelte des Amazon-Gesamtgeschäfts).
    Am kommenden Sonntag startet der Discount-Riese Target (US Nr. 2 hinter Wal-Mart) den landesweiten Verkauf des Amazon-E-Book-Readers Kindle in seinen Läden. Target ist die erste Ladenkette, die das Gerät physisch verkauft.

    Der Rivale Ebay verbesserte sich von $21,43 auf $21,99. Nach den jüngsten Kursverlusten sei die Aktie jetzt angemessen bewertet, glaubt der Broker MKM Partners. Dessen Analyst Tim Boyd beförderte das E-Commerce-Papier am Donnerstag von Sell auf Neutral, bleibt aber beim Kursziel $20. „Wir befürchten zwar, dass Ebay weiter Marktanteile verliert (etwa an den Rivalen Amazon.com), die Bewertung ist aber inzwischen angemessen“, hieß es.

    Blue Nile avancierte von $46,90 auf $47,90. Goldman Sachs startete die Beobachtung des Online-Juweliers von der US-Westküste mit einem Buy-Rating und Kursziel $62. Die E-Commerce-Firma gewinne laufend Marktanteile zu Lasten traditioneller Juwelen-Läden, verkündet Goldman Sachs-Analyst Morry Brown. Außerdem stecke das internationale Geschäft der Westküstler noch in den Kinderschuhen, sei deshalb ausbaufähig und trage dazu bei, dass das Umsatzwachstum in den nächsten Jahren bei knapp 20% p.a. liege. Der aktuelle Kurs biete eine Einstiegsgelegenheit in eines der besten Geschäftsmodelle im Einzelhandel.

    Die Online-Videothek Netflix bröckelte von $111,15 auf $109,78.

    Google stieg von $485,18 auf $498,72. Barclays Capital-Analyst Douglas Anmuth senkte heute seine Gewinnschätzungen wegen der Euroschwäche, die die Einnahmen aus dem Euroraum in $ umgerechnet schmälert. Anmuth bleibt aber bei seinem Overweight-Rating und Kursziel $650. Der Umsatz sollte in diesem Jahr um 20% wachsen und im kommenden um 15%. Die Aktie sei attraktiv angesichts eines KGVs von 16 (Basis: Pro-Forma-Gewinnschätzung 2011).

    Baidu, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, stagnierte ($73,20 statt $73,18). Die Video-Tochter der Chinesen soll aber 2013 profitabel sein.

    Yahoo bewegte sich von $15,34 auf $15,00. Stifel Nicolas-Analyst George Askew schlug am Donnerstag vor, der chinesische Internetdienstleister Alibaba Group solle den amerikanischen Portalbetreiber übernehmen.
    Folgende Begründung: Yahoo besitzt rund 40% an der Alibaba Group. Jack Ma, deren Chef, erkärte in den vergangenen Monaten wiederholt, er würde gerne Aktien seiner Gesellschaft zurückkaufen, einschließlich solcher im Besitz von Yahoo. Laut Askew sei es einfacher und günstiger, wenn Ma Yahoo übernimmt und dafür je Aktie $25 bezahlt. Dann gewönne der chinesische Internet-Mogul nicht nur seine Aktien zurück, sondern auch noch das Geschäft des Portalbetreibers und dessen Beteiligung an Yahoo-Japan zu einem günstigen Preis.
    Bei der Gelegenheit bekräftigte Askew sein Buy-Rating und Kursziel $23,50 für Yahoo.

    Ausblick: Wirtschaftliche Lage der Nation

    Montag:

    Dienstag:

    Mittwoch:
    14:30 Uhr Lagerhaltung Großhandel April, 16:30 Uhr US-Lagerhaltung Erdöl, 20:00 Uhr Beige Book der Fed (wirtschaftliche Lage der Nation)

    Donnerstag:
    14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche sowie Handelsbilanz April

    Freitag:
    14:30 Uhr Einzelhandelsumsätze Mai, 16:00 Uhr Lagerhaltung US-Wirtschaft