Anfang Januar hatten wir an dieser Stelle geschrieben, dass Bundespräsident Christian Wulff das erste Quartal politisch nicht überleben wird. Nun ging das alles sogar noch etwas schneller:

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http://www.godmode-trader.de/nachricht/Das-Bauernopfer,a2729785.html
Anstatt das unsägliche Gefasel zu glauben, das jetzt wieder auf allen medialen Kanälen anheben wird, der Rücktritt sei längst überfällig gewesen und all diese Dinge, sollte man sich lieber noch einmal in aller Ruhe die Lindauer Rede von Christian Wulff vom Sommer vergangenen Jahres zu Gemüte führen. Man wird dann schnell erkennen, dass die wahren Gründe für den Rücktritt des Bundespräsidenten ganz woanders zu suchen sind.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/tagung-der-wirtschaftsnobelpreistraeger-die-rede-von-christian-wulff-in-lindau-11124112.html

Unnötig zu erwähnen, dass die Staatsanwaltschaft Hannover in ein paar Wochen ihre Ermittlungen gegen Christian Wulff einstellen wird. Ändern wird das dann freilich nichts mehr.

Um das einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Christian Wulff ist nicht besser oder schlechter als die übergroße Mehrheit unserer Politiker und Medienvertreter. Sie alle sitzen mit den Wirtschaftsbossen in einem Boot, namentlich mit den Banken. Sie alle lassen sich irgendwohin einladen. Journalisten sind darin ganz besonders geübt. Und „Pressetante“ Bettina Schausten vom ZDF soll doch bitte nicht so scheinheilig tun und behaupten, sie würde 150 Euro bezahlen, wenn sie bei Freunden übernachtet. Das macht niemand von uns, jedenfalls dann nicht, wenn er wirkliche Freunde hat.

http://www.stern.de/politik/deutschland/zdf-frau-wird-zur-kultfigur-ein-bett-fuer-schausten-1770101.html
Wie erklärte Euro-Gruppen-Chef Jean Claude Juncker vor einiger Zeit einmal so wahrheitsgetreu: „Wenn es schwierig wird, dann lügen wir“. Nichts könnte den Zustand dieses Systems treffender beschreiben...



Man könnte es deshalb so sagen: Die Strippenzieher in der Finanzindustrie haben ihr Ziel erreicht. Es wird jetzt eine kritische Stimme weniger geben, wenn es um die Einführung von Eurobonds und ähnliche Dinge geht. Keine ganz unwichtige Stimme. Genau aus diesem Grund musste dieser Bundespräsident ja auch weg. Und das war noch nicht einmal besonders schwierig: Christian Wulff selbst hat wirklich alles dafür getan, dass ihn die Medien zum Clown einer ganzen Nation machen konnten...

Ein großer Irrtum...
Andere aktuelle Themen sind nicht weniger bedeutend, vor allem, weil sie indirekt mit dem Rücktritt von Christian Wulff zu tun haben:

In einem Kommentar habe ich kürzlich gelesen, seit dem Gründungsjahr der US-Notenbank im Jahr 1913 gebe es kein solides Geld mehr. Abgesehen davon, dass die meisten Menschen gar nicht wissen, dass hier eine privat geführte Organisation das Geld anderer Leute verwaltet und das oberste Ziel dabei darin besteht, den eigenen Gewinn zu maximieren, unterliegt der Autor einem großen Irrtum:

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt nämlich, dass es solides Geld in den 3.000 Jahren Geldgeschichte noch nie gegeben hat.
Immer und zu allen Zeiten haben die jeweils herrschenden Regierungen die Menschen betrogen: Das wahlweise für den Abbau der überbordenden Staatsschulden, für Kriege, einen ausschweifenden Lebenswandel oder auch für die Finanzierung des aufgeblähten Beamtenapparates notwendige Geld holt sich der Staat über Steuern und Abgaben – und über eine mehr oder weniger starke, vor allem aber heimliche Abwertung des jeweils umlaufenden Geldes. Hilft das alles nicht mehr weiter, greift man zu Währungsreform und Staatsbankrott. Das hat zur Folge, dass die Zeche für staatliche Misswirtschaft und Schuldenorgien IMMER die kleinen Leute bezahlt haben.

Im antiken Römischen Reich war das nicht anders als während der Regentschaft Karls des Großen, im finsteren Mittelalter ebenso, wie zu Zeiten der Französischen Revolution. Und ganz besonders natürlich seit der Erfindung des Papiergeldes vor rund 300 Jahren.

Der einzige Unterschied zu früheren Jahrhunderten besteht darin, dass dieses staatliche Betrugssystem zu einer Perfektion entwickelt wurde, die es immer schwieriger macht, den Betrug noch als solchen zu erkennen. Und noch etwas ist anders als früher: Im Laufe der Zeit wurden die Regenten immer hemmungsloser.

Hemmungslosigkeit ist ein gutes Stichwort. Die werden unsere Regierungen nämlich dringend benötigen, wenn es um die „Lösung“ der anstehenden Probleme geht: Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit gab es ein derart umfassendes weltweites Schuldenproblem. Da trifft es sich hervorragend, dass die Deutschen so viel Vermögen angehäuft haben, wie noch nie zuvor. Von zehn Billionen Euro ist die Rede:

http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/10-billionen-euro-deutsche-sind-so-reich-wie-nie/6213596.html
Nun müssen wir nur noch eins und eins zusammen zählen: Deutschland ist der einzige noch verbleibende leistungsfähige Nettozahler in der Europäischen Union. Alle anderen Länder, Frankreich eingeschlossen, werden langfristig damit zu kämpfen haben, um überhaupt die Zinsen für die völlig aus dem Ruder laufende Staatsverschuldung zu stemmen.

Gehen wir nun davon aus, dass die Regierungen erstens auch weiterhin alles tun werden, um die Menschen so lange wie möglich über die Wahrheit zu täuschen. Und dass sie zweitens auch in Zukunft der Allgemeinheit die Lasten politischer Fehlentwicklungen aufbürden werden. Unter diesen beiden Voraussetzungen kann man sich schon heute an fünf Fingern abzählen, wie das alles weitergehen wird:

Ein beträchtlicher Teil des Billionen-Vermögens der Deutschen wird in den kommenden Jahren via Zwangsabgabe, Lastenausgleich, Euro-Soli oder welche Begrifflichkeiten den Politikern auch immer einfallen mögen, in die Länder der Euro-Zone fließen.

Das schon heute absehbare Ende wird das freilich nur hinauszögern, nicht aber verhindern: Die aktuellen Bestrebungen in der Europäischen Union deuten darauf hin, dass der Staatsbankrott auf eine internationale Ebene verschoben werden soll. Nicht mehr Griechenland, Portugal oder Spanien gehen pleite, sondern eine ganze Staatengemeinschaft. Dabei gilt der Grundsatz: Alle Staaten haften für die Schulden der Gemeinschaft, kein Staat haftet für seine eigenen Schulden...

Es sei denn, es kommt so, wie mein geschätzter Kollege Roland Klaus vorgeschlagen hat, und die Schulden der Staaten verschwinden in einem großen schwarzen Loch der Europäischen Zentralbank. Den lesenswerten Beitrag finden Sie in der aktuellen Sonderpublikation der BörseGo AG zum Thema Währungsreform und neue Geldsysteme auf Seite 14:

http://www.godmode-trader.de/service/downloads
Ohne ein solches „schwarzes Loch“, das alle Schulden gnädig in sich aufnimmt, eine fast träumerische Vorstellung, wird die Sache natürlich etwas anders ablaufen:

Wenn zu einem späteren Zeitpunkt auch die sparsamen Deutschen restlos ausgeplündert sein werden, bleibt nur noch der eine Weg, den die Staaten in ähnlichen Situationen bislang immer eingeschlagen haben: Die Europäische Union wird dann genauso zahlungsunfähig sein, wie all jene 138 Staaten, die in den vergangenen 800 Jahren teilweise mehrfach den Staatsbankrott erklären mussten.

Übrigens hätte Christian Wulff als einziger Politiker in Deutschland den "Europäischen Stabilitätsmechanismus" (ESM) nach einer Absegnung durch den Bundestag noch stoppen können. Mit diesem "Rettungsschirm" sollen die Schulden der Euroländer künftig vergemeinschaftet werden.

Nach seinen banken- und eurokritischen Reden im vergangenen Sommer wäre dem Ex-Bundespräsidenten ein solches Veto zuzutrauen gewesen. Aber daraus wird nun natürlich nichts. Tja...

Wie wir die Lage jetzt einschätzen und was wir unseren Lesern raten, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die vor wenigen Tagen erschienen ist.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de