Gold schützt gegen Inflation

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    Dieses Mantra hört man seit 2008 täglich. Die Notenbanken drucken Geld bis zum Abwinken. Das sorgt für Inflation. Dagegen schützt Gold. Sieht man mal davon ab, dass die Inflation partout nicht kommen will, dann gibt die Historie genug Material her, um die Frage nach dem Inflationsschutz zu beantworten.

    Der erste Chart zeigt den nominellen und realen Goldpreis sowie die Inflation für den Dollarraum. Zusätzlich ist noch die Entwicklung von Aktien (real) dargestellt. Es fallen gleich mehrere Sachen sofort auf. Der reale Goldpreis bewegt sich tendenziell seitwärts. Das gilt über den gesamten Zeitraum von 222 Jahren, aber auch für einzelne Abschnitte, z.B. von 1870-1900. Nominell hat sich bis zur Aufgabe des letzten Goldstandards wenig getan. Der Preis war stabil.

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    Bei einem konstanten nominellen Preis und Inflation muss der reale Wert zwangsläufig fallen. Das sieht man sehr schön zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Die Inflation war nahe der 20% Marke. Nominell tat sich nichts, real sackte Gold ab. Das ist ein Phänomen, das nicht nur auf den Dollarraum beschränkt ist. Die Übung kann man auch in Britischen Pfund durchführen. Die englische Notenbank stellt dankenswerterweise Daten bis 1265 zur Verfügung. Real steht Gold heute wieder dort, wo es 1560 schon einmal war. Für fast 500 Jahre ist eine Performance von 0% pro Jahr jetzt nicht wirklich berauschend...

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    Vom Hoch 1560 bis zum Tief vor dem Ersten Weltkrieg büßte Gold 90% an Wert ein. Mit der Bildung der Preise auf dem freien Markt holte Gold wieder auf. Real brachte Gold in der Zeit der Aufholjagd gut 2% pro Jahr. Diese Rendite ist fast schon Nebensache. Faszinierender ist vielmehr, dass Gold zu einem Wert zurückgefunden hat, den es vor 500 Jahren schone einmal hatte. Gold kann man also durchaus als wertbeständig ansehen. Wird der Goldpreis nicht festgesetzt, dann kehrt der Wert tendenziell zum historischen Wert zurück. Nominell kann das eine ordentliche Performance sein. Real hingegen darf man von Gold nicht viel erwarten.

    Betrachtet man die beiden Zeitreihen, dann entwickelt sich Gold langfristig im Rahmen der Inflation. Darüber hinaus darf man von Gold keine Rendite erhoffen. Inflationsbereinigt ist der Preis langfristig stabil. Kurzfristig oder durch Preismanipulation kann Gold einen ganz anderen Preis haben. Das zeigt ja der starke, reale Wertverfall nach 1560. Anderseits stieg Gold in den 1810er Jahren, obwohl die Inflation rückläufig war.

    Damit möchte ich als erstes Fazit festhalten: Gold gewinnt langfristig nominell hinzu (ca. die Inflationsrate), real bewegt sich kaum etwas. Wer Pech hat und der Goldpreis wird festgelegt, der kann mit Gold über Jahrzehnte (oder gar Jahrhunderte) Geld verlieren.

    Gold ist sicher

    Inflation ist ein Gradmesser für die Performance von Gold. Ein ganz anderer sind Kriege. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts gab es eine ganze Menge davon. Besonders interessant ist hier der Blick auf drei Länder: England, USA und Frankreich.

    Die britische Geschichte gibt hier viel her. Im Chart sind nur einige der vielen Kriege dargestellt. Wären alle Kriege aufgeführt, dann wäre der gesamte Chart blau hinterlegt. England befand sich eigentlich immer in irgendeinem Krieg. Friede war eher die Ausnahme.

    Auf den ersten Blick kann man sofort erkennen, dass es dem Goldpreis ziemlich egal ist, ob gerade Krieg herrscht oder nicht. Nominal ist das nicht verwunderlich, da der Preis kein Marktpreis war. Dennoch hat die Historie eine starke Aussagekraft, da auch der reale Preis zur Verfügung steht. Gold gleicht langfristig Inflation aus. Gibt es Krieg, aber keine Inflation, dann bewegt sich der Goldpreis nicht. Der Goldpreis ist keine Funktion von Auseinandersetzungen per se, sondern eine Funktion von Inflation. Darauf fällt es immer wieder zurück.

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    Es ist dabei unabhängig von der Währung. In den USA war es ganz genauso. Zur Zeit der meisten Kriege fiel der Goldpreis sogar. Nur während des Bürgerkrieges stieg Gold an. Die Inflation betrug in diesen Jahren um die 20%. Danach gab es jahrelange Deflation. Gold verlor überproportional stark.

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    Besonders aufschlussreich sind die Daten aus Frankreich. Hier haben die Nationalbank, die Statistikbehörde und Universitäten eine besondere Datenfülle produziert. So lässt sich die Entwicklung mehrerer Anlageklassen gegenüberstellen. Als Anleger auf dem Geldmarkt wurde man nicht glücklich. Vom Ersten bis nach dem Zweiten Weltkrieg kann man von einem Totalverlust sprechen. Ähnlich sah es bei Anleihen aus. Die ganz große Überraschung ist aber wieder Gold. Gold war im Vergleich die Anlageform, die am wenigsten gebracht hat (die blauen Balken stellen Kriege dar).

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    Besonders gut hingegen hatten es Aktionäre. In den 200 Jahren stiegen Aktien von einem Ausgangswert von 1 auf über 10.000 (nach Inflation). Wer kurz vor dem Krieg investierte, der hatte natürlich erst einmal wenig Freude und musste über 10 Jahre auf einen Break Even warten. Das kann einem allerdings auch bei Gold passieren. Wer im Krieg Gold kaufte, musste sogar über 30 Jahre lang warten, damit die Verluste annähernd wieder ausgeglichen werden konnten. Aktien zeigen historisch Zyklen von 5 bis 15 Jahren, Goldzyklen liegen eher im Bereich von 30 Jahren.

    Die gute Performance von Aktien ist unabhängig von der Geographie. Auch US Aktien zeigen einen schönen Aufwärtstrend, wenn auch etwas volatiler.
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    Damit komme ich zum zweiten Fazit: Krieg wird oft als Argument für Gold genannt. Intuitiv ist das nachvollziehbar. Praktisch ist der Goldpreis aber keine Funktion von Krieg oder Frieden. Es kommt vielmehr darauf an, was der Krieg verursacht. Tritt in Folge oder während des Krieges hohe Inflation auf, dann gewinnt Gold. Gibt es Deflation, dann verliert Gold.

    Gold: keine Nullnummer, aber auch nicht das Gelbe vom Ei

    Gold kann weniger als die meisten wahrhaben wollen. Kommt es hart auf hart, dann ist Gold sinnvoll, entweder weil die Goldpreisentwicklung die Inflation auffängt oder weil Gold universell in jede beliebige Währung dieser Welt getauscht werden kann. Solche Krisenfälle kommen zum Glück selten vor. Wer auf diese Eventualität vorbereitet sein will, der kann physisches Gold im Safe liegenlassen. Rendite über die Inflation hinaus bietet Gold nicht, sofern 800 Jahre Historie nicht „falsch“ sind.

    Als Anleger sollte man sich bei einer Goldanlage noch einiger anderer Punkte bewusst sein. Gold birgt ein gewisses politisches Risiko. Wenn die Preishistorie eines zeigt, dann sicherlich, dass der Goldpreis auch einfach festgesetzt werden kann. Gerade im Krisenfall kommen Politiker auf merkwürdige Gedanken. Kommt etwa die Inflation, dann garantiert niemand, dass der Goldpreis nicht einfach festgelegt wird und Gold trotz Inflation immer weniger wert wird. Das kann man nur umgehen, in dem Gold in eine andere Währung eingetauscht wird. Dazu muss man dann wohl ins Ausland. Das jüngste Beispiel Zypern hat gezeigt, dass über Nacht Kapitalkontrollen implementiert werden können. Gold nutzt dann wenig. Ich muss es in die Heimatwährung tauschen. Man kann natürlich auch versuchen direkt mit Gold zu zahlen. Die faire Menge Gold aus einem Goldbarren herauszulösen, um einen Liter Milch zu kaufen, dürfte allerdings wenig praktikabel sein.

    So schön der Gedanke von absoluter Sicherheit ist, es gibt sie nicht. Goldpreise können manipuliert und festgesetzt werden. Goldbesitz kann für illegal erklärt werden (wäre nicht das erste Mal). Mögliche Kapitalverkehrskontrollen machen es in der Praxis schwer mit Gold im Ernstfall etwas anzufangen usw.

    Gold hat einen gewissen Reiz und auch einen gewissen Wert, keine Frage. Das Allheilmittel ist es nicht. Diese Aussage bringt gewiss beim einen oder anderen den Blutdruck in gefährliches Terrain. Vor wenigen Wochen veröffentlichte Citi Research ein sehr kontroverses Paper, indem argumentiert wurde, dass der intrinsische Wert von Gold Null ist. Persönlich sehe ich Gold als Investment kritisch. Die Argumentation, dass Gold überhaupt keinen Wert hat, ist allerdings absolut überzogen. Gold ist wie eine Versicherung. Bei einer Versicherung zahlt man auch jahrelang ein, vielleicht bekommt man auch nie etwas zurück. Wenn dann das Haus doch abbrennt, dann ist man froh eine Versicherung zu haben. Genauso ist es bei Gold. Es wird gekauft und vielleicht verliert es über viele Jahre oder gar Jahrzehnte an Wert. Kommt dann doch der große Zusammenbruch, dann ist man froh, wenn man einen Goldbarren hat – sofern die Regierung nicht alles Gold konfisziert.

    Gold ist kein Investment. Es ist vielmehr eine Versicherung. Derzeit wird sie immer billiger. Persönlich denke ich, dass bei einem Goldpreis von 850 bis 900 USD der Boden so langsam erreicht sein kann. Dann ist die Versicherung wirklich günstig, fast schon geschenkt.

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