Aber ich kann mich noch gut erinnern, wie mich der Crash gleich ab dem ersten Tag gehörig das Fürchten gelehrt hat. Man muss seine Denke von heute auf morgen umstellen. Wenn die Börse runter rauscht, interessiert sich niemand mehr für Fundamentaldaten oder dergleichen. Wenn Panik herrscht, heißt es nur raus damit, der Preis ist zweitrangig.

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Die Knackpunkt Frage ist, haben wir es mit etwas wirklich Großem zu tun oder ist es "nur" ein kurzer heftiger Shake Out der die Märkte bewegt. Ich schau mir dazu gerne die Vergangenheit an. Während im Jahr 2000 und 2007 größere Bewertungsblasen geplatzt sind, haben wir diesmal zwar vereinzelte Auswüchse, aber nicht in dem Maße wie in den vorangegangenen Jahren. Ich spreche hier aber nur vom deutschen Markt. Wir finden noch viele Unternehmen mit günstigen Bewertungen vor, welche auch anständig Dividende bezahlen. Kommt es zu einem Wirtschaftseinbruch relativiert sich das alles zwar, aber ich muss festhalten:

Einen Exzess hatten wir höchstens Anfang 2015 und dieser hat sich nun auch schon längst wieder bereinigt. Der Dax liegt immerhin schon 3.000 Punkte unter dem Hoch oder ca. 23 %. Es ist nicht so, als dass wir jetzt gerade aus einer Euphoriephase nach unten wegbrechen. Das hat sich für mich auch daran gezeigt, wie schlecht Neuemissionen über den Tisch gingen oder Firmen mit zu hoher Bewertung keinen Börsengang geschafft haben.

Euphorie? Die schaut für mich anders aus.

Wie gehe ich in den Depots vor: Ich werde kommende Woche, wenn sich keine Stabilisierung abzeichnet, wahrscheinlich alle Aktien die ich noch habe verkaufen. Auch Siegfried, Daimler und die Nebenwerte. Wenn sich hier etwas Großes hochschaukelt, ist Cash die einzige wirksame Verteidigungsstrategie diesen Crash zu überstehen.

Crashs sind im Grunde etwas Großartiges.

Es findet eine Bereinigung statt und am Ende sind auch viele gute Unternehmen für niedrige Preise zu kaufen. Wenn der Markt crasht, machen auch längerfristige Anlagen wieder Sinn, denn der Knackpunkt bleibt immer die Bewertung, zu der man sich in ein Unternehmen einkauft.

Für viele Markteilnehmer wird dieser Crash wohl wieder der letzte sein den sie erleben. Ein großer Fehler ist, sich gegen den Markt zu stellen. Viele Anleger gehen pleite, viele Hedgefonds fahren gegen die Wand, es findet eine Auslese statt, so wie schon 2000 und 2008. Dies werden die Nachrichten in nächster Zeit bestätigen. In den USA haben ja schon einige Fonds Schieflage angemeldet. Nur ein Teil der Anleger bleibt am Ende übrig und kann sich anschließend wieder an einer jahrelangen Hausse berauschen.

Und letztlich gibt es nur Eines was zählt: zu denen zu gehören die dann noch dabei sind.Es heisst nicht umsonst Marktbereinigung.

Der Markt bereinigt sich seiner Trader, die nicht flexibel genug waren, auf die Situation zu reagieren oder die zu wenig Respekt vor den Marktbewegungen haben und meinen, es besser zu wissen. Sind wir also weder arrogant noch allzu ängstlich, haben wir einfach nur Respekt vor dem was gerade passiert!

Es gilt folglich erstmal nur im Spiel zu bleiben. Geld verdient wird im Anschluss wieder, bzw. in heftigen Gegenbewegungen, die jeder Bärenmarkt dann mit sich bringt. Aktien, die sich schnell halbieren können auch schnell mal wieder 50 % steigen. Nur wer die Abwärtsphase zuvor schon mitgenommen hat, dem bringt das im Zweifel nicht viel. Es gilt gute Unternehmen zu identifizieren und diese zu fairen Preisen zu kaufen.

Wer momentan lieber an der Seitenlinie bleibt: das ist absolut das Beste, was sie tun können. Halten sie 80 % oder 90 % Cash vor. Die 0,5 % auf dem Tagesgeld sind momentan keine schlechte Anlage. Cash ist, das vergessen viele Anleger gerne, auch eine aktive Anlageform. Man muss nicht immer Aktien oder Anleihen oder Fonds haben. Manchmal ist das einfachste das Beste und seit Jahresbeginn ist eindeutig Omas Sparbuch die vorteilhafteste Anlageform.

Wer sich erinnert,wie in den letzten Monaten und Jahren Aktien als alternativlos bezeichnet worden sind, könnte sonst ein böses Erwachen erleben. Aktien sind nicht alternativlos, sie sind zwar die beste Anlageform, langfristig gesehen, aber die Schwankungen eben auch extrem.

Positiv sehe ich nun die Mehrung an Untergangsprognosen. Der unvermeidliche Untergang wird zum Konsens und der Konsens, naja, der hat genau dieselbe Eigenschaft wie der Spruch "Aktien sind alternativlos". Er trifft nicht ein.

Es wird wohl eine anstrengende Woche die höchste Aufmerksamkeit verlangt!

Sascha Gebhard

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