Die Währung hat noch keinen Namen. Sie soll als zweites offizielles Zahlungsmittel neben dem USD gelten. Ecuador hatte seine eigene Währung im Jahr 2000 abgeschafft und durch den USD ersetzt. Wie viele andere Länder in Südamerika zuvor auch, hatte Ecuador erhebliche Probleme, die Inflation in den Griff zu bekommen. Im Jahr 2000 erreichte die Inflationsrate 100%. Ein beliebtes Gegenmittel war die Kopplung der eigenen Landeswährung an den USD. Ecuador ging gleich noch einen Schritt weiter und ersetzte die eigene Währung.

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Seitdem ist die Inflation wieder auf ein normales Niveau zurückgegangen. Seit Ende 2013 steigt sie nun aber wieder an. Ein Grund dafür sind die explodierenden Staatsausgaben. Präsident Correa hat zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht, die letztlich helfen sollen, die Armut zu bekämpfen. Das ist löblich, kostet aber eben auch Geld. Nachdem Ecuador keine eigene Währung hat, braucht die Regierung USD, um überhaupt Ausgaben tätigen zu können. Die Versorgung mit USD ist in den letzten Quartalen immer schwieriger geworden. Ecuadors Leistungsbilanzdefizit wird seit Jahren größer. Es fließen mehr Dollar aus dem Land heraus als herein. Die Rechnung kann auf Dauer nicht aufgehen.

Um die Ausgaben dennoch weiterhin finanzieren zu können, hat Ecuador Großteile seiner Rohstoffe verpfändet bzw. als Sicherheiten für Kredite hinterlegt. China gewährte Ecuador einen Kredit in der Höhe von 2 Mrd. USD. Im Gegenzug wird Ecuador über die kommenden Jahre 2 Mrd. an Öl an China abtreten.

Von Goldman Sachs erhielt Ecuador einen Kredit von 400 Mio. Als Sicherheit hält die Hälfte der Goldreserven her. Vom südamerikanischen Äquivalent zum IWF, FLAR (Fondo Lationamericano de Reservas), gab es einen Kredit von über 600 Mio.

Mit all diesen Krediten kommt Ecuador trotz allem nicht weit. Das Budgetdefizit für 2014 dürfte zwischen 4 und 5% des BIP liegen. Das sind 3,6 bis 4,5 Mrd. USD. Das Geld könnte der Regierung damit schon Anfang 2015 wieder ausgehen. Ecuador läuft in eine Schuldenfalle, obwohl sie seit 2000 eigentlich ganz gut gehaushaltet hatten. Die Regierung gab weniger aus als sie einnahm. Die Schulden sanken von 90% des BIP auf unter 20%. Jetzt wird wieder ausgegeben und es werden Schulden gemacht als gäbe es kein Morgen mehr. Behält die Regierung das derzeitige Tempo bei, dann gibt es in wenigen Jahren ein ernsthaftes Problem.

Würde Ecuador weiterhin am USD festhalten, dann wären der Regierung irgendwann die Hände gebunden. Irgendwann hat sie kein Gold und Öl mehr, welches sie verpfänden könnte. Es würde zwangsweise einen Schuldenstopp geben. Bei einer aktuellen Verschuldung von 24% des BIP ist das allerdings noch nicht wirklich notwendig. Die Regierung hat theoretisch Spielraum für weitere Ausgaben, ohne gleich in die Überschuldung abzurutschen. Nicht alle geplanten Ausgaben machen wirklich Sinn. Ecuador nimmt sich anscheinend ein Vorbild an Venezuela. Dass das auf Dauer auch nicht gut ist, zeigt sich in den immer wieder aufflammenden Unruhen im Land.

Die Würfel sind aber inzwischen gefallen. Die Regierung will ausgeben, koste es, was es wolle. Um das tun zu können, braucht es eine eigene Währung. Würden sie den USD ganz abschaffen und den Sucre wieder einführen, dann droht noch höhere Inflation, Kapitalflucht usw. Das ist keine gute Lösung. Die Parallelwährung soll Abhilfe schaffen. USD würden dann vor allem für den Handel verwendet. Mit den aktuellen Reserven kann Ecuador dann sehr viel länger auskommen. Ewig werden sie trotzdem nicht halten. Ecuador hat bis 2017 schätzungsweise einen Finanzierungsbedarf von 35 Mrd. USD. Die Währungsreserven stehen bei 4 Mrd. Es muss also schon sehr viel mit der Kryptowährung ersetzt werden.

Der Plan der Regierung ist, Staatsbedienstete in neuer Währung zu bezahlen. Auch Sozialleistungen sollen durch Kryptowährung geleistet werden. Den Großteil der Staatsausgaben kann die Regierung in der neuen Währung tätigen. Ihr fehlen immer noch die Einnahmen dafür, kann sich allerdings problemlos in der neuen Währung verschulden und muss nicht auf zweifelhafte Geschäfte mit US-Banken zurückgreifen und das Land verpfänden.

Die große Gefahr ist natürlich, dass die Regierung die Möglichkeiten der neuen Währung zu sehr auskostet und die Verschuldung explodiert. Eine erprobte Zentralbank hat Ecuador seit Einführung des USD nicht mehr. Das erhöht nicht unbedingt die Chancen auf eine große Erfolgsgeschichte. Das Verbot aller anderen Zahlungsmöglichkeiten, z.B. auch durch den Bitcoin, ermutigt nicht gerade. Das ist schon ein sehr auffälliges Verhalten.

Wenn das Experiment hingegen glückt, dann wird das Digitalwährungen weiteren Auftrieb geben. Ecuadors Kryptowährung hat nichts mit den bisherigen zu tun, da sie durch die Zentralbank reguliert wird. Genau das sollen Währungen wie Bitcoin verhindern.

Die Kontrolle der Digitalwährung durch eine Zentralbank tut der Tragweite des Experiments keinen Abbruch. Wie eine Währung heißt und wer sie kontrolliert, ist letztlich egal, wenn man die Vorteile digitaler Währungen betrachtet. Viele Vorteile ergeben sich allein daraus, dass die Währung digital ist und nicht durch eine kontrollierende Instanz. Die Macht der Banken kann durch Digitalwährungen enorm eingeschränkt werden. Konsumenten können ihr Vermögen vor schlechtem Management der Banken schützen. Zudem brauchen sie nicht notwendigerweise Konten bei Geldinstituten, die wieder Geld kosten und kaum Mehrwert bringen.

Ecuador kann hier eine regelrechte Revolution anstoßen, vorausgesetzt, die Regierung ist vernünftig genug, die Währung nicht dazu zu missbrauchen, das Land in Inflation und Schulden zu versenken.