Am Mittwoch wurde ein Artikel im Wallstreet Journal veröffnetlicht, indem sich Jim O’Neill, Chairman der Asset Management Abteilung von Goldman Sachs, zu der momentanen Wechselkurspolitik der Schweizer National Bank äußerte. Seiner Ansicht nach sollten Investoren die Entschlossenheit und die Möglichkeiten der SNB, aber auch der Schweizer Politiker, nicht unterschätzen. Bereits letzte Woche testete der Markt im EUR/CHF-Wechselkurs die wichtige Barriere von 1,20 CHF, indem der Kurs für kurze Zeit unter diese Marke rutschte. Die SNB hatte im September letzten Jahres diese Marke als absolute Untergrenze zum Euro benannt, nachdem das Währungspaar in den Tagen zuvor in Richtung Parität unterwegs war. Die Schweizer Notenbank bekräftigte damals, dass sie unbegrenzte Mittel, in diesem Fall also Schweizer Franken, einsetzen werde, um das Währungspaar EUR/CHF nicht mehr unter diese Marke fallen zu lassen. Seit der Eurokrise und der daraufhin einsetzenden Kapitalflucht in den sicheren Hafen Franken leidet vor allem die exportorientierte schweizer Wirtschaft unter dem starken Franken. Der Euroraum ist der bei weitem wichtigste Handelspartner der Schweizer Volkswirtschaft.

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O’Neill äußerte sich dahingehend, dass er glaube, die SNB sei bei weiter anhaltendem Druck auf den Euro gegenüber dem Schweizer Franken geneigt, einen drauf zu setzen und den sogenannten „Peg“, also die feste Untergrenze des Wechselkurses, von 1,20 CHF auf 1,25 CHF anzuheben. Weiterhin sagte der Goldman Sachs Mitarbeiter, dass Schweizer Regierungspolitiker nach eigenen Äußerungen der Meinung seien, dass der Schweizer Franken gegenüber dem Euro überbewertet sei und ein fairer Kurs eher in der Kursregion um 1,35 CHF bis 1,40 CHF läge. Sollte der Markt den momentanen Kurs des EUR/CHF von 1,20 CHF nicht in Richtung 1,30 CHF bis 1,40 CHF korigieren, dann wäre die Schweizer Politik bereit Maßnahmen einzuleiten, um diese Kursstände zu forcieren. Demnach kann sich O’Neill gut vorstellen, dass die SNB schon in Kürze die fixe Untergrenze des Wechselkurses anheben könnte. Die SNB ließ bisher keinen Zweifel aufkommen, dass sie bereit ist mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln den CHF über 1,20 CHF zu halten. Bislang hat sich die SNB gegenüber dem Markt mit Erfolg durchgestezen können. Es gibt kaum Zweifel daran, dass sie dies auch in Zukunft schaffen werde, so O’Neill. Seiner Meinung nach ist eine Long-Wette auf den Wechselkurs EUR/CHF einer der Top Devisentrades für dieses Jahr. Er sieht das Kurspotential in dem Währungspaar für dieses Jahr bei 1,35 CHF. Wer also bei aktuellen Kursen Long Positionen im EUR/CHF aufbaut, der hätte bei Notierungen über 1,35 CHF ein mögliches Renditepotential von über 12 Prozent und dazu noch positive Carry Erträge auf seiner Seite.

Oliver Bossmann

Marktexperte bei ETX Capital