Der Wochenchart des Währungspaares EUR/GBP zeigt, dass eine wichtige Unterstützungszone gebrochen wurde. Stellt man diese Tatsache in den Kontext der momentan vorherrschenden fundamentalen Situation, dann könnte man zu dem Schluss kommen, dass auf mittelfristige Sicht erhöhte Volatilität in Aussicht stünde. Mit dem richtigen Risiko- und Money-Management könnte sich ein Devisentrader auf Sicht der nächsten 6 Monate in diesem Währungspaar positionieren.

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Zur fundamentalen Situation kann gesagt werden, dass auf der einen Seite die Bank of England (BoE) vermutlich nicht tatenlos zusehen wird, wie ein überstarkes britisches Pfund die wirtschaftliche Gesundung nach der Finanzkrise zerstört. Maßnahmen neben dem „Quantitative Easing“ könnten auch offene Interventionen sein, so wie es die Schweizer Nationalbank mit der Fixierung des Wechselkurses zum Euro schon getan hat. Auf der anderen Seite steht die Schuldenkrise im Euroland, die Sorgen über die Stärke und die Stabilität des Euros hervorruft. Infolge lässt die teilweise einsetzende Kapitalflucht die Währungen der vermeintlich sicheren Häfen gegenüber dem Euro steigen. Aus charttechnischer Sicht wurde schon ein erstes Urteil gesprochen, indem der Kurs des EUR/GBP die untere Begrenzung des groß angelegten Abwärtsdreiecks nach unten durchbrochen hat. Sollte die BoE in den nächsten Wochen nicht offen intervenieren, dann könnte ein weiterer dynamischer Kursrutsch anstehen. Damit läge die nächste technische Unterstützungslinie in dem Kursbereich um ca. 0,77 GBP. Sollte die Unterstützung bei 0,77 GBP im Laufe der nächsten Wochen auch noch durchbrochen gebrochen werden, dann ist aus charttechnischer Sicht der Weg relativ frei bis in Kursbereiche von 0,70 GBP herein, die das Währungspaar zuletzt in den Jahren 2006/2007 gesehen hatte. Nach dem starken Abverkauf des Euros gegenüber dem britischen Pfund könnte jedoch eine technische Korrektur anstehen, die den Kurs des Währungspaares zurück über die alte Unterstützungszone bringt, welche zwischen den Marken 0,8130 GBP und 0,8050 GBP verläuft. Diese Unterstützungslinie hat sich aus charttechnischer Sicht, und auch aus Sicht eines Short Traders, nun zum Widerstand für den Devisenkurs EUR/GBP gewandelt. Deutliche Wochenschlusskurse oberhalb der Widerstandszone würden den Ausbruch nach unten vorerst neutralisieren. Ein Initial Stopp für eine Short Position im EUR/GBP könnte bei 0,8250 GBP gesehen werden. Bei einer Short Position im EUR/GBP ist zu bedenken, dass verbale Interventionen vonseiten der BoE größere Kurssprünge nach oben verursachen könnten. Kurse oberhalb dieser Marke würden das anvisierte Short Szenario vorerst aushebeln und einen weiteren Kursanstieg bis zur Marke von 0,85 GBP ermöglichen. Ein ausgemachtes Kursziel auf Sicht von 6 Monaten könnte die nächste technische Unterstützungslinie aus dem Jahr 2008 sein, welche bei der Marke von 0,77 GBP verläuft.

Oliver Bossmann,

Marktexperte von ETX Capital