Nach Monate langem Ringen einigt sich die griechische Regierung endlich auf ein scharfes Sparpaket. Nun muss noch die Troika überzeugt werden, damit das neue 130 Milliarden-Hilfsprogramm beschlossen werden kann. Jedoch ist die Zurückhaltung, wenn nicht gar Skepsis, bei der Troika nach dem angeblichen Durchbruch der Verhandlungen offensichtlich. Aus den Reihen der Troika wurde nach dem Treffen am Donnerstag verkündet, dass das neue Sparpaket erhebliche Fragen in Punkto Nachhaltigkeit aufkommen ließe. Weiterhin fehlten schriftliche Garantien der griechischen Regierung in Bezug auf die tatsächliche Umsetzung. Dies würde eine schnelle Entscheidung verhindern und ließe weitere Entschlüsse frühestens nächste Woche zu. Am 15. Februar ist die nächste außerordentliche Sitzung der EU-Finanzminister angesetzt. Die Reaktion des EUR/USD-Kurses ist nach den Nachrichten vom Donnerstag verhalten positiv ausgefallen. Der EUR/USD konnte sich unverändert über der Marke von 1,32 USD halten und sogar kurzzeitig die 1,33 USD Marke überschreiten. Mit dieser Kursreaktion hält sich der Wechselkurs oberhalb der charttechnisch wichtigen Unterstützungslinie, welche bei 1,32 USD verläuft. Diese Reaktion lässt vor dem Hintergrund der Kursgewinne der letzten Tage auf weiteren Optimismus der Finanzmarktakteure für den Kurs des EUR/USD schließen. Es scheint, als rechnen die Märkte fest mit einer Einigung nach dem Motto, die Troika wird Griechenland schon nicht in die Insolvenz entlassen. Dies ist bemerkenswert, wirft das neu geschnürte Sparprogramm der Griechen doch eine Reihe von Fragen auf, die erst noch von der griechischen Regierung beantwortet werden müssen, bevor das Hilfsprogramm beschlossen werden kann.

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Die EZB lässt nach ihrer Sitzung am Donnerstag wie erwartet den Zinssatz unverändert bei einem Prozent. Laut EZB-Chef Mario Draghi bestätigten sich die Anzeichen für eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage in der Eurozone. Die Inflation bliebe auf absehbare Zeit auf moderatem Niveau. Damit fallen die Prognosen der EZB für die konjunkturelle Entwicklung der Eurozone nicht ganz so schlecht aus wie erwartet.Beobachter vermuten, dass sich EZB-Präsident Mario Draghi weiterhin alle Optionen offenhalten und zusätzliche Zinsschritte nicht ausschließen wird. Draghi sagte weiterhin, dass die EZB auch in diesem Monat verstärkt langfristige Refinanzierungsoperationen (LTROs) für europäische Geschäftsbanken anbieten wird. Damit pumpt die EZB auch im Monat Februar weitere Liquidität in den Markt. Das könnte vor allem dem angespannten Kreditmarkt in Europa weiter helfen, und damit dem Euro.

Aus charttechnischer Sicht hat der Kurs des EUR/USD die wichtige Widerstandslinie bei 1,32 USD erfolgreich nach oben durchbrochen. Damit wird die bei 1,32 USD verlaufende Linie zu einer Unterstützungslinie für das Währungspaar. Das Sentiment wird insgesamt wieder positiver für den Euro. Nach oben ist der Weg bis zu Kursniveaus um 1,35 USD erst einmal frei. Sollten nächste Woche weitere Fortschritte beim Hilfsprogramm für Griechenland gemacht werden, dann könnte der EUR/USD-Kurs recht schnell die 1,35 USD anvisieren. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass der Wechselkurs wieder unter die markante Linie bei 1,32 USD fällt. Dies wäre vorerst als eine Korrektur der letzten Tage zu sehen. Erst wenn der EUR/USD-Kurs die Marke von 1,30 USD signifikant unterschreitet, dann würde sich das charttechnische Bild wieder stark zum Negativen wenden.

Oliver Bossmann, Analyst ETX Capital