Der Euro bricht am Donnerstagvormittag dramatisch gegenüber dem Schweizer Franken ein. Verantwortlich dafür ist, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) überraschend ihren Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufgehoben hat.

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    EUR/CHF

    Der Mindestkurs sei als temporäre Maßnahme in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und größter Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt worden, teilte die SNB mit. Der Franken bleibe zwar hoch bewertet, aber die Schweizer Wirtschaft habe die Phase des Mindestkurses nutzen können, um sich auf die neue Situation einzustellen, so die SNB.

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    Experten begründeten den Schritt der SNB auch damit, dass die EZB in der kommenden Woche möglicherweise ein Quantitative-Easing-Programm für die Eurozone beschließen wird. In diesem Fall hätte die SNB vermutlich ihre Maßnahmen deutlich intensivieren müssen, um den EUR/CHF-Mindestkurs zu verteidigen.

    Der Einlagenzins für die Banken wurde von der SNB außerdem weiter in den negativen Bereich gesenkt, von -0,25% auf -0,75%.

    EUR/CHF brach nach der Aufhebung des Mindestkurses dramatisch im Tief bis auf 0,8489 ein. Viele Spekulanten waren bei der Marke von 1,20 CHF offenbar hoch gehebelt long gegangen und müssen ihre Position nun mit hohen Verlusten schließen.

    Viele Forex-Broker stellten für das Währungspaar EUR/CHF zunächst keine Kurse mehr.

    Die überraschende Entscheidung der SNB setzte den Euro auch gegenüber anderen Währungen unter Druck. EUR/USD brach zeitweise bis auf 1,1571 ein.

    Die SNB betonte, dass sie bei Bedarf weiter auf dem Devisenmarkt aktiv sein will. "Bei der Gestaltung ihrer Geldpolitik trägt die Nationalbank auch künftig der Wechselkurssituation Rechnung. Sie bleibt deshalb bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv, um die monetären Rahmenbedingungen zu beeinflussen", erläuterte die SNB.

    Update 11.08 Uhr: Auch der Schweizer Aktienmarkt gerät unter Druck. "Zur Stunde bricht auch der Schweizer Leitindex SMI massiv ein", betont Thomas May, Chefredakteur von GodmodeTrader. "Schweizer Aktionäre werden kalt erwischt und reagieren auf die Aufhebung des Mindestkurses seit 10.30 Uhr mit panikartiken Verkäufen. Aktuell bricht der SMI über 5% unter die charttechnische Unterstützung bei 8.600 Punkten ein. Bei der aktuellen Abwärtsdynamik dürfte diese Verkaufswelle direkt fortgesetzt werden. Weitere Verluste bis 8.411 Punkte sind wahrscheinlich."

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    Swiss Market Index

    Update 11.19 Uhr: Nachdem EUR/CHF im Tief bis auf 0,8489 eingebrochen ist, kann sich das Währungspaar nun wieder stabilisieren und zuletzt wieder auf 1,0444 zulegen.

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    EUR/CHF 5-Minuten-Chart

    Update 11.57 Uhr: Der SMI stürzt weiter ab und notiert aktuell mehr als 8% schwächer.

    Update 11.59 Uhr: Eine aktuelle Chartanalyse zu EUR/CHF finden Sie hier. Eine aktuelle Chartanalyse zum SMI gibt es hier.

    Update 12.06 Uhr: Die SNB hat für 13.15 Uhr eine Pressekonferenz angekündigt. Die Pressekonferenz wird voraussichtlich auch über das Web-TV der SNB übertragen.

    Update 12.21 Uhr: Das Tief im Währungspaar EUR/CHF von 0,8317 war der tiefste Stand aller Zeiten. Der Franken war gegenüber dem Euro noch nie so hoch bewertet wie heute.

    Update 13.10 Uhr: Der Schweizer Leitindex SMI ist im Tief bis auf 7.932,23 Punkte und damit um rund 14% eingebrochen. Anschließend setzte allerdings wieder eine leichte Erholung ein.

    Update 13.13 Uhr: In zwei Minuten beginnt die Pressekonferenz der SNB.

    Update 13.25 Uhr: Die einleitenden Bemerkungen von SNB-Präsident Jordan auf der Pressekonferenz finden Sie hier. Es findet sich allerdings wenig Neues in den Bemerkungen.

    Update 13.34 Uhr: SNB-Präsident Jordan hat auf der Pressekonferenz betont, dass die Aufhebung des Mindestkurses nur überraschend möglich war. Hätte es irgendwelche Andeutungen gegeben, wären Insidergeschäfte möglich gewesen, so Jordan. Trotzdem überrascht die heutige Entscheidung. Denn noch vor wenigen Tagen hatte Jordan betont, dass der Mindestkurs mit allen Mitteln verteidigt werden solle. Damit dürfte die SNB ihre Glaubwürdigkeit so ziemlich verspielt haben.

    Update 13.42 Uhr: Die heutige Entscheidung von SNB-Präsident Jordan wird von Vertretern der Schweizer Wirtschaft und der Arbeitnehmer massiv kritisiert. Nach Einschätzung des Arbeitnehmerverbands "Angestellte Schweiz" gefährdet die Aufhebung des Mindestkurses Arbeitsplätze und Löhne. Gerade die exportorientierte Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie könnte es schwer treffen, heißt es. Der Chef des Uhrenherstellers Swatch, Nick Hayek, sprach von einem "Tsunami" für gesamte Schweiz. "Es fehlen mir die Worte" sagte Hayek der Nachrichtenagentur sda.

    Update 13.44 Uhr: SNB-Präsident Jordan zeigt sich überrascht von den durch die SNB ausgelösten Kursturbulenzen. Die starke Aufwertung des Franken sei ein "komplettes Überschießen" und ökonomisch nicht gerechtfertigt. Man werde entsprechend eine Korrektur der heutigen Bewegungen sehen. Die Begrenzung des Wechselkurses sei langfristig nicht nachhaltig und sinnvoll gewesen.

    Update 13.50 Uhr: SNB-Präsident Jordan spricht von einer "historisch einmaligen Situation", auch mit Blick auf das Niedrigzinsumfeld in Europa.

    Update 13.55 Uhr: Die Aufwertung des Franken führt zu "Bewertungsverlusten" in der SNB-Bilanz. Entsprechend könnten Gewinnausschüttungen der SNB an ihre Aktionäre (darunter befinden sich vor allem Schweizer Kantone und Kantonalbanken) entfallen, sagte SNP-Präsident Jordan in der Pressekonferenz.

    Update 14.03 Uhr: Die starke Aufwertung des Franken heute könnte auch Kreditnehmer im Ausland schwer treffen, denn es gibt erhebliche Volumen an Franken-Krediten in anderen Ländern. Die Österreichische Nationalbank (OeNB) hat in einer ersten Stellungnahme betont, dass die ausstehenden Franken-Kredite in Österreich in einer Höhe von 29,5 Mrd. Euro von "erheblicher Relevanz" seien. Man habe bereits vor vielen Jahren vor den Risiken von Fremdwährungskrediten gewarnt, so die OeNB. Auch in Osteuropa gibt es ein hohes Volumen an Franken-Krediten. Die Zinsen sind bei solchen Krediten in der Regel deutlich niedriger als bei Krediten in den heimischen osteuropäischen Währungen.

    Update 15.11 Uhr: Die Schweizer Presse bewertet die SNB-Entscheidung überwiegend kritisch. "Was ist nur in die SNB gefahren?", fragt sich der Tagesanzeiger.