Der Euro eröffnet heute (07.41 Uhr) bei 1.2345, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im europäischen Handel bei 1.2257 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 79.35 In der Folge notiert EUR-JPY bei 97.95, während EUR-CHF bei 1.2010 oszilliert.

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Der Euro startet stabil in den Wochenausklang. Wesentliche Verantwortung trägt Frau Dr. Merkel, die den kanadischen Regierungschef Harper in Ottawabesuchte. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für stärkere Eingriffsrechte in Euro-Staaten ausgesprochen, die ihre Stabilitätsauflagen nicht erfüllen. Wenn die politische Elite der Eurozone dieses Vorhaben umsetzte, entspräche das einem massiven Vorteil gegenüber anderen Wirtschaftsregionen, da Fehlentwicklungen im Kein bekämpft würden. Aus Sicht Frau Dr. Merkels sei dies nötig, um die Währungsunion zu stabilisieren.

Da stimmen wir unumwunden zu. Frau Dr. Merkel hättesich schon beim Fiskalpakt ein direktes Eingriffsrecht in nationale Haushalte gewünscht, die den Konsolidierungsverpflichtungen nicht entsprechen. "Das ist weiter auf der Tagesordnung",betonte sie. Die Zeit dränge sehr, nun die politische Integration voranzutreiben. So weit zu den inhaltlichen Aspekten, die Frau Dr. Merkel bezüglich der weiteren Ausgestaltung der Eurozone äußerte.

Entscheidender waren jedoch die Einlassungen bezüglich der zukünftigen Politik der EZB. Sie erklärte, das Versprechen von EZB-Chef Mario Draghi, alles Erforderliche zur Verteidigung der Euro-Zone zu tun, sei im Einklang mit den europäischen Regierungen.

So weit, so gut, gäbe es da nicht noch einen finnischen Außenminister namens Tuomioja, der gestern im Daily Telegraph ein freimütiges Interview gab und darüber fabulierte, dass sich Finnland auf das Ende der Währungsunion vorbereiten würde und nach seiner Meinung die Unabwendbarkeit dieses Entwicklung feststünde.

Aus dem Interview geht her vor, dass diese Erwartungshaltung nicht Position der Regierung ist.Fakt ist, dass alle Regierungen der Eurozone Notfallpläne bereit halten müssen. Das gilt nicht nur für Staaten, sondern für alle Wirtschaftssubjekte. Daraus zu schließen, dass sichdiese Konstellation ergeben wird, ist ambitioniert. Wenn Sie eine Vollkaskoversicherung für ihr Auto abschließen, ist das auch nur eine Vorsichtsmaßnahme oder wollen Sie ihr neues Kfz am nächsten Baum versenken …

Die Verbraucherpreise der Eurozone stellten sich per Juli laut finaler Berechnung auf 2,4% nach zuvor 2,4% im Jahresvergleich. Im Monatsvergleich stellte sich ein Rückgang um -0,5% ein. Diese Preisentwicklung ist Ausdruck der verschärften Defizitkrise mit entsprechender belastender konjunktureller Entschleunigung. In der ersten Augusthälfte hat sich eine markante Gegenbewegung ergeben, die sich unter anderem in höheren Aktiennotierungen als auch höheren Energie- und Rohstoffpreisen manifestiert. Ergo isteine Extrapolation der Preisentspannung zumindest mit Fragezeichen zu begleiten.

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Die US-Arbeitslosenerstanträge sind per 11. August von zuvor 364.000 (revidiert von 361.000) auf 366.000 gestiegen. Die Prognose lag bei 365.000. „Steady Water“ heisst es derzeit am US-Arbeitsmarkt.

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Die Neubaubeginne sind in der annualisierten Fassung per Juli von zuvor 754.000 (revidiert von 760.000) auf 746.000 gesunken. Die Prognose war bei757.000 angesiedelt. Positiv ist anzumerken, dass damit das erhöhte Niveau losgelöstvon den geringfügigen Schwankungen bestätigt wird. Der Anstieg der Baugenehmigungen von 760.000 auf 812.000 (Prognose 770.000) ist gleichfalls ermutigend.

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Der Philadelphia Fed Business Index verfehlte die Konsensusprognose. Per August kam es zu einem Anstieg von zuvor -12,9 auf -7,1 Punkte. Analysten hatten eine stärkere Zunahme auf -5,0 Zähler unterstellt.

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Abschließend werfen wir noch einen Blick auf den „Bloomberg Consumer Comfort Index (früher: ABC News Money Magazine Consumer Comfort Index)“. Dieser Index taucht förmlich weg und markierte gestern den tiefsten Stand seit November letzten Jahres. Offensichtlich ist die europäische Defizitkrise näher an der US-Wirtschaftals manche es sich vorstellen können oder wollen …

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Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Erst ein nachhaltiges Überwinden der Widerstandszone bei 1.2370 - 00 neutralisiert den negativen Bias des Euros.

Viel Erfolg!

© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Bremer Landesbank

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