Der Euro eröffnet heute (07.42 Uhr) bei 1.2945, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im europäischen Handel bei 1.2912 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 79.65. In der Folge notiert EUR-JPY bei 103.15, während EUR-CHF bei 1.2010 oszilliert.

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Der Finanzmarkt, aber auch die Realwirtschaft schauen weiter gebannt auf Europa. Der Blick wendet sich insbesondere nach Athen und Madrid. Hier entscheidet sich für den weiteren Verlauf des Jahres, ob verstärkte Risikoaversion oder eine Entspannung global Raum greifen wird.

Beginnen wir in Madrid. Am Freitag soll die Bankenproblematik in Spanien einer nachhaltigen Lösung zugeführt werden. Wie das Programm genau aussehen soll, weiß niemand. Fakt ist, dass sich ohne eine Beteiligung des Staates keine nachhaltige Lösung ergeben wird. Aktuell werden Beträge im Bereich von 35 Mrd. Euro am Markt kolportiert. Das sind überschaubare Größen im Verhältnis zur spanischen Wirtschaft. Die erste Ankündigung, ob dieser Politikausrichtung hat uns aus dem spanischen Wirtschaftsministerium erreicht. Der spanische Staat wird eine 45% Beteiligung an Bankia, der viertgrößten spanischen Bank erwerben. Das sei der erste Schritt, die Solvenz der Bank zu sichern, verlautete es aus dem Wirtschaftsministerium.

Das griechische Drama geht in den nächsten Akt. Nachdem Herr Tsipras mit dem Versuch der Regierungsbildung gescheitert ist, wird jetzt der Chef der PASOK-Partei Venizelos sein Glück versuchen. Es ist verstörend, dass einige griechische Politiker offensichtlich einen Hang haben, sich selbst mit dem gesamten Land versenken zu wollen. Das gilt zumindest für die Verweigerer der Solidarität mit der Eurozone, die aber weitere Solidarität Europas für Griechenland erwarten. Ein verhängnisvoller Trieb der unbegrenzten Vorteilnahme schwingt in den politischen Positionen

dieses Parteienspektrums mit. Demut aus der Erkenntnis, dass alle Probleme Griechenlands selbstverschuldet sind, ist bei dieser vermeintlichen "Elite“ nicht anzutreffen. So etwas verärgert nicht unerheblich!

Da wird von den Banken eine Schuld Griechenlands in Höhe von 100 Mrd. Euro erlassen und es reicht den Herren Tsipras & Co. nicht ansatzweise. Nein, da muss noch mehr her. Die europäischen Bruder- und Schwesterländer stehen mit historisch einmaligen Hilfsprogrammen zur Seite und erleben politische Hybris seitens der Splitterparteien. Dank des Außeneinflusses ist das verkrustete System in Griechenland aufgebrochen worden und bietet die Chance auf eine bessere Zukunft.

Es sind circa 80% der Strukturreformen in Griechenland umgesetzt, es bleiben 20% der Wegstrecke vor Griechenland und wesentliche Teile der Politik verweigern sich diesem Weg. "Chapeau!“

Obwohl laut aktuellen Umfragen circa 80% der Bevölkerung weiter Teil der Eurozone bleiben wollen, wählen mehr als 60% Parteien, die genau das nicht wollen. Dieser Umstand belegt, dass Griechen eine emotionale Protestwahl vollzogen haben.

Falls es zu Neuwahlen kommen wird, ist die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass dann eine rationale Protestwahl anstehen wird. PASOK und ND brauchen nur etwas 34% - 35% der Gesamtstimmen, um eine solide parlamentarische Mehrheit dank des griechischen Wahlsystems auf die Beine zu stellen.

Ergo ist Zuversicht bezüglich Griechenlands mindestens vertretbar.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Hinsichtlich der Tatsache, dass die Positionierung gegen die Eurozone am Devisenmarkt sich im Bereich historischer Höchstmarken bewegt und Ausdruck einer politischen Bewertung ist, erachte ich neue "Shortpositionen“ zu Lasten des Euros für riskant. Ein Ausbruch aus der Bandbreite 1.2600 - 1.3100 eröffnet neue Opportunitäten.

Viel Erfolg!

© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Bremer Landesbank

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