Der Euro eröffnet heute (07.40 Uhr) bei 1.2685, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Höchstkurse im US-Handel bei 1.2730 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 78.90. In der Folge notiert EUR-JPY bei 100.05, während EUR-CHF bei 1.2010 oszilliert.

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"G20 - inhaltsschwach und doch unverzichtbar“ titelte Reuters über das Treffen der G-20 in Mexiko in Los Cabos. Dieses Urteil ist nicht vollständig falsch, aber nicht angemessen. Los Cabos, 19. Jun (Reuters) - Dass der G20-Gipfel im mexikanischen Urlaubsresort Los Cabos kein Gipfel der historischen Weichenstellungen sein wird, das war von Vornherein allen Beteiligten klar. "Eine verlorenes Jahr für die G20", "der schwächste G20-Gipfel aller Zeiten" - so und so ähnlich lauteten Einschätzungen von Leuten, die selbst seit Jahren Teil dieser "Gipfelprozesse" sind. Die Bewertungen kamen, noch bevor die Staats- und Regierungschefs der führenden Schwellen- und Industrieländer inklusive Bundeskanzlerin Angela Merkel überhaupt ins Flugzeug gestiegen waren.

Experten wissen ja immer schon im Vorwege genau Bescheid, beispielsweise bei der "Cash Burn Rate“, bei der irrtümlichen Heiligsprechung Alan Greenspans oder bei MBS (Ironie). Am Ende muss das Urteil über den siebten G20-Gipfel wohl weit milder ausfallen. So ist es! Brillante neue Initiativen, spektakuläre, gar historische Ergebnisse sind nicht zu vermelden. Stillstand, könnte der Kritiker analysieren.

Das ist eine krasse Fehleinschätzung. Die Probleme der Eurozone müssen in Europa gelöst werden. G-20 kann im Hintergrund wirken. Das wurde auch gemacht. Der IWF kommt mit der Aufstockung seiner Interventionsreserven voran (China 43 Mrd. USD). Hier ist eine Korrelation zum europäischen Krisenmanagement klar erkennbar.

Es ist entsetzlich viel geredet von den mächtigsten Politikern dieser Welt in Los Cabos, und zwar miteinander, ganz persönlich. Manchmal, wo das Verständnis füreinander verloren zu gehen scheint, ist das schon ein Wert an sich.

Diese Gespräche dienen auch dazu, Europa und vor allen Deutschland in die Pflicht zu nehmen. Deutschland ist in den letzten Jahren seit der internationalen Intervention gut im Nehmen. Die Konjunkturspritzen der G-20 Nationen subventionierten unser exportseitig geprägtes Geschäftsmodell. Der schwache Euro unterstützt große Teile unserer Exportindustrie. Die Spekulation gegen Dimitri, Tula, Jorge, Jose und Sean eröffnet uns das Paradies der öffentlichen Refinanzierung zu historisch niedrigen Zinsen oder bis zu zwei Jahren zu keinen Zinsen. Daraus ergibt sich auch eine Verpflichtung. Das hätte ich zumindest als kanadischer Premier oder als Staatschef Chinas mindestens indirekt der deutschen Delegation verdeutlicht.

So fällt Angela Merkels Urteil - und nicht nur Ihres - letztlich positiv aus. "Diese G20-Gipfel sind deshalb so wichtig, weil sie uns vor Augen führen, wieweit wir in einer Welt von gegenseitigen Abhängigkeiten leben." Am Ende wertet die Kanzlerin dann auch noch ganz ohne Ironie: "Ich glaube, dass dies ein wichtiger Gipfel war." Und auch die vielen Kritiker der Gipfelmania räumen ein: "Diese Gipfel sind bei all ihren Mängeln wohl doch unverzichtbar". Wo sonst können die wichtigsten Akteure schon mal ungezwungen aufeinander zugehen, etwa bei einem Pausen-Kaffee, informell, ganz ohne Mitarbeiter, ein paar vielleicht vertrauliche Sätze austauschen. Kein Widerspruch.

Genau dieses Konzept stand am Beginn dieser G-Gruppen, die Mitte der 70er Jahre der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und Frankreichs Staatspräsident Valerie Giscard d'Estaing aus der Taufe gehoben haben. Der Start war eine Kaminrunde, ein Gedankenaustausch weniger Staatenführer über zentrale Fragen der Weltwirtschaft, ohne Tagesordnung, sehr persönlich, informell und frei von allzu großen Zwängen. Es ging nicht um Beschlüsse, nicht um das aktuelle Tagesgeschäft, es gab nichts Bindendes.

Es geht um Verständnis. Zu den Zeiten Schmidts und Giscard d’Estaings war die Globalisierung weitaus geringer ausgeprägt. Mit der heutigen Vernetzung in Finanz- als auch Realwirtschaft ergibt sich ein faktischer Zwang zur Abstimmung und zu diesen Treffen. Die Attitüde, zu hohe Erwartungen im Vorwege schüren, um dann auf die Eurozone "einschlagen“ zu können und die historisch einmalig hohen Shortpositionen gegen Europa damit zu verteidigen, nehmen wir zur Kenntnis.

Der deutsche ZEW-Index brach per Berichtsmonat Juni sportlich zusammen. Der Sentimentindex kollabierte von zuvor 10,8 auf -16,9 Punkte. Die Prognose lag bei +4,0 Zählern. Der Index markierte damit den niedrigsten Stand seit Januar 2012 (-21,6 Punkte). Die Bewertung der aktuellen Lage stellte sich auf 33,2 nach zuvor 44,1 Punkten. Wir sind nicht erstaunt, dass die befragten Finanzanalysten in dieser Heftigkeit reagieren. Wir sind es aus der Vergangenheit gewohnt.

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Die US-Neubaubeginne lieferten ein gemischtes Bild. Per Berichtsmonat Mai ergab sich in der annualisierten Fassung ein Rückgang von 744.000 (revidiert von 717.000) auf 708.000. Die Prognose lag bei 720.000. Der Blick auf den Chart verdeutlicht, dass sich eine Stabilisierung ergeben hat. Die aktuellen monatlichen Schwankungen ändern an diesem Bild nichts. Baugenehmigungen verzeichneten einen Anstieg von 723.000 auf 780.000 (Prognose 728.00) in der annualisierten Fassung.

Insgesamt bietet sich eine leicht freundliche Tendenz auf historisch tiefem Niveau am US-Wohnimmobilienmarkt aus. Auch der Anstieg des "NAHB-Housing Market Index“ von 28 auf 29 Punkte unterstützt diese Sichtweise (50 Punkte = ausgewogene Situation).

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Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein nachhaltiges Überwinden des Widerstandsfelds bei 1.2820 - 50 neutralisiert den negativen Bias des Euros.

Viel Erfolg!

© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Bremer Landesbank

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