Wenn so genannte „Gurus“ irgendetwas tun, dann verursacht dies in der Öffentlichkeit oftmals erheblichen Wirbel. Das wissen die Gurus selbst natürlich nur zu gut. Sie werden deshalb, zumindest wenn sie clever genug sind, ihr Handeln stets so kommentieren, dass es zu ihrem eigenen Vorteil ist. Ein besonders ausgeschlafenes Bürschchen ist George Soros. Immer wieder gelingt es dem Milliardär, Medien und Öffentlichkeit mit seinen Aktionen hinters Licht zu führen.

Groß war das Geschrei, als der Spekulant um Sommer 2011 einen Teil seiner Goldbestände veräußerte. Wie konnte das bloß sein? Wo der Goldpreis doch unaufhörlich nach oben kletterte und im August jenes Jahres mit gut 1.900 US-Dollar je Unze das bisherige (nominale) Allzeithoch markierte.

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Viele Goldanleger waren fassungslos, denn natürlich hatte es Soros nicht versäumt, den Grund für seine Verkäufe gleich mitzuliefern. Medienwirksam warnte er vor einer „ultimativen Blase“ beim Gold. Dazu ein Artikel aus der Süddeuten Zeitung vom Mai jenes Jahres:

http://www.sueddeutsche.de/geld/star-investor-soros-schwoert-von-gold-ab-1.1098536
Im Antizyklischen Börsenbrief hatten wir damals mehrfach geschrieben, dass man das dumme Geschwätz nicht weiter beachten sollte. Wer einen Funken Verstand besitzt, dem war damals sofort klar geworden, dass mit der groß angekündigten Verkaufsaktion eine falsche Fährte gelegt werden sollte – weil Soros und Konsorten später beim Gold noch einmal günstig nachkaufen wollten. Denn auch George Soros weiß natürlich sehr genau, dass er mit seiner spektakulären Warnung völligen Blödsinn geredet hatte: Im Umfeld einer „ultimativen Blase“ wird es bei den Edelmetallen ganz anders zugehen als wir das heute sehen.

Folgerichtig hat Soros im ersten Quartal 2012 seine Bestände am weltgrößten passiven Goldfonds SPDR Gold Trust mehr als verdoppelt. Dummerweise war das nicht zu verheimlichen: Die Käufe mussten der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet werden. Andernfalls hätte Soros selbstverständlich den Mund gehalten. Denn der Milliardär weiß natürlich sehr genau, warum er beim Gold jetzt wieder zugreift.

Tatsächlich sehen wir bei dem Edelmetall derzeit eine interessante Ausgangslage: Seit vollen 14 Wochen tritt der Goldpreis auf der Stelle. Die zähe Seitwärtsphase hat dazu geführt, dass die Stimmung immer weiter in den Keller gerutscht ist. Auch einige Charttechniker warnen jetzt wieder vor weiteren Kursverlusten.

Aus antizyklischer Sicht ist das alles natürlich höchst erfreulich: Schlechte Stimmung und warnende Expertenstimmen sind traditionell ein guter Nährboden für steigende Kurse – das ist nicht nur beim Gold so.

Interessant ist die langfristige Betrachtung des Kursverlaufs: Eine derart ausgeprägte Seitwärtsphase, wie wir sie derzeit sehen, gab es in den vergangenen sieben Jahren beim Gold ETF mit dem US-Kürzel GLD nur einmal, und zwar im Sommer 2007. In der folgenden Grafik ist dieser Zeitraum mit einem grünen Rechteck markiert.



Was anschließend passierte, ist ebenfalls gut zu erkennen: Der Gold-ETF legte von 65 auf 100 Dollar zu. Der Goldpreis bildete diesen Anstieg eins zu eins nach und kletterte im gleichen Zeitraum von rund 650 auf etwas über 1.000 US-Dollar je Unze, ein Anstieg von fast 54 Prozent. Auf heutige Verhältnisse übertragen würde dies einem Goldpreis von rund 2.500 US-Dollar entsprechen.

Doch ist so etwas realistisch?
Tatsächlich verdeutlichen einige Nachrichten von dieser Woche, dass die Finanz- und Staatsschuldenkrise, ganz so wie wir das an dieser Stelle immer wieder geschrieben haben, und wie es die Architektur unseres Finanzsystems auch gar nicht anders zulässt, einen neuen Negativrekorde nach dem anderen aufstellt. Die unaufhaltsam näherrückende Pleite Griechenlands oder die Bestrebungen Finnlands, den Euro aufzugeben, verkommen dabei mittlerweile fast zu Randnotizen.

Denn es geht noch toller: Wie die Financial Times Deutschland am Mittwoch berichtete, sitzen Europas Banken auf faulen Krediten in Höhe von einer Billion Euro. Errechnet haben das die Analysten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers:

http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:finanzkrise-europas-banken-sitzen-auf-1000-milliarden-fauler-kredite/70077118.html
Im Antizyklischen Börsenbrief predigen wir schon seit Jahren, dass man sich nicht nur als Anleger auf Konkurse größerer Finanzinstitute vorbereiten sollte. Denn machen wir uns da keine Illusionen: Die über alle Maßen strapazierten Staatshaushalte werden von solchen Summen völlig überfordert. Man wird die Banken nicht bis in alle Ewigkeit mit Steuergeldern herauspauken können. Erschwerend kommt hinzu, dass Gesamteuropa jetzt vor einer Rezession steht:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftleistung-schrumpft-europa-auf-dem-weg-in-die-rezession-1.1441125

Eine Rezession wird die Staaten heute wegen der angespannten Finanzlage jedoch sehr viel härter treffen als jene des Jahres 2008. Sollten im Zuge dessen noch mehr Staaten in schweres Fahrwasser geraten, könnte eine Flucht in Sicherheit beim Goldpreis den Turbo zünden.

Und auch im Nahen Osten mehren sich die Signale, dass von dort ein gewaltiger Schub für das Gold kommen könnte. Die Gründe sind allerdings höchst unerfreulich: Offenbar bereitet sich Israel auf einen „Präventivschlag“ gegen die Atomanlagen des Iran vor. Als besonders „günstig“ für einen Angriff gilt der September, denn unmittelbar vor den US-Präsidentschaftswahlen im November würde es keine US-Regierung wagen, Israel die Unterstützung zu verweigern.

http://de.nachrichten.yahoo.com/debatte-um-m%C3%B6glichen-milit%C3%A4reinsatz-israels-gegen-iran-130530736.html
In ihrer Summe machen die Entwicklungen eines klar:

Wer noch immer kein Gold besitzt, der sollte allmählich in die Hufe kommen. In der aktuell sehr zähen Seitwärtsbewegung sollte man keinesfalls das Handtuch werfen und jetzt womöglich Bestände verkaufen. Das Gegenteil trifft zu: Anleger sollten es jetzt Großinvestoren wie George Soros gleichtun und die Ruhe bei den Edelmetallen für Nachkäufe nutzen.

Schon im September, wenn die Menschen aus dem Urlaub zurück sind, könnte es mit der Ruhe nämlich schlagartig vorbei sein...

Wie wir die Lage jetzt einschätzen und was wir unseren Lesern raten, das lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die in Kürze erscheint.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de