„Wir wollen die Transparenz verbessern“

René Diehl steht dem 2008 gegründeten Contracts for Difference-Verband mit Sitz in Frankfurt/Main vor. Über die Herausforderung, die ambitionierten Verbandsziele für ein junges, komplexes und zugleich hoch innovatives Marktsegment erfolgreich umzusetzen, spricht der Verbandschef im Interview mit GodmodeTrader.

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Herr Diehl, wie entwickelt sich der CFD-Markt in Deutschland?

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Der Markt befindet sich in einer robusten Verfassung. Das Kundeninteresse ist anhaltend hoch. Die Branche profitiert maßgeblich von Produktinnovationen und neuen Technologien. Der Bereich Mobile Trading verzeichnet dabei die größten Wachstumsraten. 2011 erreichte die Anzahl an Neukunden gemessen an den Kontoeröffnungen ihren Höhepunkt. In den letzten beiden Jahren konsolidiert die Zahl auf einem hohen Niveau.

Neben den bereits genannten gibt es aber auch ganz pragmatische Gründe, die CFDs für Investoren interessanter werden lassen. Nehmen Sie beispielsweise Schwergewichte aus dem Technologiesektor wie Google oder Priceline.com. Die Kurse steigen seit Jahren, nur können immer weniger Anleger davon profitieren. Um zehn Aktien auf diesem Preisniveau an der Nasdaq kaufen zu können, benötigt ein Investor mehr als 10.000 USD Kapital. Das gleiche gilt im übertragenen Sinne natürlich auch für die populärsten Finanzinstrumente, die Index-Kontrakte. Bei einem Indexstand des Dow von 16.500 Punkten entspricht das Handelsvolumen 16.500 USD. Mit einem CFD können Sie eine solche Position bereits ab 165 EUR handeln. Ein Kursgewinn von 100 Punkten würde 100 USD entsprechen, was bezogen auf die Kapitalbindung eine deutlich höhere Rendite bedeutet.

Generell lässt sich attestieren, dass die Erwartungshaltung der Kunden an Technologie und Orderausführung kontinuierlich wächst. Es wird Wert auf Zuverlässigkeit und ein hohes Maß an Qualität gelegt. Auf der anderen Seite sind die Kunden sehr preissensitiv, mehr und mehr loyal, was bei den hohen Ansprüchen und der Vielfältigkeit der Produktangebote nicht selbstverständlich ist.

Wie viele CFD-Investoren gibt es in Deutschland schätzungsweise?

Die kürzlich von Steinbeis Research for Financial Markets erhobene CFD-Studie stellt den Versuch dar, die Entwicklung in Deutschland mit Zahlen zu unterlegen. Aktuell geht Steinbeis davon aus, das es hierzulande etwa 100.000 Kunden gibt, die ein Handelskonto bei einem CFD-Anbieter unterhalten.

Das international agierende Marktforschungsinstitut Investment Trends kommt bei seiner Kundenbefragung 2013 auf circa 43.000 Personen, die aktiv CFDs für die Umsetzung von Handelsstrategien einsetzen.

Was waren die Beweggründe vor sechs Jahren einen CFD-Verband zu gründen?

Die Interessenvertretung der CFD-Anbieter wurde 2008 gegründet. Im vergangenen Jahr hat sich der Verband neu aufgestellt. Die Ziele sind nach wie vor die gleichen, wobei heute andere Schwerpunkte gesetzt werden als damals. Der Verband möchte durch seine Arbeit dazu beitragen, die Verständlichkeit und Transparenz der Produkte zu verbessern sowie bestehende Vorurteile abzubauen. Es gilt eine Reihe Herausforderungen zu meistern und teilweise verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Die Öffentlichkeitsarbeit soll verbessert und ein noch größerer Fokus auf den Anlegerschutz gerichtet werden. Richtschnur sollen dabei die von der ESMA vorgegebenen Richtlinien sein. Ein aktiver Dialog mit den Aufsichtsbehörden wird angestrebt. Ob und wie schnell sich die ambitionierten Ziele umsetzen lassen, hängt maßgeblich vom Engagement der Mitglieder ab. Der Anfang ist gemacht und die positive Resonanz stimmt uns optimistisch. Inzwischen zählt der Verband zehn Mitglieder, darunter drei führende Online-Broker und zwei auf Institutionelles Geschäft spezialisierte Unternehmen.

Welche Auswirkungen dürfte die Einführung von Finanztransaktionssteuern auf den CFD-Handel haben?

Diese Frage ist schwer zu beantworten, da die Konsequenzen vielschichtig sein können. Nehmen wir als Beispiel die Entwicklungen in Frankreich. Dort führte die Einführung der Finanzmarkttransaktionssteuer dazu, dass das Handelsvolumen bei Wertpapiertransaktionen deutlich zurückging, während im gleichen Zeitraum der CFD-Handel um 25% anstieg.

Was eine mögliche Umsetzung angeht, liegt die Verantwortung aktuell bei den EU-Ratsministern. Das gesamte Thema und mögliche Konsequenzen werden mit sehr viel Leidenschaft und kontrovers diskutiert. Welche Entscheidung am Ende getroffen werden wird, ist offen. Momentan mehren sich die Anzeichen für eine stufenweise Einführung. Inwieweit CFDs betroffen sein werden, lässt sich im Augenblick nicht abschätzen.

Was sollten Anleger unbedingt beachten, die in den Handel mit CFDs einsteigen möchten?

Besonders wichtig ist es, die Funktionsweise von CFDs zu verstehen. Auf keinen Fall sollte man sich von schnellen Gewinnen leiten lassen, Empfehlungen Dritter ungeprüft folgen oder Risiken herunterspielen. Ein typischer Anfängerfehler ist oftmals die falsche Wahl der Positionsgröße. Vor der Entscheidung, mit echtem Geld zu handeln, sollte eine ausgiebige Testphase stehen. Zu diesem Zweck werden Demokonten angeboten, bei der sich Interessenten mit Produkt und Handelsplattform vertraut machen können. Finanzielle Risiken müssen nicht eingegangen werden, da der CFD-Anbieter für einen zeitlich begrenzten Zeitraum Technologie und virtuelles Kapital für Trainingszwecke zur Verfügung stellt. Wer nach der Trainingsphase zum Entschluss kommt, eigenes Geld einzusetzen, sollte im nächsten Schritt mit kleinen Positionsgrößen den Handel beginnen und sich sukzessive steigern, bis man selbst ein gutes Gefühl entwickelt hat.

Außerdem sollte man nicht von anfänglichen Gewinntrades auf das eigene Können schließen. Dauerhaft erfolgreiche Trader sind diejenigen, die ihre Investments akribisch planen, ihr Risiko aktiv managen und ab und an – vor allem wenn es heiß hergeht – dem Markt fernbleiben. Eine tiefe Kenntnis der Materie, ein ausgewogenes Maß an Selbstbewusstsein sowie die Fähigkeit, auch in hektischen Handelsphasen ruhig und besonnen zu agieren, zahlen sich am Ende des Tages aus.

Letztlich sei aber zu vermerken, dass der Verband sich als Dachorganisation und Branchenvertretung der CFD-Anbieter in Deutschland versteht. Wir sprechen Empfehlungen aus und erarbeiten gemeinsam mit den Mitglieder Leitlinien, die helfen sollen, branchenweit Standards zu etablieren.

In puncto Anlegerschutz können wir nur das empfehlen, was wir Freunden und Bekannten auch raten würden. Diejenigen, die sich für das Produkt interessieren, sollten sich vorher intensiv mit den Produkten auseinanderzusetzen. Wer CFDs und den Handel auf Margin nicht versteht, sollte davon Abstand nehmen. Wie bei anderen Hebelprodukten gilt auch für diese Finanzmarktprodukte, dass nur Kapital investiert werden sollte, was man im ungünstigsten Fall bereit wäre zu verlieren.

Handel in Echtzeit bietet eine Vielzahl an Chancen, zieht aber im ungünstigsten Fall eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich. Da es beim Trading immer um die eigenen Ersparnisse geht, sollte jeder für sich im Vorfeld entscheiden, ob er sich den Risiken aussetzen möchte.

Worauf sollten CFD-Investoren bei der Auswahl eines für sie geeigneten Brokers achten?

Diese Frage kann man nicht verallgemeinernd beantworten. Geeignet bedeutet an sich nichts anderes, als dass ein Finanzdienstleister den Bedürfnissen des jeweiligen Anlegers bestmöglich gerecht werden sollte. Jetzt gibt es da draußen aber eine Vielzahl an Investoren, die sich in Kundenprofil, Anlageziel, Haltedauer und Transaktionshäufigkeit unterscheiden. Auch bei der Wahl der Technologie oder des Funktionsumfanges der Handelsplattformen gibt es Prämissen, die vom Kunden gesetzt werden.

Vor dem Beginn einer Geschäftsbeziehung ist es wichtig zu wissen, wem man sein Geld anvertraut. Mit relativ einfachen Mitteln ist es möglich, Informationen über die Historie eines Unternehmens, dessen Management sowie die Herkunft in Erfahrung zu bringen. Informationen zu Regulierung, Einlagensicherung sowie Eigenkapitalausstattung können über öffentlich zugängliche Quellen abgefragt werden.

Der CFD- und Devisenhandel erfolgt über das Internet. Da die meisten Anbieter ihre Produkte online anbieten, kann bei unbekannten Namen eine gewisse Grundskepsis nicht schaden. Allzu vollmundige Werbeversprechen sollten überprüft werden. Ansonsten gilt der allgemein gültige Rat: Anbieter, deren Produkte und angebotenen Technologien sind sorgfältig und ausgiebig zu testen.

Die Fragen stellte Helge Rehbein.

Renè Diehl ist Vorstandsvorsitzender des CFD-Verbandes und CEO der CeFDex AG, auf CFDs spezialisierte Wertpapierhandelsbank mit Sitz in Frankfurt/Main. Im CFD-Verband e.V. haben sich die führenden Anbieter von Contracts for Difference (CFDs) in Deutschland zusammengeschlossen. Weitere Vorstandsmitglieder des CFD-Verbands sind:

  • Friederike an Mey (CMC Markets)
  • Sarah Brylewski (Ayondo Markets)
  • Mario Furlan (Commerzbank)

Das Interview ist in der aktuellen Sonderpublikation "Forex- und CFD-Trading: Renditechancen rund um die Uhr" der BörseGo AG erschienen. Sie können die Publikation [Link "hier" auf http/... nicht mehr verfügbar] kostenlos abonnieren.