Vor dem wichtigen Verfassungsreferendum am 4. Dezember ist aus Angst vor einer Rückkehr der Euro-Krise wieder vermehrt privates Kapital aus Italien geflohen.

    Die sogenannten Target2-Verbindlichkeiten der italienischen Notenbank gegenüber dem Eurosystem erreichten im Oktober ein neues Rekordniveau. Die Banca d'Italia stand gegenüber den anderen nationalen Notenbanken und der EZB im Rahmen von Target2 mit rund 355,5 Milliarden Euro in der Kreide.

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    Die Target2-Salden geben die Höhe der Nettoguthaben bzw. -verbindlichkeiten der nationalen Notenbanken der Eurozone gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) bzw. den anderen nationalen Notenbanken an. Die Target-2-Salden sind ein Indikator für die Kapitalflucht aus den Krisenländern und werden deshalb auch als "Krisenindikator" betrachtet. Während der Zuspitzung der Euro-Krise flüchtete mehr privates Kapital aus den Krisenstaaten ins Ausland. Dieses private Kapital wurde durch Notenbankkredite der Überschussstaaten (insbesondere Deutschland) ersetzt.

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    Der bisherige Höchststand der Target2-Forderungen der Bundesbank war Ende August 2012 mit 751,4 Milliarden Euro erreicht worden, kurz bevor EZB-Präsident Mario Draghi das Anleihenkaufprogramm OMT ankündigte und versprach, alles für die Rettung des Euro zu tun.

    Anschließend waren der Überschuss der Bundesbank und die Verbindlichkeiten vieler Krisenstaaten wieder zurückgegangen. Seit Mitte 2014 steigen allerdings die Verbindlichkeiten der Krisenstaaten und die Guthaben der Überschussländer wieder. Dafür sind die Anleihekäufe der EZB im Rahmen ihres QE-Programms mitverantwortlich, denn diese führen zu überschüssiger Liquidität. Da die Verkäufer der Anleihen die aus den Verkäufen resultierenden Guthaben bevorzugt bei Banken z.B. in Deutschland halten, erhöht das die Ungleichgewichte im Rahmen des Target2-Systems. Allerdings sind auch die auf QE zurückzuführenden Ungleichgewichte letztlich ein Ausdruck der weiterhin existierenden Fragmentierung im Euroraum, bei der private Investoren überschüssige Gelder nicht in Krisenländern wie Italien oder Spanien parken wollen.

    In Italien steht am 4. Dezember ein wichtiges Verfassungsreferendum an, an das Premierminister Matteo Renzi seine politische Zukunft geknüpft hat. Umfragen zufolge steuert Renzi dabei auf eine Niederlage zu. Die Folge könnten Neuwahlen ab Frühjahr 2017 sein. Dabei wird befürchtet, dass die Euro-kritische Bewegung MoVimento 5 Stelle ("5 Sterne-Bewegung"), die ein Referendum über den Euro-Austritt Italiens befürwortet, an die Regierung kommen könnte.

    Ein Ausstieg Italiens könnte aber gleichzeitig das Ende des Euros einläuten, da in zahlreichen anderen Staaten wie Spanien oder Griechenland ebenfalls Euro-kritische Parteien die Oberhand gewinnen könnten. Nicht für Italien, sondern für ganz Europa steht am 4. Dezember viel auf dem Spiel.

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