In dieser Woche haben wir den Lesern des Antizyklischen Börsenbriefs geraten, ein paar Bargeld- und Lebensmittelvorräte anzulegen, für den Fall, dass die Entwicklungen in Europa eskalieren sollten. Hintergrund der Empfehlung, die wir im Übrigen nur erneuert haben, war der Hinweis eines Abonnenten: Der Landwirt aus Oberbayern hatte uns auf eine ungewöhnliche Befragung des bayerischen Landwirtschaftsministeriums vom Mai dieses Jahres aufmerksam gemacht. Im Rahmen eines „Ernährungsnotfallprogramms“ wollte die Behörde wissen, welche landwirtschaftlichen Betriebe über ein Notstromaggregat verfügen und deshalb im Krisenfall autark sind.

Anzeige

Die Resonanz war bemerkenswert. Ein Leser meinte, er wolle nicht „so einen Müll“ lesen. Ein anderer brachte den berechtigten Einwand, dass derartige Befragungen dazu dienen könnten, die Energieversorgung im Falle der Abschaltung von Atomkraftwerken sicherzustellen. Da ist natürlich etwas dran. Einige Kollegen wiederum machten unmissverständlich klar, dass sie mich für vollkommen verrückt halten.

Das allerdings habe ich in den vergangenen Jahren schon öfter gehört:

Als ich einigen Kollegen aus der Finanzbranche vor etwas mehr als zehn Jahren mitteilte, Gold werde das Investment der kommenden Jahre werden, war das Gelächter groß. Der Goldpreis stand damals bei 250 Dollar (pro Unze!) und nach 20 Jahren Baisse konnte sich niemand vorstellen, dass das jemals wieder anders sein würde....

Auch einige Schulfreunde, die im Herbst 2008, exakt auf dem Höhepunkt der damaligen Börsenpanik in einer geselligen Runde von mir zu hören bekamen, dass dies erst der Anfang sei und wir auf längere Sicht Staatspleiten in Europa und einen Zerfall des Euro sehen würden, fanden das damals noch sehr erheiternd.

Mittlerweile sind meine Freunde nachdenklich geworden. Zwei aus der Runde von damals riefen mich kürzlich an. Sie wollten nun doch etwas Gold kaufen. Was denn da zu tun sei...

Wie weit wir es gebracht haben mit der Politik zur „Rettung“ des Euro, das zeigt das folgende Video. Aufgenommen wurde es in dieser Woche in Madrid. Im Rahmen des jüngsten Sparpakets hatte die Regierung Rajoy angekündigt, die Ausgaben für den Bergbau um bis zu 60 Prozent zu kürzen. 65 Milliarden Euro will Madrid einsparen:

http://www.youtube.com/watch?v=mJ6jLGl5hbs&feature=player_embedded
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/07/11/gummi-geschosse-steine-ausschreitungen-im-zentrum-von-madrid-eskalieren/
Wer dieses Video gesehen hat, der wird erkennen, dass sich in unserer unmittelbaren Nachbarschaft bürgerkriegsähnliche Zustände ausbreiten. Und wer angesichts solcher Bilder unsere eingangs erwähnte Empfehlung für übertrieben hält, der sollte sich einfach einmal die folgenden drei Fragen stellen:

Erstens: Wie wahrscheinlich ist es, dass eines oder mehrere der angeschlagenen Euro-Länder in den kommenden Monaten aus dem Euro aussteigen? Interessanterweise gibt es ausgerechnet aus Finnland Äußerungen, die klar machen, dass diese Möglichkeit keineswegs ins Reich der Phantasie gehört:

http://www.n24.de/news/newsitem_8049308.html
Zweitens: Sollte es dazu kommen, dass Griechenland, Spanien oder gar Finnland den Euro aufgeben, wie wahrscheinlich sind dann
„Turbulenzen“ im Finanzsektor?

Und drittens: Sollten die Menschen in einem solchen Fall die Bankschalter stürmen, weil sie Angst um ihr Geld bekommen, wie wahrscheinlich ist es dann, dass die Banken vorübergehend schließen?

Was das bedeuten würde, muss man nicht lange diskutieren: Wer einmal erlebt hat, wie die Menschen hier zu Lande die Supermärkte stürmen, nur weil einmal ein langes Wochenende (!) vor der Tür steht, der kann sich ungefähr vorstellen, wie die Menschen in einem solchen Fall agieren würden: Die meisten wären völlig kopflos und innerhalb kürzester Zeit wären die Regale wie leergefegt.
In diesem Zusammenhang will ich Ihnen eine Email nicht vorenthalten, die mir ein Leser in dieser Woche geschrieben hat. Darin heißt es:

Sehr geehrter Herr Hoose,

ich habe heute morgen einem Freund von Ihrer Rundmail bezgl. Bauern-Abfrage wg. Notstrom-Aggregaten erzählt - was seinerseits Anlass war für seine Schilderung eines hoch interessanten Vorgangs:

Genau wie ich ist dieser Freund nicht linker oder rechter Sektierer sondern selbständiger Unternehmer, seriöser Geschäftsmann, bürgerlich-konservativer "Leistungsträger" und genau wie ich ehemaliger Reserve-Offizier. Genau wie ich ist er längst ausgemustert und älter als 45 Jahre (das Alter, bis zu dem man aktiviert werden kann). Es gibt also keinen Grund, ihn oder mich in Wehrfragen zu kontaktieren.

Seit einiger Zeit jedoch bekommt dieser Freund verstärkt Mails seiner ehemaligen Reservistenkameradschaft, in denen Teilnehmer für Übungen gesucht werden. Inhalt dieser Übungen ist es, in verschiedener Form die Kooperation zwischen Militär und Zivilschutz zu trainieren, in diesem Zusammenhang u.a. auch Schutz vor Partisanentätigkeit, Verhalten bei Unruhen etc.

Ist das alles Zufall?

Die jüngste dieser Einladungen habe ich heute von ihm bekommen und unten an Sie weitergeleitet. Wie gesagt: Ich bin weder Sektierer noch Anhänger von Verschwörungstheorien. Doch nimmt man die sich mehrenden Anzeichen zusammen, dann kommt man langsam aber sicher auf interessante (um nicht zu sagen: sehr beunruhigende) Gedanken....

Soweit die Zuschrift unseres Lesers.

Übrigens erhält die britische Polizei in diesen turbulenten Tagen erstmals in ihrer Geschichte Gefechtsfeldwaffen, die auch britische Soldaten in Konfliktzonen im Irak und in Afghanistan einsetzen:

http://www.presstv.ir/detail/2012/07/02/249052/police-battlefield-weapons/
Man muss kein Prophet sein, um in Großbritannien ähnliche Zustände heraufziehen zu sehen, wie in Spanien oder in Griechenland. Rüstet sich also auch die britische Regierung für die Unterdrückung von Protestbewegungen? Davon kann man wohl ausgehen...

Man sieht also, es müsste im gegenwärtigen Umfeld gar nicht viel passieren, um den Menschen klar zu machen, dass es klug gewesen wäre, rechtzeitig an ein paar Dinge zu denken, die für unsere Großeltern vollkommen selbstverständlich waren. Einen kleinen Vorrat an Lebensmitteln und Bargeld zum Beispiel. Übrigens soll nach Angaben der NASA am heutigen Samstag ein starker Sonnensturm die Erde treffen. Großflächige Stromausfälle in Nordeuropa, Kanada und den USA sind möglich. Vorratshaltung könnte da ganz plötzlich sehr aktuell werden. Wir werden sehen...

Das Ende der Gemütlichkeit...
All dies sind Indizien dafür, dass die gemütlichen Zeiten auch bei uns allmählich zu Ende gehen. Zunächst, und das ist die „gute“ Nachricht, dürfte es den Bundesbürgern allerdings „nur“ an den Geldbeutel gehen – das jedoch wird schon bald sehr konkret werden:
Am Donnerstagabend wurde im heute journal des ZDF erstmals im Verlauf dieser Krise über die Möglichkeit von Zwangsanleihen berichtet. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hatte vorgeschlagen, Zwangsanleihen und einmalige Vermögensabgaben für „Reiche“ zur Eurorettung und zum Abbau der Staatsverschuldung heranzuziehen. Auch solche Maßnahmen hatten wir im Antizyklischen Börsenbrief schon vor einigen Jahren angekündigt.

Das Vorgehen folgt dabei den bekannten Mustern: Damit die Masse applaudiert, wird zunächst versichert, nur Menschen mit einem Vermögen (nicht Einkommen!) in Höhe von 250.000 Euro seien von der Zwangsabgabe betroffen.

Was nicht gesagt wird: Die Geschichte zeigt, dass wie immer in solchen Fällen unter dem Beifall der Geringverdiener zunächst nur die „Oberen Zehntausend“ von der Enteignung betroffen sind. Hat man die Maßnahme dann erst einmal durchgedrückt, werden schrittweise auch die Menschen mit weniger Vermögen zur Kasse gebeten.

Tatsächlich werden zusätzliche Einnahmen im Bundeshaushalt schon bald dringend erforderlich sein. Denn schließlich haben wir ja noch unseren „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ (ESM):

Bei Klaus von Dohnanyi von der SPD hatte ich schon seit längerer Zeit den Verdacht, dass der seine Sinne nicht mehr ganz beisammen hat.

Während das Bundesverfassungsgericht die Klagen gegen den ESM noch prüft, hat Dohnanyi am Donnerstag im Handelsblatt gefordert, Bundespräsident Gauck solle das ESM-Gesetz schon jetzt unterschreiben.

http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/kommentar-die-politik-der-politik-ueberlassen-seite-all/6871536-all.html
Auf diese Weise, so das Kalkül, würden unverrückbare Fakten geschaffen: Weil der ESM ein völkerrechtlicher Vertrag ist, könnte ein späteres Nein aus Karlsruhe den Vertrag nicht mehr stoppen, sobald der Bundespräsident unterschrieben hat.
Wo sind die Stimmen, die wegen Aufforderung zum Staatsstreich den sofortigen Rücktritt des SPD-Politikers fordern? Hier ist eine...

Machen wir uns nichts vor:

Sollte der ESM das Bundesverfassungsgericht passieren, wird er schon sehr bald von seinen uneingeschränkten Zugriffsrechten auf die Staatshaushalte in Europa Gebrauch machen. Dann haben wir in zwei bis drei Jahren in Deutschland ähnliche Verhältnisse wie wir sie heute in Spanien oder in Griechenland sehen. Weil uns das Geld ausgegangen sein wird und niemand mehr die Zinsforderungen der Banken wird bestreiten können, werden dann auch bei uns die Bürger in ihrem Zorn aufstehen gegen Europa.

Dass der Euro Streit und Unfrieden geradezu heraufbeschwört, das haben Euro-Kritiker wie Professor Wilhelm Hankel schon vor Jahren angekündigt. Wer den Realitäten ins Auge blickt, der erkennt, dass genau dies gerade geschieht.

Hankel rechnet übrigens damit, dass das Bundesverfassungsgericht den ESM-Vertrag an den Bundestag zur Nachbearbeitung zurückgeben wird. Das erscheint eine durchaus realistische Option: Das Gericht müsste das Machwerk dann nicht unmittelbar abweisen und könnte den „Schwarzen Peter“ wieder an die Politik zurück geben.

http://www.daf.fm/video/euro-kritiker-hankel-zum-verfassungsgericht-offenbarungseid-der-politik-50155491.html
Wer seinen gesunden Menschenverstand einschaltet und die Lehren aus der Geschichte nicht vollständig ignoriert, der wird eines immer deutlicher erkennen:

Wenn Papiergeldsysteme scheitern, dann ist das historisch betrachtet noch nie geräuschlos über die Bühne gegangen. Richtig ist vielmehr, dass Anarchie, Chaos und die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten Bestandteile eines solchen Prozesses sind.
Wir sind gerade dabei, das zu lernen.

Leider zeigt die Geschichte auch, dass Kriege und ähnliche Verbrechen immer dann als das Mittel der Wahl eingesetzt werden, wenn die Politik mit ihrem Latein am Ende ist. Denn wenn alles andere nicht mehr hilft, dann lässt sich damit vortrefflich vom eigenen Versagen ablenken. Die Entwicklungen, die sich gerade vor unseren Augen abspielen, deuten immer stärker darauf hin, dass die Politiker von den Entwicklungen überrollt werden. Es ist deshalb höchste Zeit, diese Politik zu beenden, bevor die Dinge völlig aus dem Ruder laufen und die Verantwortlichen womöglich auf sehr dumme Gedanken kommen...

Beenden, das allerdings sollte jedem von uns klar sein, beenden können nur wir alle gemeinsam diesen Irrsinn. Denn wie hieß es schon bei der unblutigen Revolution des Jahres 1989, die das Unrechtsregime der DDR hinwegfegte:

„Wir sind das Volk!“
Wie wir die Lage jetzt einschätzen und was wir unseren Lesern raten, das lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die vor wenigen Tagen erschienen ist.

Anmeldemöglichkeit (1) : Das Drei-Monats-Abo des Antizyklischen Börsenbriefs

Anmeldemöglichkeit (2) : Das Jahres-Abo des Antizyklischen Börsenbriefs

Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de