Der Euro eröffnet heute (07.47 Uhr) bei 1.2390, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Höchstkurse im amerikanischen Handel bei 1.2429 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 78.30. In der Folge notiert EUR-JPY bei97.00, während EUR-CHF bei 1.2012 oszilliert.

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Wie das Wall Street Journal (WSJ) Deutschland berichtet, hat der IWF Kurs auf einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland genommen. Zu diesem Zweck soll der Fonds bereits Druck auf Griechenlands europäische Geldgeber ausüben. Dabei haben die Gläubiger dem maroden Land in bereits einen beträchtlichen Anteil seiner Schuldenerlassen. Der Glaube an die ausreichende Wirkung des ersten Schuldenschnitt ist beim IWF nicht mehr sehr ausgeprägt. Konkret geht es darum, dass der IWF als vorrangigster Gläubiger aufkeinen Fall Abschreibungen auf sein Griechenland Engagement vornehmen möchte. Man rechnet nicht mehr damit, dass das Land aus eigener Kraft sein Defizitziel erreichen kann.

Ursprünglich galt als langfristiges Ziel für das Jahr 2012 eine Staatsschuldenquote von 120 Prozent. Jetzt will der IWF angeblich, dass Griechenland die Quote auf 100 Prozent der Wirtschaftsleistung verringert. Dies wird als "nachhaltiges Niveau“ gesehen.

Diese Forderung wird viele Gläubiger sehr aufstoßen. So hat die Bundesregierung frühzeitig klargemacht, dass es keine neuen Hilfen für Griechenland geben wird und auch keine festgezurrten Vereinbarungen aufgeweicht werden sollen. Deutschland hat Griechenland bereits Hilfen im Umfang von 127 Mrd. EUR gewährt.

Seit Februar hat sich die Finanzlage des Landes deutlich verschlechtert. Im Rahmen der Sanierungsbemühungen sind die Investitionen eingebrochen und die Konjunktur zum Erliegen gekommen.

Am einfachsten ließe sich die Kreditzinsen für Hilfskredite einsparen. Hier werden bis 2014 satte 39 Mrd. EUR fällig.

Ein anderer Vorschlag geht in Richtung erneute Umschuldung. Dabei ist durchgesickert, dass die EZB Hellas-Bonds im Volumen von 50 Mrd. EUR erworben haben soll. Eine weitere Alternative könne sein, dass der ESM der griechischen Regierungeinen Betrag von 50 Mrd. EUR abnimmt, der von Athen zur Bankenrettung aufgenommen werden musste.

Allein durch eine solche Maßnahme könnte die Schuldenqoute um 15-20 Prozent sinken. (…) Wir wissen, wie angespannt die Nerven bei den Gläubigern sind. Wie groß der Wahrheitsgehalt dieser Meldung ist, wird sich noch herausstellen. Erinnerungen an den Spiegel, der vor Kurzem über einen Zahlungsstopp des IWF berichtete und daraufhin eine heftige Kurserruktion weltweit auslöste werden wach. Bleibt zu hoffen, dass sich die Redakteure ihrer Verantwortung bewusst sind und um die Tragweite solcher Meldungen wissen.Hier ist das WSJ als gute Quelle bekannt, die wir Ihnen deshalb nicht vorenthalten wollen.

Die Alternativen, um die Staatsverschuldung zu senken sind vielschichtig. Es gibt viele Ansätze, die die Möglichkeit bieten das Land auf das vom IWF gewünschte Schuldenniveau zu drücken. Wir stellen uns die Frage warum man nicht gleich Nägel mit Köpfen gemacht hat und den ersten Schuldenschnitt in angemessener Höhe durchgezogen hat. Sicher, die Wirtschaft ist in der Folge stark eingebrochen und um die Wirren der Präsidentschaftswahlen sind auch Reformen nicht oder nur schleppend umgesetzt worden.

Wir fragen den IWF: Was ist mit den historischen Reformerfolgen, die man vorweisen kann? Seit 2008 hat das Land eine Reduktion seiner Defizite inder Handels- und Dienstleistungsbilanz von 52 Prozent erreicht. Die Lohnstückkosten sinken seit 2009. Einmalig im Euroraum ist auch die Verbesserung des Haushalssaldos um 6 Prozentpunkte in nur zwei Jahren. Im ersten Halbjahr liegt das Land sogar vor dem Plan.

Grund genug also seine eigene Motivation (Vermeidung von Abschreibungen) in den Vordergrund zu stellen und weitere Planspiele um "Haircuts" zu lancieren … Die Griechen wissen, dass die Geduld der Partner begrenzt ist und kooperieren enger als zuvor. In diese Phase fiskalischer Genesung neue politische Gedankenspiele hereinzubringen erscheint fragwürdig. Der Sonderfall Griechenland zeigt gut welche Krise wir haben. Vertrauensbildende Maßnahmen haben weiterhin Seltenheitswert …

Die Börsenampel haben wir gestern auf "grün“ gedreht. Der DAX zeigt sich auch in den ersten Handelsminuten fest und nimmt die 7000-Marke ins Visier. Die Wahrscheinlichkeit für einen leichten Dämpfer wächst, nachdem der DAX in den letzten Tagen einen fulminanten Anstieg hingelegt hat.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Erst ein nachhaltiges Überwinden der Widerstandszone bei 1.2370 - 00 neutralisiert den negativen Bias des Euros. Dem Euro fehlt oberhalb von 1.2380/-90 die Dynamik, es droht ein Rückfall unter 1.2370 welcher uns schnell zur 1,2280 bringen kann.

Viel Erfolg!

© Moritz Westerheide
Bremer Landesbank

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