Der griechische Ministerpräsident Giorgios Papandreou hat in dieser Woche verkündet, dass sich Griechenland wegen der Schuldenkrise „im Kriegszustand" befindet. Nicht zuletzt die Spekulanten seien für die Lage verantwortlich. Es ist ein wenig ermüdend, Herr Papandreou, immer wieder darauf hinweisen zu müssen, dass durch Spekulationen keine Trends geschaffen, sondern nur verstärkt werden. Das gilt nicht nur für Ihr Land.

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Auch der verstaatlichte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) musste das schon vor geraumer Zeit erfahren: Bekanntlich war der Konzern schon im Jahr 2008 wegen seiner Bilanzierungs- und Geschäftspraktiken ins Visier der Spekulanten geraten. Hätte die Bundesregierung seinerzeit nicht eingegriffen, würde es den Konzern heute gar nicht mehr geben. Und das wäre sogar besser so:
Im vergangenen Jahr hat die HRE, angeblich eine systemrelevante Bank (es fragt sich nur, für wen dieses System eigentlich relevant ist), einen Verlust in Höhe von 2,24 Milliarden Euro eingefahren – zur Erinnerung: hierbei werden Steuergelder verbraten...

Doch die Geschichte geht noch weiter: Denn bedauerlicherweise ist der Konzern auch stark in griechischen Staatsanleihen investiert. Und nicht nur dort: Schon im vergangenen Jahr konnte die HRE Staatsanleihen aus Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien wegen zu hoher Spreads nicht verkaufen.

Zum Jahreswechsel betrugen die Forderung gegen Italien 26,5 Milliarden Euro, gegen Griechenland 7,9 Milliarden. Außerdem hält der Konzern Anleihen von Spanien (2,7 Milliarden), Portugal (1,7 Milliarden) und Irland (0,26 Milliarden). Wohlgemerkt, das sind die Beträge, die nur bei der HRE im Feuer stehen, und für die wir alle, die wir in Deutschland unsere Steuern zahlen, im Ernstfall gerade stehen müssen.

Das ist nun ein Thema, das sich nicht nur Anleger einmal durch den Kopf gehen lassen sollten: Denn nicht nur die HRE, auch ALLE Lebensversicherungskonzerne sind stark in Staatspapieren engagiert. Das ist deshalb so, weil die Bestimmungen hohe Gewichtungen am Aktienmarkt beispielsweise verbieten. Wegen der Risiken, wie es heißt. Wollen wir hoffen, dass sich bald herumspricht, dass Anleihen hochverschuldeter Staaten um ein Vielfaches riskanter sind als die Aktien großer, solide aufgestellter Weltkonzerne.

Die angeblich so sicheren Lebensversicherungen sind eine tickende Zeitbombe. Einige Zeitgenossen scheinen das auch schon zu erkennen und werden unruhig, verschieben das Thema aber doch lieber auf die lange Bank. Andere kümmert das gar nicht, weil sie keine blasse Ahnung davon haben, worauf sie da eigentlich ihre Altersvorsorge gründen – und die meisten träumen noch gemütlich vor sich hin. Eine kleine Minderheit lässt sich womöglich auch von einem raffinierten Trick der Konzerne davon abhalten, die richtigen Schritte in die Wege zu leiten. Denn die haben das natürlich geschickt eingefädelt:

Jedem, der heute eine Lebensversicherung auflösen möchte, dem nehmen die Konzerne den Wind aus den Segeln: Da wird sofort mit der Roten Karte gewedelt, und auf der steht, dass der Sparer bei einer Kündigung Verluste in Kauf nehmen muss – was natürlich erstens richtig und zweitens nicht ganz unbeabsichtigt ist. Denn wer kündigt schon eine Lebensversicherung, wenn er weiß, dass er dabei, sagen wir, zehn Prozent des eingezahlten Kapitals verliert? Eben.

Man muss sich deshalb eines klar machen: Wer heute in Staatsanleihen investiert, der spielt mit dem Feuer. Ein einziger Blick in eine Tageszeitung genügt, um das zu erkennen. Nur ein Beispiel: Erst vor wenigen Tagen hat die Ratingagentur Fitch die Bonität von Portugal heruntergestuft. Die nächsten Kandidaten sind Spanien, Italien und Irland, von Großbritannien und den USA wollen wir gar nicht reden.
Doch irgendwie scheint das bei den Leuten noch nicht recht angekommen zu sein: Da wird zwar an jeder Ecke über die Schuldenberge der Staaten lamentiert – doch was tun die Börsianer? Sie kaufen ausgerechnet Staatsanleihen, jene Schuldtitel also, die im Falle eines Staatsbankrotts weitgehend wertlos werden.

Insbesondere viele Kleinanleger scheinen derzeit nicht recht zu verstehen, was sie tun, wenn sie ihre sauer verdienten Spargroschen in diesen „sicheren Papieren“ parken. Und jeder Sparer, der heute in eine Lebensversicherung einzahlt, der tut nichts anderes. Wahrscheinlich ist es in der Tat so, dass 60 Jahre Dauerwohlstand den Leuten ein wenig den Kopf vernebelt haben.

Die Leuten beschäftigen sich eben lieber mit der Frage, ob das neue Auto ein Dreier BMW, ein Audi A4 oder eine schicke C-Klasse werden soll – und ob die neue Karosse auch gewaschen und frisch gesaugt ist – anstatt darüber nachzudenken, was mit der eigenen Altervorsorge passiert, wenn genau das geschieht, was sich am Horizont immer deutlicher abzeichnet.

Oder sie glauben den Beschwichtigungsparolen von Banken und Politikern, die ja immer wieder behaupten, dass es in Europa keinen Staatsbankrott geben werde, und auch keine Währungsreform. Ach ja, die Renten waren ja auch schon immer ganz sicher, und auch die Spareinlagen...

Was muss eigentlich noch alles passieren, damit den Menschern ein Licht aufgeht? Um noch einmal den Trick der Versicherungskonzerne aufzugreifen, der verhindern soll, dass Versicherte ihre Police kündigen: Man sollte sich einfach nur klar machen, was einem lieber ist: Ein kleiner Verlust heute – oder ein großer Verlust morgen.

Bald ist Ostern. Die richtige Zeit, darüber einmal in aller Ruhe nachzudenken...

Wie wir die Lage jetzt einschätzen und was wir unseren Lesern raten, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die in Kürze erscheint.

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de