Der Euro eröffnet heute (07.43 Uhr) bei 1.3145 nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im europäischen Handel bei 1.3123 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 80.20. In der Folge notiert EUR-JPY bei 105.40, während EUR-CHF bei 1.2015 oszilliert.

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Bei den anstehenden Wahlen in Frankreich bedarf es für Herrn Sarkozy eines Wunders. Das gestrige Fernsehduell fiel klar zu Gunsten Hollandes aus, der weitestgehend staatsmännisch auftrat. Dagegen konnte Sarkozy nicht überzeugen. Ein Erdrutschsieg von Hollande wird zunehmend wahrscheinlicher.

Hinsichtlich der notwendigen Ausrichtung der Eurozone in Richtung nachhaltiger Wachstumspolitik ist ein Wechsel an der französischen Spitze aller Voraussicht nach ein positiver Katalysator. Mit nachhaltiger Wachstumspolitik sind an dieser Stelle jedoch nicht maßgeblich konsumtive Ausgaben gemeint! An den Rändern können sie ein Stück weit konsumtiv sein, da in der neuen politischen Gemengelage mit Sicherheit Kompromisse erforderlich sein werden. Mit Rand ist ein Volumen von maximal 10% der Maßnahmen definiert.

Notwendig ist aus der griechischen Erfahrung heraus, dass die Reformprogramme vom Tempo her angepasst werden müssen, um eine relative konjunkturelle Stabilität (Kontraktion nicht mehr als 1,5% des BIP p.a.) der Reformländer zu gewährleisten und gleichzeitig Mittel für Strukturmaßnahmen zur Verfügung gestellt werden.

Festzuhalten bleibt, dass alleine angebotsseitige Maßnahmen offensichtlich nicht reichen, wenn gleichzeitig eine spekulative Attacke nach der anderen gegen die Reformländer und Eurozone geritten werden und die Eliten, Volkswirte, Analysten und Medien der Eurozone es nicht verstehen, die strukturellen Erfolge angemessen der Öffentlichkeit klar zu machen.

Zu diesen Erfolgen gehört beispielsweise die massive Reduktion der Defizite Spaniens, Griechenlands und Portugals in der Waren- und Dienstleistungsbilanz als auch die weitgehende Reduzierung der strukturellen Haushaltsdefizite und die verstärkte politische Einigung via Fiskalpakt.

"Unsere Freunde“ von Markit aus London lieferten gestern. Die Eurozone wird im produzierenden Sektor in einen solide Rezession geschrieben. Der Einkaufsmanagerindex der Eurozone für das produzierende Gewerbe sank von März auf April von 47,7 auf 45,9 Punkte.

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Deutschlands Index verlor von zuvor 48,4 auf 46,2 Punkte. Damit bewegen wir uns in Deutschland laut Markit in einer soliden Rezession im produzierenden Gewerbe. Mehr noch ist unsere konjunkturelle Situation im produzierenden Sektor prekärer als in Frankreich. Großbritannien, das laut den BIP-Daten für das 4. Quartal im Bereich der Produktion einen Rückgang um -1,8% und per 1.Quartal 2012 um -0,4% verzeichnete, wird von Markit mit 50,5 Punkten Wachstum bescheinigt.

  • Die aktuellen Zahlen der DAX-Unternehmen stehen im diametralen Widerspruch zu den Daten Markits.
  • Der IFO-Index steht im diametralen Widerspruch zu Markit.
  • Die Daten von Creditreform, die die beste Lage seit der Wiedervereinigung im deutschen Mittelstand belegen, stehen im diametralen Widerspruch zu den Daten Markits.

Wir haben diese massiven Divergenzen gestern zum Anlass genommen, uns mit dem Chefvolkswirt von Markit Tim Moore telefonisch auseinanderzusetzen. Das Gespräch war sachlich und höflich. Der Verweis auf ein Papier von Credit Suisse, die diese Divergenzen zwischen IFO und Markit untersuchten ist hilfreich, jedoch schlussendlich vor dem Hintergrund der Daten für UK und Frankreich aus meiner Sichtweise nicht ansatzweise ausreichend.

Ich halte an meiner kritischen Einlassung bezüglich der Datenqualität fest. Ein politischer Beigeschmack ist bei den Daten Markits aus meiner Sichtweise heraus unverkennbar.

Der deutsche Arbeitmarktbericht lieferte Sonne und Schatten, je nachdem, ob man sich die saisonal bereinigten oder unbereinigten Daten ansah. Unbereinigt ergab sich ein Rückgang der Arbeitslosenzahl von 3.000.000 auf 2.963.0000. In der saisonal bereinigten Fassung nahm die Arbeitslosigkeit von 2.856.000 auf 2.875.000 zu.

Der Blick auf den Chart (saisonal bereinigt) verdeutlicht die nachhaltige Besserung im Zeitverlauf der letzten sieben Jahre von 5.011.000 im März 2005 auf mittlerweile 2.875.000 Arbeitslose mit dem Resultat der höchsten Beschäftigung in der Bundesrepublik in unserer Historie.

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Die Arbeitslosenrate der Eurozone nahm den Erwartungen entsprechend per März von zuvor 10,8% auf 10,9% zu und markiert damit den höchsten Stand in der Historie. Hier tut sich ohne Gegenwehr der Politik in Richtung Wachstumsorientierung ein erhebliches gesellschaftspolitisches Problem auf, das die Integrität der Eurozone beeinträchtigen könnte. Herr Hollande kommt mit seinen Akzenten nicht zur Unzeit ...

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Die Zahlen aus den USA ernüchterten. Der "ADP Employment Report“, der Auskunft über die Entwicklung in der Privatwirtschaft am Arbeitsmarkt gibt, lieferte mit 119.000 neu geschaffenen Jobs ein Ergebnis, das deutlich unterhalb der Konsensusprognose von 177.000 lag.

Der Auftragseingang der US-Industrie verzeichnete per März einen Rückgang um 1,5%. Die Konsensusprognose lag bei -1,6%. Der Vormonatswert wurde von +1,3% auf +1,1% revidiert. Aggregiert ergab sich damit eine Verfehlung um 0,3% gegenüber der Prognose.

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Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein nachhaltiges Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.2980 - 10 neutralisiert den positiven Bias.

Viel Erfolg!

© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Bremer Landesbank

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