Die südostafrikanische Republik Mosambik ist kein Land, das man auf Anhieb in Verbindung bringen würde mit den Staaten, die in Zukunft die Welt mit Erdgas versorgen werden. Tatsächlich könnte das Land aber bis zum Jahr 2020 zum drittgrößten Exporteur von Flüssigerdgas, kurz LNG (engl. liquefied natural gas), werden. Zwei Unternehmen, die texanische Anadarko Petroleum (ISIN US0325111070 / WKN 871766) und die italienische ENI (ISIN IT0003132476 / WKN 897791), führen bereits seit dem Jahr 2006 Testbohrungen vor der Küste des Landes durch. Die Ergebnisse sind überwältigend.

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    Anadarko, das texanische Unternehmen, das mit dem japanischen Konglomerat Mitsui Group und dem britischen Upstream-Ölkonzern Cove Energy (ISIN GB0034353531 / WKN A0B9Y5) bei der Suche nach Gas in Mosambik zusammenarbeiten, haben sich auf zwei Gebiete konzentriert: Das Atum- und das Prosperidade-Becken vor der Küste Mosambiks. Die Vorkommen werden dort auf bis zu 1,7 Billionen Kubikmeter förderbares Erdgas geschätzt. Addiert man dazu weitere 850 Milliarden Kubikmeter Gas, das ENI im Mamba-Becken vermutet, kommt eine Gasmenge von 2,55 Billionen zusammen. Damit wären die Reserven nur um ein Weniges geringer als jene des Shtokman-Gasfelds (3,8 Billionen Kubikmeter) in der Barentsee, um das jüngst ein heftiger Streit um Abbaurechte zwischen Frankreich und Russland entstanden ist. Das Shtokman-Feld ist eines der größten Gasfelder der Erde.

    Das Gas soll in speziellen Anlagen auf unter -160 Grad Celsius heruntergekühlt werden, sodass es an Volumen verliert und flüssig wird. In dieser Form als Flüssigerdgas, kurz LNG, kann es dann in speziellen Frachtern in die ganze Welt verkauft werden. ENI gab im November 2011 die Bereitschaft bekannt, 50 Milliarden USD in die Erschließung des Mamba-Komplexes investieren zu wollen. Anadarko hält sich bislang bedeckt, was die Nennung konkreter Investitionssummen anbelangt. Das Unternehmen benötigt zunächst eine Konzession zur Förderung des Erdgases und zum Bau der LNG-Terminals. Sollte die Konzession wie geplant im Jahr 2013 ausgestellt werden, könnte Anadarko bereits im Jahr 2018 erste Tanker beladen und auf die Reise schicken.

    Da Flüssigerdgas am Destinationshafen auch wieder in seine ursprüngliche Gasform zurückverwandelt werden muss, bauen die Interessenten an diesem Gas bereits heute spezielle Anlagen zur Wiederverdampfung von LNG. Analysten von GlobalData schätzen, dass allein in Asien zwischen 2012 und 2016 solche Anlagen mit einer gesamten Kapazität von 150 Millionen Kubikmeter Erdgas entstehen werden, weltweit sollen es sogar insgesamt 350 Millionen Kubikmeter sein. Die Region Asien-Pazifik ist der Treiber hinter der Nachfrage. Sie wird 44,6% der zusätzlichen Wiederverdampfungsanlagen bis zum Jahr 2016 bauen, berechnet GlobalData.

    China wird seine Wiederverdampfungskapazitäten von derzeit fünf Anlagen um weitere zehn Anlagen bis zum Jahr 2020 erweitern. GlobalData berechnet, dass in dem Falle, dass Chinas Gasverbrauch um nur 1% p.a. bis zum Jahr 2020 wüchse, es einen zusätzlichen Gasbedarf Chinas von 27 Milliarden Kubikmeter geben könnte. Das könnte China in die Situation bringen, ab dem Jahr 2020 rund 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr importieren zu müssen. China wird bis zum Jahr 2020 der zweitgrößte LNG-Importeur sein, nach Japan, das selbst über keine Pipeline-Zugänge verfügt und somit am meisten auf LNG angewiesen sein wird. Woodside Petroleum Limited, ein großer australischer LNG-Exporteur, rechnet damit, dass vor diesem Hintergrund das LNG-Angebot auf dem Weltmarkt noch bis zum Jahr 2016 knapp bleiben wird.

    Die Analysten von GlobalData halten es für möglich, dass Ostafrika das „Potenzial hat zu dem neuen Wachstumsmarkt für LNG-Exporte in die Welt zu werden.“ Der Absatzmarkt Asien-Pazifik ist besonders attraktiv, da dort die höchsten LNG-Preise auf der ganzen Welt verlangt werden können. Mosambik, Kenia und Tansania sind die wichtigsten Länder Ostafrikas, die an diesem Trend profitieren werden, so GlobalData. Mosambik könnte nach Qatar und Australien dabei zum drittgrößten LNG-Exporteur der Welt aufsteigen – und das bereits bis zum Jahr 2020.

    Die Rohstofffunde bedeuten gute Nachrichten für Mosambik, ein Land, das bis zum Jahr 1992 noch in einen Bürgerkrieg verwickelt war und bis heute unter den Spätfolgen dieser Zeit zu leiden hat. Die Rohstofffunde locken ausländische Direktinvestitionen an, erhöhen die Steuereinnahmen der Regierung und beleben den Arbeitsmarkt. Die Regierung Mosambiks – am 28. Oktober 2009 fanden die vierten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen seit der Beendigung des Bürgerkriegs 1992 statt – will sich mit bedeutenden Anteilen an den Gasfeldern beteiligen, etwa an dem Mamba-Komplex von ENI mit 15%. Allerdings wird es auch große Hürden zu überwinden geben, um Ostafrika zu einem verlässlichen Gasexporteur werden zu lassen, warnt GlobalData. Die afrikanischen Regierungen sind weltweit bekannt für ihre unvorhersehbaren Entscheidungen, insbesondere bei dem Versuch, möglichst hohe Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft für sich zu generieren. Außerdem ist die Region berühmt für Piraten, die ganze Tanker kapern.

    Von Jochen Stanzl, Rohstoffanalyse Godmode-Trader.de

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