Olaf B. Koester ist Fondsmanager des VCH New Energy und seit 20 Jahren im Geschäft. Außerdem ist er Vorstandsmitglied des FNG (Forum Nachhaltige Geldanlagen). Mit der Redaktion von BörseGo sprach er über die Vorteile nachhaltiger Investments, aktuelle Entwicklungen und die richtigen Anlagestrategien.

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Herr Koester, warum sollte man in nachhaltige Anlagen investieren?

Investitionen in nachhaltige Anlagen, wie erneuerbare Energien und der Bereich Energieeffizienz, haben langfristig ein großes Wachstumspotenzial. Verstärken wird diesen Trend auch die ungebrochen große Energienachfrage aus Schwellenländern wie China und Indien. Erneuerbare Energien und vor allem ein effizienterer Umgang mit Energie sind für die kommenden Jahrzehnte daher ein Megatrend. Nachhaltigkeit hört aber nicht beim Umgang mit Energie auf: Auch eine sozial und ökonomisch nachhaltige Unternehmensführung bietet langfristig klare Mehrwerte – den Unternehmen und mit ihnen auch den Aktionären.

Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt in den letzten Jahren kontinuierlich an Bedeutung. Inwiefern findet hier ein Bewusstseinswandel bei Anlegern statt?

Die Reaktorkatastrophe in Japan hat nicht nur den Trend zu Erneuerbaren Energien beschleunigt, sondern vor allem das Thema Klimaschutz und Sicherheit der Energieversorgung für die Bevölkerung in den Vordergrund gerückt. Auch institutionelle Anleger werden sich der Verantwortung, die mit der Investition ihrer Gelder einhergeht, immer stärker bewusst. Ein Strohfeuer der schnellen Mittelzuflüsse hat es bei nachhaltigen Anlagen aber – zum Glück – noch nicht gegeben. Denn die Investoren prüfen mittlerweile sehr genau, ob ein Investment wirklich nachhaltig und nicht nur grün angestrichen ist. Und das ist gut so.

Wozu würden Sie Anlegern bei der Auswahl von nachhaltigen Investments raten?

Zum einen sollte der Anleger darauf achten, dass der Investmentfokus des Fonds nachhaltig ist. So werden „traditionelle“ erneuerbare Energien, wie Windkraft und Solarenergie, von der Energiewende profitieren. Besonders vielversprechend ist dazu die sogenannte zweite Generation Erneuerbarer Energien wie etwa Geothermie und Solarthermie. Hinzu kommen die Bereiche Energieinfrastruktur, -effizienz und –speicherung. Unabhängig vom Anlagefokus sollten Investoren darauf achten, dass ein Nachhaltigkeitsfonds klare Ausschlusskriterien vorgibt. Nur dann können sie sicher sein, dass nicht am Ende doch die Atomkraft oder fossile Energien im Portfolio landen.

Im Zuge der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gerieteneinige Nachhaltigkeitsfonds in die Kritik, weil sie nach dem Best-in-Class-Prinzip in BP investiert waren. Wie beurteilen Sie diese Strategie grundsätzlich?

Die Schwächen der Strategie zeigten sich im Zuge dieser Katastrophe. Der Best-in-Class-Ansatz ist aus meiner Sicht keine geeignete Strategie, um Nachhaltigkeit zu bewerten, weil er keine Mindestansprüche setzt. Angenommen ein Supersportwagen stößt 400 g CO2 pro Kilometer aus – damit mag er dann zwar der Beste seiner Klasse sein, aber würden Sie ihm deswegen einen Preis für nachhaltige Mobilität verleihen? Wer echte Nachhaltigkeit will, braucht daher Mindeststandards in Form von Ausschlusskriterien.

Kritik gab es angesichts der Ereignisse in Fukushima auch für einige Fonds, die trotz eines Nachhaltigkeitssiegels direkt oder indirekt in Atomenergie investiert waren. Wie stellen Sie bei dem von Ihnen gemanagten Fonds VCH New Energy sicher, dass auch Nachhaltigkeit drin ist, wo Nachhaltigkeitdrauf steht?

Wir wenden einen Nachhaltigkeitsfilter an, der Unternehmen mit Aktivitäten ausschließt, die ethisch oder ökologisch bedenklich sind. So werden Unternehmen, die auch nur einen geringen Umsatzanteil in den Bereichen Kernenergie, Glücksspiel, Prostitution und Waffenproduktion erwirtschaften, von vornherein ausgeschlossen. Außerdem überprüfen
wir eingehend die Mindeststandards bezüglich der Corporate Governance. Für Unternehmen aus Schwellen- oder Entwicklungsländern erweitern wir den Prüfungskatalog noch.

Sie haben kürzlich den Shareholder-Engagement-Ansatz beim VCH New Energy implementiert. Was steckt dahinter?

Ziel des Shareholder-Engagement-Ansatzes ist es, Schwachstellen im Nachhaltigkeitsmanagement der Unternehmen zu identifizieren und im Dialog mit dem Unternehmen auszuräumen. Wir arbeiten dabei eng mit den Nachhaltigkeitsexperten des spezialisierten Research-Instituts Imug zusammen. Wir sind überzeugt, dass wir als Aktionär, und damit als Eigentümer der Unternehmen, eine gesellschaftliche Verantwortung tragen. Diese übernehmen wir, indem wir aktiv zur Verbesserung des Nachhaltigkeitsmanagements beitragen. Und nicht zuletzt kann eine solche kontinuierliche Verbesserung auch für einen langfristigen Mehrertrag für uns als Eigentümer sorgen.

Dieser Artikel ist in unserer Sonderpublikation Nachhaltigkeit erschienen. Weitere spannende Themen können Sie nach einer kurzen kostenfreien Anmeldung hier herunterladen.