• WTI Öl - Kürzel: WTI - ISIN: XC0007924514
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  • Brent Crude Öl - Kürzel: BCOEL - ISIN: XC0009677409
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Öl kennt seit anderthalb Jahren nur eine Richtung. Als der Preis dann unter 30 Dollar je Fass fiel, reichte es Russland. Es wurde verkündet, dass man sich mit einer Fördermengenbegrenzung anfreunden könnte. Im Gespräch ist eine Fördermengenkürzung von 5 %.

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Fördert Russland in Zukunft weniger Öl - 5 % entsprechen etwas mehr als 500.000 Barrel pro Tag - dann reicht das nicht, um das weltweite Überangebot ausreichend abzubauen. Die OPEC müsste bei einem solchen Schritt mitziehen. Bisher lehnte das vor allem Saudi-Arabien ab. Dies taten sie, weil sie nicht alleine die Mengen reduzieren wollten.

Saudi-Arabien stellte bereits im vergangenen Jahr in den Raum, dass eine Fördermengenkürzung denkbar sei, wenn sich auch Länder außerhalb der OPEC dazu verpflichten würden. Das lehnte insbesondere Russland bis jetzt ab. Der Ölpreis unter 30 USD hat die Situation für Russland nun aber anscheinend so deutlich verändert, dass sie mit dem Vorschlag, die Mengen um 5 % zu senken, vorpreschen.

Derzeit ist die Lage noch unübersichtlich. Dem Vorstoß Russlands folgte gleich eine Absage Saudi-Arabiens, die dann auch wieder schnell relativiert wurde. Generell dürfte Russlands Vorschlag auf Zustimmung stoßen, doch die Art und Weise, wie die Kürzung ins Gespräch gebracht wurde war äußerst ungeschickt.

Der Vorschlag der Kürzung kam vor einigen Monaten von den OPEC Mitgliedern Venezuela und Algerien. Russland stellte es nun so dar, als hätte Saudi-Arabien die einzelnen Länder um einen solchen Schritt gebeten. Da sagt man natürlich schon aus Prinzip erst einmal Nein.

Von persönlichen und diplomatischen Befindlichkeiten abgesehen macht der Vorschlag Sinn. Inzwischen ist der Ölpreis so niedrig, dass eine Reduktion der Fördermenge um 5 % den Ölpreis um 50 % erhöhen könnte. Eigentlich muss man da aus ökonomischer Sicht nicht lange nachdenken, ob das Sinn macht. Russland würde dann statt 10,5 Mio. Barrel nur noch 10 Mio. Barrel fördern und verkaufen. Bei 10,5 Mio. würden sie bei einem Preis von 30 USD pro Fass 315 Mio. USD einnehmen. Bei 10 Mio. Barrel Produktion und einem Preis von 45 kommen Einnahmen von 450 Mio. zustande. Eigentlich ist das eine klare Sache.

Vorstellbar ist die Reduktion in den OPEC Ländern und Russland. Beide zusammen stehen für 50 % der weltweiten Produktion. Grafik 1 zeigt wie sich die tägliche Weltfördermenge in den vergangenen Jahren entwickelt hat und wie die Lage aussieht, wenn die Förderkürzung kommt. Die weltweite Produktion sinkt in diesem Szenario zurück auf das Niveau von Ende 2013. Die Überproduktion wäre beendet. Der Ölpreis kann sich dann über mehrere Monate hinweg stabilisieren und steigen.

Luftsprünge über 50 USD sind nicht notwendigerweise zu erwarten. Grafik 2 zeigt den weltweiten Ölverbrauch und den Lagerbestand von Rohöl in den OECD Ländern. Die Lagerbestände sind so hoch sie seit lange nicht. Hinzu kommen noch strategische Reserven, von denen die USA allein 600 Mio. Barrel haben und Reserven aus Ländern außerhalb der OECD. Sinkt die Fördermenge auf den tatsächlichen Bedarf, dann schwimmt die Welt immer noch in Öl.
Um den Lagerbestand der OECD wieder auf das Niveau von 2013 zu bringen müsste ein Jahr lang ein Unterangebot von 2 Mio. Barrel pro Tag bestehen. Erst dann wären die enorm hohen Lagerbestände wieder abgebaut. Rechnet man noch die Bestände in anderen Ländern hinzu, dann dauert es vermutlich anderthalb bis zwei Jahre, bis wieder ein Normalmaß erreicht wird. Ölknappheit wird selbst bei einer leichten Unterproduktion nicht in naher Zukunft eintreten. Es gibt daher keinen Grund davon auszugehen, dass Öl nachhaltig wieder über 50 USD steigt, wenn Angebot und Nachfrage wieder in Einklang sind.

Ölpreise von 45 bis 50 Dollar sorgen zudem dafür, dass viele Schieferölunternehmen weiter fördern können. Die große Bankrottwelle dürfte ausbleiben. Bis ausbleibende Investitionen dann zu einer Knappheit führen vergehen dann nicht 3 Jahre, sondern vermutlich eher 5 Jahre. Eine Fördermengenkürzung jetzt sorgt für langfristig niedrigere Preise. Bleibt der Preis hingegen jetzt noch ein Jahr lang so niedrig, dann sinkt die weltweite Förderkapazität deutlich schneller. Die Preise würden entsprechend auch schneller und höher steigen.

Die OPEC und Russland müssen jetzt rechnen, was ihnen mehr bringt: jetzt ein Preis von 50 USD, dafür aber auf Sicht von 5 Jahren oder noch ein Jahr lang Preise von 30 USD, dafür in 3 Jahren wieder Preise von 75 USD. Für Russland scheint ersteres wichtiger zu sein. Viele andere Länder sind ebenfalls nicht in der Position rational darüber zu entscheiden. Für viele Staaten ist es eine Überlebensfrage. Sie brauchen jetzt 50 USD, um zu überleben. Preise von 75 USD in wenigen Jahren helfen nicht mehr.

Bis sich die OPEC und Russland geeinigt haben, was sinnvoller ist, vergeht noch viel Zeit. Es ist ohnehin fraglich, ob eine Einigung überhaupt gelingen kann. Die Interessen gehen weit auseinander und selbst wenn man sich einigt: wie wird überprüft, dass sich alle an die Kürzung von 5 % halten? Beginnt auch nur einer um wenige Barrel zu betrügen, um sich einen kleinen Vorteil zu verschaffen, dann ist das Vorhaben sofort wieder vom Tisch. In diesem Fall hätten Schieferölproduzenten die höheren Preise genutzt, um wieder mehr Reserven zu bilden. Sie dann wieder aus dem Markt zu drängen braucht mehr Zeit.

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