"Entscheidend ist der Besitz von Edelmetall, nicht der Preis"

    Interview mit Gold-Experte James Turk

    Den zweiten Teil des Interviews lesen Sie im Rohstoff-Report.

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    Ob als Angestellter bei JP Morgan Chase, als Edelmetallhändler oder als Manager der Rohstoffabteilung des Staatsfonds von Abu Dhabi - James Turk blickt auf 40 bewegte Jahre am Kapitalmarkt zurück. Heute schreibt Turk Investment-Newsletter und Bücher oder hält weltweit Vorträge. Über die Bedeutung von Gold als Anlageklasse und die Rolle der Notenbanken sprach Turk mit unserem Redakteur Nico Popp.

    Sie raten Anlegern immer wieder zu physischem Gold und haben mit Goldmoney ein Unternehmen gegründet, das es Anlegern ermöglicht in physisches Gold zu investieren. Die Finanzbranche sagt uns, ETCs würden genau denselben Zweck erfüllen. Warum dann keine ETCs kaufen?

    Es kommt auf die jeweilige Anlagestrategie an. Wenn Sie ein Spekulant sind, können Sie Futures, Optionsscheine, Zertifikate oder auch ETCs kaufen. Diese Produkte eignen sich dazu, kurzfristige Bewegungen am Markt mitzunehmen. Wenn Sie sich allerdings ernsthaft über die Schuldenkrise, die Stabilität der Banken oder die steigenden Preise Sorgen machen, benötigen Sie ein belastbares Investment. Diese Eigenschaft hat nur physisches Gold. Deswegen rate ich den Leuten immer: Überlasst das Trading den Profis und kauft Gold, um euch und euer Vermögen zu schützen. Finanzprodukte haben diese Eigenschaft im schlimmsten Fall nicht.

    Spielen bei Ihrer Abneigung gegenüber Finanzprodukten auch Gerüchte über ETCs, die ihre Goldbestände weiter verleihen eine Rolle? Manch eine Verschwörungstheorie geht sogar davon aus, dass in manchen ETCs dieselben Goldbarren verwahrt sind. Was halten Sie von diesen Geschichten?

    Ich kenne alle diese Geschichten, aber ich bin dem nicht auf den Grund gegangen. Unabhängig davon, ob das stimmt oder nicht: Man sollte es sich als Anleger nicht unnötig schwer machen. Kaufen Sie physisches Gold, dann kann Ihnen diese Thematik weitgehend egal sein. Ein wichtiger Aspekt bei ETCs ist allerdings die Tatsache, dass dieses Anlageinstrument leerverkauft werden kann. Wenn Sie 100 Anteile an einem Gold-ETC kaufen - unabhängig davon, ob dieser physisch besichert ist oder nicht - kann ihre Depotbank diese Anteile weiter verleihen. Zum Beispiel an einen Hedgefonds, der die Anteile leerverkauft. Auf diesem Wege besitzen unterm Strich mehr Menschen ein und denselben Anteil an einem ETC. Auch aus diesem Grund bin ich dafür, es einfach zu halten und physisches Gold zu kaufen, kein Papiergold.

    Sie sprechen gerade an, dass es mehr verbrieftes Papiergold geben kann, als echtes physisches Gold. Was wäre denn, wenn diese Papiergoldblase einmal platzt?

    Der Preis für physisches Gold würde deutlich ansteigen, ganz klar. Schließlich gibt es viel mehr Möglichkeiten, in Gold zu investieren, als es tatsächlich echtes Gold gibt. Niemand kann genau sagen, in welchem Verhältnis physisches zu verbrieftem Gold steht. Es gibt aber Schätzungen von Experten, dass es 10 bis 20 Mal mehr Papiergold als echtes Metall gibt. Sollte dieses Missverhältnis einmal in einer Krise entdeckt werden, verlieren Gold-Futures schnell an Bedeutung. Im Gegenzug wird echtes Gold und der dafür gezahlte Preis sehr wichtig. Lassen Sie mich bezüglich des Goldpreises noch ergänzen, dass der aus meiner Sicht eine sekundäre Rolle spielt. Entscheidend ist vielmehr der tatsächliche Besitz des Edelmetalls - schließlich ist die Finanzkrise noch nicht restlos ausgestanden. Noch immer haben wir mit den Folgen zu kämpfen. Demnach sollten langfristig orientierte Anleger, die ihr Vermögen schützen wollen, zumindest einen Teil ihres Geldes in Gold anlegen. Preisschwankungen sind da nicht so wichtig.

    Das Thema Vermögensschutz interessiert heute viel mehr Anleger als noch vor der Krise. Was raten Sie Menschen mit mittlerem Einkommen? Ist physisches Gold für Menschen mit kleinem Geldbeutel überhaupt ein Thema?

    Unabhängig davon, ob jemand wohlhabend ist oder ob er nur kleine Ersparnisse hat: Gold eignet sich hervorragend zur Portfoliodiversifikation und ist ein solider Pfeiler in jedem Depot. Denn bedenken Sie, Gold ist Geld. In den 1970ern gab es noch sichere Währungen wie die Deutsche Mark oder den Schweizer Franken. Diese Alternativen gibt es heute nicht mehr. Die Deutsche Mark ist weg und die Wertentwicklung des Schweizer Franken wird von der Zentralbank eng an den Euro gebunden. Übrig bleibt Gold als sicherer Hafen für das Ersparte. Seit Jahrzehnten empfehle ich den Leuten, immer wenn sie etwas Geld übrig haben, eine kleine Menge Gold zu kaufen. Gold kaufen ist Sparen und Sparen ist eine gute Sache. Zwar kann es wegen der Gebühren teuer sein, eine kleine Menge Gold zu kaufen, aber es gibt auch Alternativen. So bietet die von mir gegründete Firma GoldMoney den Kauf und die Lagerung von physischem Gold sowie Silber, Platin und Palladium über das Internet an. Hier können Anleger ab einem Euro ihr Geld anlegen.

    Blickt man sich in Deutschland einmal um, sieht man überall Werbung von Goldankäufern. Diese Angebote werden wegen des hohen Goldpreises scheinbar auch rege genutzt. Wenn wir nur mal den Durchschnittsbürger betrachten: Wird derzeit mehr physisches Gold gekauft oder verkauft?

    Gute Frage! Es gibt viele Anleger, die gerade jetzt ihr Gold verkaufen. Das hängt mit der schwachen Wirtschaftslage zusammen. Diejenigen, die jetzt Gold verkaufen, nutzen eine Kerneigenschaft von Gold. Sie machen sich den Wert, den Gold innehat, in einer wirtschaftlich schweren Zeit zu Nutze. Die Goldverkäufe von heute zeigen, dass Gold nur das macht, was es immer schon getan hat. Es konserviert Werte für schlechte Zeiten. Aber unabhängig von den vielen Menschen aus der Mittelklasse, die heute ihr Gold verkaufen, zeigt der steigende Goldpreis doch, dass derzeit die Käufer in der Überzahl sind.

    Sind es nicht in erster Linie große Adressen und wohlhabende Menschen, die heute Gold kaufen?

    Ja, natürlich. Aber auch immer mehr einfache Menschen. Ich spreche auf Konferenzen in der ganzen Welt, auch in Deutschland. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass alle Anleger dieselben Ängste haben. Menschen sorgen sich wegen der ständigen Geldentwertung und darum, dass die Europäische Zentralbank nicht die Stabilität bringt, wie sie die Bundesbank einst brachte. Leute aller Schichten sorgen sich um ihr Geld. Deswegen kaufen Sie Gold. Im vergangenen Jahr, als die Europäische Union den Griechen Geld versprochen hat, stieg die Nachfrage nach Gold in Deutschland oder den Niederlanden sehr stark an. Schließlich bemerken Anleger etwa auf Grund der Käufe griechischer Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank, dass der Euro inzwischen unter politischer Kontrolle steht. Und die Geschichte hat gezeigt, dass politischer Einfluss auf Währungen immer mit Abwertung einhergeht. Deswegen war die Deutsche Mark auch so eine wunderbare Währung: Die Bundesbank war unabhängig und hat die Stabilität der Währung geschützt.

    Wenn wir gerade bei Notenbanken sind. Welche Notenbank ist denn unabhängiger? Die Fed oder die EZB?

    (lacht) Schwere Frage. Lassen Sie es mich so sagen: Notenbanken sind entweder unabhängig oder sie sind es nicht. Die Fed und die EZB sind beide nicht unabhängig.

    Erwarten Sie eine neue Runde "Quantitative Easing" durch die Fed?

    Wie auch immer Sie es nennen. Ich erwarte, dass die US-Notenbank mehr Geld druckt. Ich rechne als Folge davon auch mit einer Hyperinflation im Dollar-Raum. Dass das passieren kann, hat die Weimarer Republik gezeigt. Damals hat sich Deutschland mehr Geld geliehen, als der Markt bereit war zu verleihen. So ging die Regierung zur Notenbank und ließ sich neues Geld drucken. Dasselbe geschieht heute in den Vereinigten Staaten. Die USA leihen sich mehr Geld, als der Markt eigentlich hergibt. Staatsanleihen werden von der Zentralbank gekauft, die aus Schulden wieder Geld macht. Einziger Unterschied zu früher: Während in Weimar durch die Notenbank Bargeld gedruckt wurde, entstehen heute in den USA Bankguthaben. Die Fed erschafft künstliches Geld und bucht es direkt auf die Staatskonten. Somit bezahlen die USA damit Rechnungen oder stellen Schecks aus. Grundsätzlich ist es aber dieselbe Sache. Wer aus Schulden Geld macht, erschafft Hyperinflation. Wenn die US-Regierung damit nicht aufhört, wird der Dollar massiv abwerten. Schauen Sie doch mal, was in der Welt bereits heute passiert: Die Rohölsorte Brent Crude steht bei 115 Dollar, Nahrungsmittel sind so teuer wie nie, Rohstoffe erreichen Rekordhochs, Gold ist so viel Wert wie nie. Der Markt sagt uns, dass die Notenbanken jetzt, in diesem Moment Inflation erschaffen. Und wenn die Zentralbanken mit ihrer Praxis nicht aufhören, wird daraus Hyperinflation. Für ein Ende des Gelddruckens sehe ich zumindest in den USA bisher keine Anzeichen. Selbst an all den anderen Ländern wie Europa, Japan oder Großbritannien kaufen die Zentralbanken noch immer Staatsanleihen und machen daraus Bankguthaben. Meiner Meinung nach ist daher physisches Gold eine gute Basis, um die private Kaufkraft zu erhalten.

    Lesen Sie in der nächsten Ausgabe des Rohstoff-Report Teil 2 des Interviews mit James Turk. Darin erklärt uns der Gold-Experte, warum China eine immer wichtigere Rolle für Goldinvestoren spielt, ob Silber das bessere Gold ist und wieso künftig selbst revolutionäre Abbauverfahren nicht dafür sorgen, dass die Nachfrage nach Gold befriedigt wird. Melden Sie sich hier an.

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