Die globalen Risiken haben in den vergangenen Monaten stark zugenommen. Zu diesen Risiken zählt auch die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft, doch im Vergleich zu den anderen Risiken ist das noch verkraftbar. Die größten Gefahren liegen heute im Nahen Osten und in den weltweiten Schulden.

Anzeige

Der Nahe Osten steht am Rande des Chaos. Grund dafür ist vor allem die Lage in Saudi Arabien, welches sich durch den Iran und Russland bedroht sieht. Details dazu finden sich in einem früheren Artikel von mir. Hier soll es nicht um die Lage im Nahen Osten gehen, sondern um die weltweiten Schulden.

Neben der Destabilisierung einer ganzen Region und all ihren Folgen (Krieg, noch mehr Flüchtlinge, explodierende Ölpreise und Inflationsschock) ist der weltweite Schuldenberg die größte Gefahr für wirtschaftliche Stabilität. Sie wird nicht als solche wahrgenommen, weil sie nicht so greifbar ist wie der Ausbruch eines Krieges. Die Lage eskaliert auch nicht von heute auf morgen, sondern über Jahre.

Wie lange es dauern kann bis die Schuldenlast zu einem Kollaps führt haben die vergangenen Jahre gezeigt. Vor 4 Jahren hatte ich das Thema zum ersten Mal kritisch beleuchtet. Jetzt, 4 Jahre später, steht die Welt immer noch. Es ist sogar gut möglich, dass die Schulden die Weltwirtschaft auch in 4 Jahren noch nicht vollkommen zerdrückt haben.

Keiner weiß, wann die globale Schuldentragfähigkeit soweit überschritten ist, dass es einfach nicht mehr geht. Man kann allerdings mit relativ hoher Sicherheit von einem Anpassungsbedarf ausgehen. Es wird ihn geben, nur wann, das bleibt derzeit noch offen.

Die Grafik anbei zeigt die Entwicklung der weltweiten Schulden. Zwischen 2005 und 2015 stiegen diese um 90% an. Die Weltwirtschaftsleistung wuchs im selben Zeitraum um 70%. Es braucht keine höhere Mathematik, um zu erkennen, dass es auf Dauer nicht gut gehen kann, wenn die Schulden deutlich schneller wachsen als die Wirtschaftsleistung.

Die schnell steigenden Schulden sollten das Wachstum eigentlich ankurbeln. Inzwischen geht diese Rechnung in den meisten Ländern nicht mehr auf. Für jeden Euro zusätzliche Schulden wächst die Wirtschaft um weniger als einen Euro. Wie soll unter diesen Umständen der Kredit jemals wieder zurückgezahlt werden?

Das Paradoxe an der Lage ist, dass höhere Schulden zu noch höheren Schulden führen. Inzwischen müssen geschätzte 12,5% des Weltwirtschaftsproduktes Jahr um Jahr für Zinszahlungen aufgebracht werden. Je höher die Schuldenberge wachsen, desto höher wird dieser Betrag. Das gräbt Konsumenten und Staaten das Wasser ab. Weil sie so viel für Zinszahlungen ausgeben müssen, können sie ihre Ausgaben nicht mehr aus eigener Kraft stemmen. Um das zu kompensieren, müssen noch höhere Schulden aufgenommen werden.

Japan ist ein Extremfall, zeigt aber sehr gut, was auf die meisten Länder in der Welt zukommt. Das Land ist so hoffnungslos überschuldet, dass selbst Zinsen unter einem Prozent zu viel sind. Besser wird das in Zukunft nicht. Nicht nur Japan überaltert, die ganze Welt hat dieses Problem. Dabei geht es nicht nur darum, wie schnell die Weltbevölkerung wächst, sondern vielmehr darum, wie viele Menschen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung arbeiten. Der Anteil der nicht arbeitenden zur arbeitenden Bevölkerung wächst global. De facto ist das ein Überalterungsproblem, selbst wenn die Bevölkerung an sich noch wächst.

Um eine überalternde Bevölkerung tragen zu können, müssen entweder Schulden aufgenommen werden oder die Rendite für Erspartes muss sehr hoch sein. Rendite ist kaum zu haben. Die Vorsorge durch Lebensversicherungen, Sparkonten usw. ist bei weitem nicht ausreichend, um das demographische Desaster zu kompensieren. Es bleibt nur die Möglichkeit der Schuldenaufnahme.
Die Rendite für Erspartes lässt sich inzwischen nicht mehr durch Zinssteigerungen retten. Die Zinsen müssten so hoch steigen, dass die Schuldenberge nicht mehr leistbar wären. Es ist ein Teufelskreis, der früher oder später durchbrochen werden muss.

Schuldenabbau durch Sparen ist für die meisten Länder keine Option. Es ist politisch nicht durchsetzbar. Ohne Schuldenabbau geht es jedoch nicht. Die „Weginflationierung“ der Schulden, die noch am verträglichsten ist, funktioniert nicht. Die Inflation bleibt auf absehbare Zeit niedrig, selbst wenn sie mittelfristig auch wieder auf 2% steigen wird, wenn Rohstoffpreise erst einmal wieder zu steigen beginnen.

Das einzige, was den Schuldenberg abtragen kann – vorausgesetzt, Inflation und Sparen sind keine realistische Option – sind negative Zinsen. Das ist die einzige politisch tragbare Möglichkeit. Wirtschaftlich gesehen gibt es natürlich auch andere Optionen. Eine mehrjährige wirtschaftliche Depression würde durch Insolvenzen zwangsweise Schulden beseitigen. Will man eine wirtschaftliche Depression verhindern, dann bleibt nur eine Möglichkeit: immer weiter sinkende Zinsen.