Mit einer kleinen Beruhigung an den chinesischen Börsen kamen gestern große Hoffnungen bei den Anlegern auf. Doch nachdem DAX und US-Indizes im Plus eröffneten, war die Enttäuschung über die herben Kursverluste im Handelsverlauf um so größer. Die wöchentliche Meldung über die weiterhin extrem hohen Rohöllagerbestände in den USA sowie eine Rede des Fed-Mitglieds Eric S. Rosengren belasteten die Kurse. Rosengren ließ durchblicken, dass sich die US-Konjunktur wider Erwarten nicht so nachhaltig positiv entwickele wie von vielen Beobachtern erwartet. Die Anzeichen von Inflation würden schwach bleiben. Aufgrund der Schwäche der größten US-Handelspartner sei „Gegenwind“ bei der eigenen konjunkturellen Entwicklung zu erwarten. Vier weitere Zinserhöhungen in 2016 seien daher eher unwahrscheinlich. Japan gibt in diesem Zusammenhang schon einmal vor, in welche Richtung die zukünftige Entwicklung gehen dürfte: Haruhiko Kuroda, Gouverneur der Bank of Japan (BoJ), bekräftigte gestern nach horrenden Verlusten bei japanischen Auftragseingängen und spektakulär schwachen Erzeugerpreisen erneut seine Bereitschaft, für das Erreichen des Inflationsziels auch „mutigere Maßnahmen“ zu ergreifen.

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    Rosengrens Auskünfte stehen einer gestern veröffentlichten Erhebung der US-Notenbank zur Wirtschaft in den USA entgegen: Die meisten Distrikte seien Ende 2015 und zum Jahresstart gewachsen. Begünstigt wurde die Lage von einem besseren Arbeitsmarkt und den Verbraucherausgaben, hieß es im aktuellen Konjunkturbericht "Beige Book" der US-Notenbank. In zehn der zwölf Distrikte sei das Wachstum angezogen, lediglich in New York und Kansas City war die Lage weitgehend unverändert.

    Doch US-Anleger wurden angesichts der von Fed-Mitglied Rosengren halboffiziell vorgestellten überraschend negativen konjunkturellen Lage nervös. Der Dow Jones sackte um 2,2 Prozent ab, der S&P um 2,5 Prozent und der Nasdaq 100  brach sogar um 3,4 Prozent ein.

    Aufgrund dieser ungünstigen Vorgaben aus den USA, die zur anhaltenden Konjunkturschwäche Chinas hinzukommen, wollen auch DAX-Anleger Risiken eingrenzen. Zugleich sorgt die Sicherheitslage in Deutschland nach dem Terroranschlag in der Türkei auf eine deutsche Reisegruppe für Beunruhigung: Das Bundesinnenministerium befürchtet Anschläge in Deutschland nach dem Muster der Pariser Terrorserie vom November. „Deutschland ist erklärtes und tatsächliches Ziel dschihadistisch motivierter Gewalt“, zitiert die "Bild"-Zeitung aus einem vertraulichen Bericht des Ministeriums zur Sicherheitslage. Vorbörslich um 8.00 Uhr notiert der DAX bei 9.830 Punkten (-1,32 Prozent).

    Die Ölpreise präsentieren sich trotz minimaler Zuwächse weiterhin sehr schwach: WTI verbessert sich leicht auf 31,73 (+0,47 Prozent). Brent steigt um 0,33 Prozent auf 30,34 US-Dollar. Am gestrigen Mittwoch war Brent-Öl zum ersten Mal seit April 2004 unter die Marke von 30 US-Dollar gerutscht. Zusätzlich unter Druck gerät der Preis durch Meldungen, dass die Sanktionen gegen den Iran schon am Montag aufgehoben werden. Es ist absehbar, dass der Iran anschließend seine Ölexporte im großen Rahmen hochfährt.

    Gold gibt weiter ab: Das Edelmetall notiert -0,28 Prozent bei 1.090 US-Dollar.

    Der Euro verliert gegenüber dem US-Dollar leicht auf 1,0869 (-0,13 Prozent).


    Einzelaktien

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