Wer sich die ersten Wochen und mittlerweile sogar schon Monate des neuen Jahres an den Börsen ansieht, könnte fast zu dem Schluss kommen: „Ja ist denn jetzt schon wieder Weihnachten“. Kein Wunder, dass sich die letzten verbliebenen Daueroptimisten angesichts des besten Jahresstarts in der DAX-Geschichte schnell wieder zu Wort meldeten und vehement darauf verwiesen, dass die herben Verluste des Spätsommers 2011 doch völlig übertrieben waren. Für den neutralen Beobachter stellt sich in diesem Zusammenhang aber eher die Frage, ob die vielfältigen Probleme tatsächlich schon gelöst sind, oder ob der großzügige zweimalige Dreh der EZB an der Geldschraube den Marktteilnehmern nicht wieder einmal nur Sand in die Augen gestreut hat. Dabei kann ein Blick auf die vergangenen Jahre nicht schaden, der zeigt, dass derartige Stimulanzien immer nur temporär für Entspannung sorgen konnten und die anschließenden Abstürze an den Finanzmärkten dafür umso heftiger ausfielen. Schon allein deshalb sollte die Unsicherheit in den nächsten Monaten und vielleicht sogar Jahren ein steter Begleiter der Anleger sein, auch wenn zwischenzeitliche, durchaus stark ausfallende Kursrallys dem Investor glauben machen wollen, dass es „diesmal“ nur noch nach oben gehen kann. Die von so manchem „Börsenexperten“ jetzt schon wieder herumgereichten fünfstelligen Kursziele beim DAX gehen genau in diese Richtung und sollten den Anleger zu einer erhöhten Vorsicht mahnen. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang, dass selbst altgediente, bislang eher skeptische Frankfurter Börsenhändler nach dem Erreichen der 7000er-Marke im DAX von einer mehrjährigen Hausse-Bewegung ausgehen ohne dabei zu erkennen, dass die Krisenbewältigung mit noch mehr Geld zu immer größeren Ungleichgewichten und damit Extremen an den Märkten führt. Der vielzitierte Bewertungsaspekt ist in diesem Zusammenhang eher zweitrangig, da es sich bei den starken Anstiegen um keine längerfristig gesunde Entwicklung handelt. So bedarf es häufig nicht einmal eines besonderen Anstoßes, um die nur kurzfristig mangels gerade besserer Alternative geparkte Liquidität noch viel schneller aus dem Aktien- oder Rohstoffmarkt wieder herauszuspülen. Zunehmende Schwankungen sind daher die ganz zwangsläufige Folge.

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    Bei der „Vola“ wird die Zukunft gehandelt

    Doch was bedeutet eigentlich Unsicherheit? Wie im richtigen Leben handelt es sich dabei auch am Finanzmarkt um einen Zustand, den man eigentlich vermeiden möchte. An den Börsen drückt er sich durch ein mehr oder weniger starkes Auf und Ab bei den Kursen aus. Der Fachbegriff dafür lautet Volatilität und bezeichnet die Schwankungsbreite eines Basiswertes, also beispielsweise einer Aktie innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Man spricht in diesem Zusammenhang auch gerne vom Angst- oder Risiko-Barometer, wobei hohe Volatilitäten in der Regel mit fallenden Notierungen einhergehen. Wie am Aktienmarkt gibt es auch zur Messung der Schwankungen spezielle Indizes, z.B. für den DAX den sogenannten VDAX-New, der annualisiert in Prozentpunkten die erwartete 30-Tages-Volatilität des Deutschen Aktienindex angibt. Die Betonung liegt dabei auf „erwartet“, da hier nicht die vergangenheitsbezogene historische, sondern die für den jeweiligen zukünftigen Zeitraum geschätzte Schwankungs-Intensität gemeint ist. Dieser auch als implizite Volatilität bezeichnete Parameter bildet die Grundlage für Optionspreismodelle und gehört deshalb auch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die Preisbildung bei strukturierten Produkten. Da eine steigende Volatilität tendenziell auch den Zeitwert einer Option erhöht und umgekehrt, sollten sich in einem unruhigen Umfeld gerade Zertifikate für den Anleger lohnen, bei denen Options-Komponenten verkauft bzw. in der Fachsprache „geschrieben“ werden. Denn dieser „Verkauf“ von Volatilität ermöglicht innerhalb der jeweiligen Produktkonstruktion die Vereinnahmung einer Prämie, was sich wiederum negativ auf den Preis des Zertifikats auswirkt und das Papier so für den Investor noch attraktiver beim Einstieg gestaltet.

    Der Cap macht die Musik

    Volatilität verkaufen heißt als Faustformel für den Anleger vor allem auf Produkttypen mit einer Performance-Kappung setzen. Die dadurch erzielte Prämieneinnahme kann zur Finanzierung einer attraktiven Struktur verwendet werden. Dies führt ausgehend von der individuellen Markterwartung zu einem deutlich besseren Chance-Risiko-Profil für den Investor, als dies bei einer Direktanlage der Fall wäre. Genau in dieses Anlageschema passen Discounter und Aktienanleihen als die Volatilitäts-Produkte schlechthin. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, führen beide letztendlich zu nahezu dem gleichen Ergebnis. Der Anleger kann sich dabei aussuchen, ob er sich bei einer Aktienanleihe lieber einen festen deutlich über dem risikolosen Marktzins liegenden Kupon auszahlen lässt oder stattdessen den niedrigeren Einstiegspreis eines Rabatt-Zertifikats wählt. Für den Luxus muss er aber in beiden Fällen mit einer begrenzten Rendite leben. Das „Zwillingspaar“ eignet sich deshalb immer in Abhängigkeit von der jeweiligen Ausstattung vor allem für eine Erwartung seitwärtslaufender bis leicht steigender oder fallender Märkte. Wählt man bei einem Discounter einen extrem weit unter dem aktuellen Basiswertkurs fixierten Cap, kann das Papier in Zeiten historisch niedriger Zinsen beispielweise auch als eineArt „Festgeldersatz“ dienen, wenngleich nicht oft genug betont werden kann, dass es sich selbst bei einem sehr hohen Abschlag immer noch um ein Aktieninvestment handelt.

    Emit.

    WKN

    Basiswert

    Typ

    Cap

    Discount

    Rendite max.

    Laufzeit

    BNP

    BN7CTV

    DAX

    Discount Classic

    6.900

    8,18%

    10,82% p.a.

    21.12.12

    SG

    SG2HXA

    DAX

    Discount Classic

    3.200

    62,14%

    4,17% p.a.

    16.12.16

    Schwelle sorgt für zusätzliche Sicherheit

    Wer dagegen in die klassischen Produktvarianten von vornherein noch ein Sicherheitspolster einbauen möchte, könnte zu den Versionen mit einer zusätzlichen Protect-Schwelle greifen, deren Einhaltung bereits den erwünschten Erfolg sicherstellt. Dabei können als Sonderform auch Zertifikate mit einer europäischen Ausübung gewählt werden, bei denen die Barrieren nur an bestimmten Tagen bzw. in definierten Zeiträumen zum Laufzeitende hin „aktiv“ sind. Die BNP Paribas macht die Kursschwelle bei ihren neuen „Last-Minute“-Papieren sogar nur am finalen Bewertungstag auf Schlusskursbasis scharf. Der Vorteil dieser meist mit dem Zusatz „Pro“ gekennzeichneten Produkte: Zwischenzeitliche Markt-Turbulenzen können der Struktur nichts anhaben und erhöhen die Sicherheit zusätzlich. Allerdings müssen Investoren bei den dargestellten Varianten einige Abstriche bei der weiteren Ausstattung z.B. in Bezug auf die Maximalrendite oder die Höhe des Sicherheitspuffers in Kauf nehmen. Nicht weit von den Protect-Discountern ist der Weg zu Capped-Bonus-Zertifikaten, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren und sich deshalb auch besonders gut für den Einsatz in einem volatilen Marktumfeld insbesondere auch bei kurzen Laufzeiten eignen.

    Emit.

    WKN

    Basiswert

    Typ

    Cap

    Barriere

    Rendite max.

    Laufzeit

    COBA

    CK2UW4

    DAX

    Discount Plus-Pro

    6.900

    6.000

    8,23% p.a.

    31.12.12

    DB

    DE92B5

    DAX

    Capped-Bonus

    7.600

    5.900

    12,87% p.a.

    21.12.12

    DB

    DE9995

    DAX

    Capped-Bonus

    7.100

    5.900

    10,57% p.a.

    15.06.12

    Autor: Armin Geier, http://www.godmode-trader.de/zertifikate

    Die gesamte, gerade veröffentlichte Sonderpublikation Zertifikate können Sie hier herunterladen: http://www.godmode-trader.de/service/downloads