Der Euro eröffnet heute (07.19 Uhr) bei 1.2926, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im europäischen Handel bei 1.2926 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 79.85. In der Folge notiert EUR-JPY bei 103.20, während EUR-CHF bei 1.2012 oszilliert.

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Die Gerüchteküche um Griechenland brodelt weiter. Gestern gab es aufkeimende Hoffnung auf ein Vorankommen bei der Regierungsbildung. Der mit der Bildung der Regierung beauftragte Sozialist Venizelos sagte, dass es Chancen zur Bildung einer All-Parteien-Regierung gäbe. Ob diese Hoffnung allerdings nicht schnell wieder erstickt wird, ist zweifelhaft. Die Haltung des kolportierten Koalitionspartners Dimar ist nicht grundlegend anders als die der anderen Euro-feindilchen Parteien.

Der Ton macht die Musik und so hofft der Markt auf die gemäßigten Aussagen der Dimar, obwohl sie inhaltlich klar gegen das Sparpaket ist und weiterhin völlig unklar bleibt, wie unter diesen Voraussetzungen die zusätzlich von der Troika geforderten Einsparungen von 11.5 Mrd. EUR in den nächsten beiden Jahren umgesetzt werden sollen.

Die griechischen Politiker müssen ihr Volk endlich voll umfänglich über die drohenden Konsequenzen eines Scheiterns bei der Regierungsbildung aufklären. Sozialromantik und Erinnerungen an die gute alte Drachme sind Fehl am Platz.

Sollte es so weit kommen, dass Griechenland die Eurozone verlässt (rechtlich kann hierzu kein Land gezwungen werden), wären die Folgen drakonisch und vermutlich weit außerhalb dessen was in den Köpfen vieler Bürger gerade als worst-case-Szenario denkbar ist ... Die europäischen Partnerländer stehen zu ihrem Solidarversprechen - ihre Geduld wird aber nicht unendlich sein …

Entgegen der Vorzeichen wurde gestern die Konjunktureinschätzung des Ifo-Institus veröffentlicht. Die Konjunktur in der Eurozone hat sich demnach im zweiten Quartal erneut verbessert. Der Index stieg deutlich auf 100.3 Punkte, liegt aber noch deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt von 109 Punkten. Hieran lässt sich erkennen, dass die Defizitkrise auch nicht spurlos an Deutschland vorbei geht.

Die aktuelle Lage wurde etwas positiver beurteilt, während die Erwartungen für die nächsten sechs Monate deutlich zulegten. Die zürückgehende Nachfrage aus den europäischen Reformländern wird durch zusätzliche Aufträge aus Nordamerika und Asien mehr als ausgeglichen.

Wieder einmal wird unterstrichen wie stark die Ifo-Daten im krassen Widerspruch zu Markit stehen.

Apropos Markit: Wir erlauben uns den Hinweis auf die gestrigen Daten zur Industrieproduktion in Großbritannien, die mit -0.3% im Monatsvergleich und -2.6% im Jahresvergleich die Einschätzungen deutlich unterboten.

Laut Markit sehen wir in Großbritannien solides Wachstum in diesem Bereich. Diese Daten haben wir in der Vergangenheit bereits häufiger in Frage gestellt und weisen einmal mehr deutlich auf diese Inkongruenz hin.

Die Bank of England entschied sich gestern vorerst ihre Notenpresse abzustellen und keine weiteren Mittel für Schuldenkäufe (bisher 325 Mrd. GBP) des Staates auszugeben. Gleichzeitig wurde betont, dass das Programm aber später wieder aufgenommen werden könnte. Der Leitzins von 0.5% wurde beibehalten. In der Folge erreichte das Sterling Pfund den höchsten Kurs seit dreieinhalb Jahren gegenüber dem Euro.

Der Euro geriet gestern gegenüber dem USD weiter unter Druck und konnte im asiatischen Handel die wichtige 1,2900-Marke verteidigen. In der Folge pendelt der Euro um 1,2920. Unterschreiten wir diese Marke, droht ein Sturz auf 1,2870-50 und weiter zur 1,2800. Nach oben begrenzen die 1,2980 und 1,3010 , die es für eine nachhaltige Erholung zu durchbrechen gilt.

Widmen wir uns den Daten von gestern, die vom Markt insgesamt positiv aufgenommen wurden.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gingen nach 368.000 (revidiert von 365.000) auf 367.000 in der Woche bis 05. Mai zurück. Damit bleiben die Zahlen auf dem Vormonatsniveau, jedoch leicht oberhalb der 4-Jahres-Tiefststände aus dem ersten Quartal 2012. Der hohe Anstieg im Frühjahr war den variablen Osterferien geschuldet und nicht auf Fundamentaldaten zurück zu führen.

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Die Importpreise für den April nahmen mit -0.5% ab und damit so stark wie seit Juni 2011 nicht mehr. Erwartet wurde ein Rückgang von nur -0.2%. Hauptverantwortlich für den Wert waren Ölimporte, die sich um 1.8% verbilligten. Die Exportpreise dagegen stiegen um 0.4%, getrieben vom Automobilbau und landwirtschaftlichen Erzeugnissen.

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Das US-Handelsbilanzdefizit weitete sich im März von 45.4 Mrd. USD (revidiert von 46.0 Mrd.) auf nunmehr 51.8 Mrd. USD weiter aus. Dies war deutlich mehr als Experten mit 50.0 Mrd. zuvor erwartet hatten. Besonders die Importe zogen mit 5.2% wieder deutlich an, wogegen die Exporte mit 2.9% langsamer wuchsen.

Auch das Handelsbilanzdefizit mit Europa wuchs von knapp 6.2 Mrd. auf 10 Mrd. USD weiter an. Hier ist aus US-Sicht keine Besserung zu erwarten, so lange die europäische Krise die Kauflust der Europäer ausbremst und gleichzeitig die US-Bürger wieder vorzugsweise z.B. deutsche Autos bestellen.

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Einen großen Paukenschlag erlebten wir gestern Abend bei der Veröffentlichung des "Federal Budget“ - nach 42 Monaten - seit Beginn der "Lehmankrise“ lag der Wert erstmals im Plus. Per April lag es bei +59.12 Mrd. USD, im Vorjahr bei -40.39 Mrd. USD. Als Grund wurde die verbesserte Zahlungsmoral der Amerikaner genannt. Vergleiche mit dem Vormonat März sind nicht passend, da besonders Steuertermine das Bild verzerren.

Das bisher in diesem Fiskaljahr aufgelaufene Defizit von zusammengerechnet 719.86 Mrd. USD gibt jedoch den wirklichkeitsnahen Blick auf die US-Finanzlage - die Neuverschuldung liegt weit oberhalb der Eurozone, ohne dass Reformen Anlass für Optimismus geben können. Ganz im Gegensatz zu Europa, das sich durch strenges Sparen und in absehbarer Zeit folgende Konjunkturelemente auf einem Weg der langfristigen Gesundung befindet.

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Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Hinsichtlich der Tatsache, dass die Positionierung gegen die Eurozone am Devisenmarkt sich im Bereich historischer Höchstmarken bewegt und Ausdruck einer politischen Bewertung ist, erachte ich neue "Shortpositionen“ zu Lasten des Euros für riskant. Ein Ausbruch aus der Bandbreite 1.2600 - 1.3100 eröffnet neue Opportunitäten.

Viel Erfolg!

© Moritz Westerheide
Bremer Landesbank

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