Sehr geehrte Privatanleger!

Anzeige

vor kurzem sagte Jamie Dimon, Chef der US-Megabank J.P. Morgan im Kongress aus. Dimon hatte sich in den Jahrzehnten zuvor einen guten Ruf erarbeitet und war mit J.P. Morgan relativ unbeschadet durch die Finanzkrise gekommen. Natürlich hat auch J.P. Morgan – wie zum Beispiel die Deutsche Bank – indirekt massiv von Geldern der öffentlichen Hand profitiert. Vor einigen Monaten allerdings machte das Investment-banking aufgrund riskanter Geschäfte einen Milliardenverlust.

Die Fragen der Senatoren ähnelten eher einer Lobhudelei als den kri-tischen Fragen des obersten Aufsichtsrates, dem Dimon und die ganze Finanzbrache verdanken, dass sie noch ihren Job haben.

Senator Bob Corker sagte zu Dimon: „Sie sind offensichtlich anerkannt – und ich denke zu Recht – als einer der besten CEOs des Landes für Finanzinstitutionen“ (seit 2007 erhielt Senator Corker 61.000 Dollar an Spenden von J.P. Morgan).

Senator Mike Johanns (der von der Finanzbranche seit 2007 insgesamt 147.204 Dollar erhalten hat) sagte bewundernd: „Ihr Unternehmen ist groß und mächtig. Sie haben eine große Feuerkraft. Sie sind einfach groß!”

“Ich schätze es wirklich, dass Sie freiwillig kommen, um mit uns zu sprechen,” sagte Senator Jim DeMint, der anscheinend vergessen hatte, dass J.P. Morgan 400 Milliarden Dollar an Liquidität von der Federal Reserve erhalten hatte und dass die Bankeinlagen vom Staat garantiert werden. „Wir können hier nicht darüber richten, dass Sie zwei Milliarden verloren haben,“ sagte der Speichellecker, „wir verlieren jeden Tag doppelt so viel in Washington.“

„Ihr Herren kennt die Branche besser als jeder, der hier sitzt,” sagte Senator Jon Tester, der seit 2007 insgesamt 45.000 Dollar von J.P. Morgan erhalten hatte.

Wer ist korrupter? Wall Street oder der amerikanische Kongress?

Leider reißen solche Zustände auch in Europa ein. Der angesehene ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing, der auch als Erster den Griechenland-Schwindel entdeckt hatte, heuerte nach seiner EZB-Zeit bei Goldman Sachs an. Später leitete er die Finanzmarktreformkommission für die Bundesregierung.

Joschka Fischer, „berät“ einen amerikanischen Hedgefonds und mehrere Unternehmen.

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer ist mit Gerhard Schröder befreundet.

Die Zeiten, in denen ein amerikanischer Ex-Außenminister wie George Marshall (Marshall-Plan) oder ein Ex-Präsident wie David Eisenhower sich weigerten, für Redeauftritte Ho-norar zu verlangen, weil sie dies nur ihrem Amt und damit der Allgemeinheit verdankten, sind lange vorbei. Geld re-giert die Politik.

Sehr geehrte Kapitalmarktanleger, ich sage es immer wie-der: Wir sind auf uns alleine gestellt. Wenn wir uns nicht selbst helfen, dann hilft uns keiner.

Wie geht es in Europa weiter?

Am Donnerstag hat die Europäische Zentralbank die Geldschleusen noch nicht wie erwartet sperrangelweit geöffnet. Aber setzen Sie darauf, dass dies geschehen wird, wenn es wirklich kritisch wird.

Dann werden die Befürworter eines solchen Verfahrens, die in der großen Mehrheit sind, die anderen einfach überstimmen. Quantitative Easing – der Aufkauf von Staatsanleihen im großen Stil – durch die EZB muss kommen. Es ist der einzige „Ausweg“, der uns in dieser verfahrenen Situation bleibt.

Im Prinzip sind auf der Sitzung die Weichen gestellt worden, wenn es auch noch bis Mitte September dauern wird, bis das neue Verfahren – dass eine Abstimmung mit EFSF und ESM vorsieht – einsatzbereit ist.

Das kann nicht schlecht für die europäischen Aktienmärkte sein.

Auf gute Investments,

Prof. Dr. Max Otte