Am Montag sendete das ZDF ein Interview mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad

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Claus Kleber, Moderator des „Heute journal“, baggerte angeblich zwei Jahre lang, um den Termin zu bekommen – und ging in dem Gespräch ganz erbärmlich unter.
Das lag nicht nur an Kleber selbst, sondern ist überwiegend den Inhalten geschuldet. Denn es ging, kaum überraschend, um den „Atomkonflikt“ - und da hat der iranische Präsident einfach die besseren Argumente auf seiner Seite.
Wenn Sie sich das Interview ansehen, müssen Sie versuchen, über die aus deutscher Sicht eher unerträglichen Teile hinweg zu sehen. Die Leugnung des Holocaust ist im arabischen Raum keine iranische Spezialität und steht dort, wie sie sich vielleicht vorstellen können, nicht unter Strafe wie in Deutschland.
Was der Präsident sonst sagt, hat einfach Hand und Fuß – und Sie können mir glauben, dass ich wenig Sympathien für autoritäre Staaten wie den Iran hege.

Exemplarisch für den Verlauf des Interview ist dieser „Schlagabtausch“, der Cleber wie durch das gesamte Gespräch hindurch schlecht aussehen lässt:

Ahmadinedschad: „Sie (die Israelis) haben mehr als 250 atomare Sprengköpfe. Ist das kein Problem, wenn sie so ausgestattet sind?“

Cleber: „Israel gehört nicht zum Atomwaffensperrvertrag. Es hat keine vertragliche Verpflichtung, das offenzulegen. Iran hat diese Verpflichtung“.

Ahmadinedschad: „Das heißt, jeder der nicht im Sperrvertrag ist, ist frei zu tun was er will“.

Cleber: „So ist das wohl“.

Ahmadinedschad: „Als Mitglied des Sperrvertrags darf man also entrechtet werden“

An dieser Stelle zeigt der iranische Präsident eine Inkonsequenz. Denn während er argumentiert, den Bau einer Bombe einfach anzukündigen, wenn der Iran eine Bombe bauen will, wäre der bessere Schluss gewesen: Dann treten wir eben aus dem Atomwaffensperrvertrag aus!

Clebers Verzweiflung war ständig sichtbar. Als Ahmadinedschad darüber räsonnierte, dass das deutsche Volk keine Kollektivschuld für Verbrechen der Vergangenheit treffen kann, erbat Cleber gequält einen Themenwechsel. Und warf einen früheren Ausspruch des Präsidenten ins Spiel: „Wenn es zu einem israelischen Angriff kommen sollte, wird die Vergeltung apokalyptisch sein“. Wie der Präsident das denn gemeint habe.

Die glasklare Antwort: „Was glauben Sie, würden die Amerikaner machen? Die Waffen strecken, aufgeben oder lächeln? Sie werden sich verteidigen, das ist doch klar, und das werden wir auch tun“. Wumms! Das saß

Liebe Leser, verstehen Sie mich nicht falsch. Der Iran ist, für unsere Maßstäbe, ein Unrechtsstaat. Das steht für mich außer Zweifel. Aber genau das gleiche gilt für Saudi-Arabien, ein "Freund" des Westens. Frauen dürfen dort nicht Auto fahren, und wer stiehlt, dem wird schon mal zur Strafe die Hand abgehackt. Diesem Regime liefert Deutschland z.B. Kampfpanzer. Wir messen je nach Interessenlage mit unterschiedlichem Maß.

Wenn die Amerikaner und Israelis den Iran angreifen wollen, dann sollen sie es tun – aber mit dem scheinheiligen Gerede aufhören. Fakt ist, es gibt unter den Staaten keinerlei Gleichberechtigung. Erst kommen die USA, China und andere Großmächte. Diese können mehr oder weniger tun was sie wollen, es gibt höchstens Proteste der anderen. Im Nahen Osten gilt das gleiche für Israel, das unter amerikanischer Protektion steht, sich aber auch alleine recht gut wehren kann.

In diesem Zusammenhang fällt mir noch ein Gerücht ein, dass ich kürzlich las. Demnach soll US-Präsident Obama dem israelischen Premier Netanjahu bei seinem Besuch Anfang März das Versprechen abgenommen haben, den Iran nicht vor Herbst (Wahlen in USA?) anzugreifen. Im Gegenzug würden die Amerikaner spezielle bunkerbrechende Bomben liefern, die dann nötig werden, wenn die Iraner ihr Atomprogramm fertig„verbuddelt“ haben, angeblich arbeiten sie bereits seit einger Zeit daran. Die Israelis selber verfügen nicht über derartige Bomben.
Über den Wahrheitsgehalt kann man nur spekulieren. Aber wundern würde es mich nicht. Politik ist eben oft ein dreckiges Geschäft.