Die Italiener haben es bei der Fußball-EM gezeigt: Wenig erwarten, wegen des Wettskandals sogar mit einer Nichtteilnahme kokettieren und am Ende fast noch den Europameistertitel abräumen, wenn da nur die starken Spanier nicht gewesen wären. Ähnlich stellte sich das Bild vergangene Woche auch vor dem x-ten Euro-Gipfel dar, bei dem kaum noch ein Marktteilnehmer mit etwas Zählbarem gerechnet hatte. Als es dann doch etwas Neues zu vermelden gab, nämlich die Möglichkeit für die Banken, sich direkt beim ESM-Rettungsschirm mit Kapital zu versorgen und nicht erst über den staatlichen Umweg, brachen an den Finanzmärkten alle Dämme. Bereits während des laufenden Gipfels schoss der DAX am Freitag allein um viereinhalb Prozent nach oben und zu Beginn der Folgewoche gab es nicht etwa die von vielen erwarteten Gewinnmitnahmen, sondern die Rally ging voller Vorfreude auf die erwartete Zinssenkung der EZB an diesem Donnerstag weiter. „Shorties“, die sich „verzockt“ hatten, mussten eindecken und trieben die Kurse zusätzlich an. Ob die positive Stimmung allerdings noch lange anhält, ist selbst bei noch so viel Understatement fraglich, zumal sich ja an der grundsätzlich prekären Situation wenig geändert geschweige denn verbessert hat.

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    Der DAX könnte also bald wieder die Rolle rückwärts vollführen und seinen Abwärtstrend erneut aufnehmen. Für Investoren wäre das allerdings längst kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Wer im laufenden Jahr eher mit einer Seitwärtsentwicklung an den Märkten rechnet, könnte sich am Bonus-Markt umsehen, wobei eine nach dem starken Kursanstieg der vergangenen Tage wieder rückläufige Volatilität die Rendite-Chancen momentan etwas einschränkt. Das könnte sich aber schnell wieder ändern, wenn sich der Aufwärtsimpuls nur als Strohfeuer erweisen sollte.

    Anleger, die ein Investment bis zum Jahresende anstreben, könnten ganz klassisch auf ein Capped-Bonus-Zertifikat auf den DAX setzen. Ein Produkt der BNP Paribas (BP2KL7) mit einer Barriere bei 5.200 Punkten bietet noch einen Puffer von rund 20 Prozent und ermöglicht derzeit eine maximale Seitwärtsrendite von knapp sechs Prozent. Ein gutes Prozent mehr kann man erzielen, wenn man eine um 200 Zähler höhere Barriere von 5.400 Punkten (DE919U) wählt. Gerade bei Bonus-Produkten sollte ein Blick auf das zu zahlende Aufgeld nicht fehlen, das sich bei den beiden Vertretern im Bereich von drei bis vier Prozent bewegt. Denn sollte es zum Schwellenereignis kommen und die Bonus-Struktur zerstört werden, würde sich dieser Aufschlag gegenüber einem Direktinvestment in Luft auflösen und würde die Performance entsprechend belasten.

    Als Alternative könnte sich auch ein Reverse-Capped-Bonus-Zertifikat anbieten, bei dem die Uhren genau andersherum laufen, d.h. Barriere und Bonusniveau bzw. Cap vertauscht sind. Investoren müssen hier also die oberhalb des aktuellen Referenzkurses fixierte Barriere beachten, wie beispielsweise bei den beiden Papieren von Goldman Sachs, bei denen der Deutsche Leitindex bis Jahresende nicht auf oder über die Marken von 7.550 (GT1HEM) bzw. 7.400 (GT1HF7) ansteigen darf, um die Bonus-Chance am Leben zu erhalten. Die Puffer sind bei den beiden Reverse-Zertifikaten mit 15 bzw. 13 Prozent deutlich geringer als bei den beiden Long-Varianten, allerdings fallen die Seitwärts-Renditen mit mehr als acht Prozent bzw. knapp zwölf Prozent dafür auch entsprechend höher aus. Sollte es zu einem Schwellenbruch kommen, tritt wie bei einfachen Reverse-Bonus-Zertifikaten neben dem Aufgeld die gewählte Basis als weiterer wichtiger Parameter in den Vordergrund. Denn das Zweifache davon, der sogenannte Reverse-Level dient für die Rückzahlung quasi als natürlicher Nullpunkt, von dem dann der tatsächliche Indexschlussstand abgezogen wird.

    Capped-Bonus-/Reverse-Capped-Bonus-Zertifikate auf den DAX:

    WKN

    Emittent

    Typ

    Barriere

    Bonus-Level/Cap

    Basis

    Fälligkeit

    Seitwärts-Rendite max.

    Aufgeld

    BP2KL7

    BNP

    Capped

    5.200

    7.200

    21.12.12

    5,90%

    3,84%

    DE919U

    DB

    Capped

    5.400

    7.300

    20.12.12

    7,09%

    4,14%

    GT1HEM

    GS

    Reverse- Capped

    7.550

    6.100

    5.000

    21.12.12

    8,18%

    3,90%

    GT1HF7

    GS

    Reverse- Capped

    7.400

    6.000

    5.000

    21.12.12

    11,98%

    3,24%

    Eine Kombination aus Long- und Short-Bonus-Zertifikaten stellen sogenannte Korridor-Bonus-Papiere dar. Allerdings gilt es hier gleich zwei, also eine obere und eine untere Barriere zu beachten. Deshalb führt bereits die Berührung einer der beiden Schwellen automatisch zur Zerstörung der Bonus-Struktur, wobei es von entscheidender Bedeutung ist, welche dabei zuerst berührt wird. Ist es die obere, partizipiert das Papier in der Folgezeit eins zu eins am Index. Wird jedoch als erstes die untere Barriere „geknockt“, mutiert das ursprüngliche Korridor-Bonus-Zertifikat zu einem einfachen Short-Tracker. Auch hier gilt es natürlich das Aufgeld zu beachten, das bei den beiden aufgeführten Produkten der Société Générale bei stolzen 15 Prozent liegt. Bei anderen liegt es sogar noch deutlich höher. So gehen die Produkte schon mit einer gewissen Hypothek ins Rennen, wobei die Rendite-Chancen gerade gegenüber den beiden einfachen Capped-Bonus-Papieren hervorstechen. Das Zertifikat mit der WKN SG2S7S verfügt zusätzlich über einen „Pro“-Mechanismus, der die aktive Zeit der beiden Barrieren auf den letzten Monat der Laufzeit ab dem 21. November 2012 begrenzt. Sollte es also vorher zu einer Schwellenberührung kommen, würde das Bonus-Prinzip trotzdem weiter existieren.

    Korridor-Bonus-Zertifikate auf den DAX

    WKN

    Emittent

    unten

    oben

    Pro

    Finale Bewertung

    Seitwärts-Rendite max.

    Aufgeld

    Ausz. Max.

    SG2S5U

    SG

    3.400

    7.400

    Nein

    21.12.12

    9,51%

    14,34%

    115€

    SG2S7S

    SG

    4.800

    7.300

    Ja ab 21.11.12

    21.12.12

    13,69%

    15,00%

    120€

    Autor: Armin Geier, http://www.godmode-trader.de/zertifikate

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