Was für ein Tag: Während ich diese Zeilen schreibe, ist der DAX an einem einzigen Tag 3,5% im Minus. Es tut schon fast physisch weh, zum 100tsdsten Mal die Gründe zu besprechen, die dafür verantwortlich sein könnten. Ich nutze den Konjunktiv, weil am Ende der einzig objektive Grund für Kursänderungen das konkrete Verhalten der Marktteilnehmer ist und nicht irgendein Newsflow. Als der DAX bei 7100 stand, war die fundamentale Lage nicht so wahnsinnig viel schlechter als heute. Die Eurokrise ist kein Phänomen des Mai oder Juni 2012, sondern das Baby ist schon mindestens zwei Jahre alt.

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Mann kann allerdings konstatieren, dass so ziemlich jede dagegen ergriffene Maßnahme verpufft. Die beiden Monster-LTROs haben zwar kurzfristig den Krisenstaaten Luft verschafft, im Endeffekt ist es aber so dass die Banken die eh schon am Straucheln waren nun noch mehr Anleihen im Depot haben, die gelinde gesagt gefährdet sind. Ganz konkret in Spanien, wo inzwischen 30% der Staatsschulden domestiziert sind. Geradezu grotesk wird es dann, wenn der spanische Staat die spanischen Banken retten muss, die wiederum heavily in spanischen Staatsanleihen engagiert sind, die ihrerseits unter Druck stehen. Wie lang soll dieses Spiel noch weiter gehen?

Die Märkte werden früher oder später eine vernünftige Lösung erzwingen. Vernünftig im Sinne des Investors wohlgemerkt, der Ertrag sehen möchte. Denn der ESM z.B. ist alles andere als vernünftig, wenn man alle Implikationen durchdenkt. So sehr man dieses Vertragswerk aber aus Überzeugung ablehnen muss – den Aktienmärkten wird er helfen, ebenso wie Eurobonds, die noch schlimmeres Teufelszeug sind.

Die Alternative zu Eurobonds und/oder ESM ist ein Auseinanderbrechen der Eurozone, in Teilen oder ganz. Denn das was Angela Merkel in Sachen fiskalischer Disziplin will, egal wie richtig es eigentlich ist, kriegen die „Südstaaten“ niemals gebacken, ohne dass es zu destabilisierenden Tumulten kommt. Ganz nüchtern und rein ökonomisch durchdacht wäre sogar der Austritt Deutschlands, wie er auch heute wieder von US-Ökonomen gefordert wurde, das beste für alle. Die Eurozone könnte dann unter Frankreichs Führung die EZB umgestalten und eine Verschuldungspolitik im Stile der USA fahren. Dagegen sprechen vor allem politische Gründe, deswegen ist es höchst unwahrscheinlich, dass es so kommt. Wenn es zur Entscheidungsschlacht kommt, wird sich wahrscheinlich keine deutsche Regierung wirklich zu einem Austritt durchringen können. Die einzig denkbare Ausnahme wäre, dass Frankreich diesen Plan selbst aktiv vorantreibt bzw. unterstützt.

Apropos Auseinanderbrechen: Die Rheinische Post behauptet auf ihrem Onlineauftritt, dass bei De la Rue bereits neue Drachmen gedruckt werden. So vorsichtig man generell bei solchen Meldungen sein sollte: Es ist absolut realistisch, und es bedeutet eigentlich gar nichts Neues: Es heißt nur, dass die Übergangsregierung/Zentralbank sich für den Fall X rüstet. Denn wenn nach den Wahlen die Situation es erfordert eine neue Währung einzuführen, kann es eben sein, dass es sehr schnell gehen muss. Es wäre absolut unverantwortlich, für diesen Worst Case nicht gewappnet zu sein. Ich gehe davon aus, dass jedes Euroland einen Notfallplan in der Tasche hat. Wie sagte Wolfgang Schäuble vor Monaten in einem Interview: „Wir wären eine schlechte Regierung, wenn wir uns nicht auf alle Eventualitäten vorbereiten würden“.

Zurück zur Überschrift:Was soll man in diesem Umfeld mit seinem Geld machen? Das ist die 1 Mio. EUR-Frage. Die Flucht in die „sicheren Häfen“ Anleihen ist natürlich ein schlechter Witz. Für Sie als Anleger macht das keinerlei Sinn. Da lassen sie das Geld lieber auf dem Tagesgeldkonto, und warten erst mal ab. Diejenigen ausländischen Großinvestoren, die massiv deutsche Anleihen kaufen und damit auf eine Wiederkehr der DM spekulieren, teils sogar Null-Renditen in Kauf nehmen, werden sich noch wundern. Denn selbst wenn es zu diesem sehr unwahrscheinlichen Ereignis käme, wäre die naheliegendste Variante eine Rückzahlung der Anleihen in der Währung, in der sie begeben wurden: Euro. Eleganter kann man sich doch seiner Schulden kaum entledigen...

Ihr

Daniel Kühn
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