Der Anleger ist ein seltsames Wesen, dem „der Spatz in der Hand“ häufig lieber ist, als die sprichwörtliche „Taube auf dem Dach“. Am Zertifikate-Markt wird das besonders deutlich, wenn man sich die Beziehung zwischen den wirtschaftlich gesehen nahezu gleichen Discount-Zertifikaten und den sogenannten Aktien- bzw. Indexanleihen ansieht. Denn während der Investor bei der einen Variante einen Rabatt auf den jeweiligen Basiswert erhält, bekommt er für den Verzicht auf eine unbegrenzte Beteiligung an steigenden Kursen bei der „Anleihe“-Version einen festen Zins ausgezahlt. Im Endeffekt also weder ein Vor- noch ein Nachteil und doch haben Aktienanleihen in den vergangenen Jahren nach ihrer früheren steuerlichen Benachteiligung enorm aufgeholt und stellen Discounter inzwischen immer mehr in den Schatten, wie auch der vergleichsweise hohe Wert von fast 17 Prozent im Rahmen der DDV-Befragung beweist. Discount-Zertifikate finden darin hinter Express- und Bonus-Papieren als trendbestimmenden Produkten dagegen überhaupt keine Erwähnung mehr. Der hohe, sicher ausgezahlte Zins gaukelt vielen Investoren möglicherweise einen gewissen Vorzug gegenüber dem Einstiegsrabatt vor.Auch mag der Begriff „Anleihe“ den Anleger wohl in allzu große Sicherheit wiegen, die de facto gar nicht besteht. Denn bei beidenVertretern handelt es sich um Vollrisiko-Papiere, was sie klar von Kapitalschutz-Produkten unterscheidet. Wer keine böse Überraschung erleben möchte, sollte sich insbesondere den Einsatz der „Hochprozenter“ mindestens zweimal überlegen, die sich nach dem berühmt-berüchtigten „Worst-of“-Prinzip gleich auf mehr als einen Basiswert beziehen. Denn bei solchen „Multi“-Strukturen, bei denen der gesamte Erfolg bzw. Misserfolg einzig und allein von der Wertentwicklung der schlechtesten Aktie abhängt, steht der geringe Zinsvorteil meist nicht im Verhältnis zu dem mehrfachen Aktienrisiko. Leider werden derartige Produkte im Zuge abnehmender Volatilitäten immer häufiger angeboten, um die geringer gewordene Renditechance einfacher Papiere auszugleichen.

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Basiswert hin oder her - Hauptsache ein Index

Keinerlei Diskussionen dürfte es im laufenden Jahr bei der Frage nach dem beliebtesten Basiswert geben, denn eines ist ganz klar: Es wird sicher ein Index sein. Nicht zu Unrecht entschieden sich 83,33 Prozent der Anbieter in der Umfrage dafür. Dahinter folgen Einzelaktien mit 12,50 und Zinsen mit 4,17 Prozent, was wiederum auf die große Bedeutung der beschriebenen zinstragenden Garantie-Strukturen hinweist. Dagegen gehören die vielzitierten Rohstoffe am Zertifikate-Markt mit einem Anteil am gesamten ausstehenden Volumen von nicht einmal zwei Prozent noch immer zu den absoluten Exoten und spielen lediglich im Bereich der Hebel-Produkte eine gewisse Rolle.

„A bisserl was geht immer“

Bei allem Verständnis für einfache und unaufgeregte Strukturen in schweren Zeiten wird ein Horror-Szenario auch 2012 wohl nicht eintreten: Den Strukturierern in den Zertifikate-Schmieden gehen die Ideen aus. So wurde in so mancher „Hexenküche“ auch im vergangenen Jahr wieder an der einen oder anderen Rezeptur gefeilt. Dabei wurde sogar manch ehernes „Zertifikate-Gesetz“ gebrochen wie beispielsweise von der Royal Bank of Scotland (RBS) das von der Performance-Kappung bei Discountern. Kein Wunder, das so mancher kundige Anleger zunächst an einen Schreibfehler dachte, als er sich das erste Mal mit dem Begriff „Uncapped Discount-Zertifikat“ konfrontiert sah. Dass hier doch alles mit rechten Dingen zugeht und der Emittent nur einen Teil seiner durch das eigene Handelsgeschäft erzielten Zinsgewinne an den Investor in Form eines Rabatts weitergibt, klärte den Sachverhalt schnell auf. Die gleichen sogenannten „Funding-Vorteile“ reicht die RBS übrigens auch bei ihren parallel aufgelegten „Kupon-Zertifikaten“ diesmal als zusätzlichen regelmäßigen „Zins-Betrag“ großzügig an den Kunden weiter. Der Anleger hat bei beiden neuen Zertifikate-Typen die Wahl aus je einem Produkt auf Gold, Silber, Brent-Öl, den DAX und Warren Buffets Berkshire Hathaway Class B Aktie. Tatsächlich zaubern können allerdings auch die findigen „schottischen“ Produktentwickler nicht, was die Notwendigkeit von ca. 5-jährigen Laufzeiten erfordert. Da sich die Zinsvorteile in abdiskontierter bzw. ausschüttender Form nur langsam bis zur Fälligkeit abbauen, sind die Produkte nur für Anleger geeignet, die den „Treue-Bonus“ auch wirklich zu schätzen wissen und nicht nur den schnellen Euro suchen. Vielleicht gar kein so schlechtes Signal für die leider immer mehr auf den kurzfristigen Erfolg ausgerichteten Anlagemärkte.

Emit.

WKN

Zertifikate-Typ

Kupon/

Discount

Laufzeit

RBS

AA3DZ4

DAX Uncapped-Discount-Zertifikat

8,73%

31.05.16

RBS

AA3D5A

Gold Uncapped-Discount-Zertifikat

7,66%

31.05.16

RBS

AA3DZ5

Silber Uncapped-Discount-Zertifikat

11,76%

31.05.16

RBS

AA3M7M

Brent Uncapped-Discount-Zertifikat

4,78%

31.05.16

RBS

RBS3AC

Berkshire Hathaway B Uncapped-Disc.

5,40%

25.11.16

RBS

AA3D49

DAX Kupon-Zertifikat

1% p.a.

31.05.16

RBS

AA3D5C

Gold Kupon-Zertifikat

1% p.a.

31.05.16

RBS

AA3D5B

Silber Kupon-Zertifikat

2,5% p.a.

31.05.16

RBS

AA3M10

Brent Kupon-Zertifikat

3% p.a.

31.05.16

RBS

RBS3AD

Berkshire Hathaway BKupon-Zertifikat

-

25.11.16

Es muss nicht immer DAX und Co. sein

Innovatives vollzog sich auch bei den Basiswerten, wurde doch ein guter alter Bekannter, der bereits 1961 noch lange vor dem DAX aufgelegte Index der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) in Zusammenarbeit zwischen dem Index-Sponsor Structured Solutions und der Baader Bank wiederbelebt sprich auch in Echtzeit-Berechnung auf das Anlagegeschäft losgelassen. Die Zertifikate-Emittenten sprangen sogleich mit ihrer ganzen Produktpalette auf die neue deutlich breitere Benchmark auf. Das genügte allerdings noch nicht. So wurde auch noch mit einer nach dem Bruttoinlandsprodukt der einzelnen Länder gewichteten Europa-Variante nachgelegt und darum eine ganz neue Index-Familie bestehend aus zehn Branchen-Indizes gruppiert. Überhaupt stand auf Index-Ebene bei vielen Anbietern in den vergangenen Monaten gerade die Produkttiefe im Sektorenbereich auf der Agenda, wobei immer mehr Regionen auf einzelne Branchen heruntergebrochen wurden. Anlegern ist es damit möglich, ganz individuell bestimmte Sektoren eines Landes oder einer Region abzubilden und das auch noch äußerst einfach und kostengünstig. Dass das gleiche Spiel auch genau andersherum funktioniert, bewies die HypoVereinsbank mit ihren STOXX 600 und Euro STOXX 50 Papieren, bei denen gerade eine ganz bestimmte Branche wie die Banken (ex Banks) oder Finanzdienstleister (ex Financials), zu denen z.B. auch Versicherungen gehören, ganz gezielt aus der normalen Index-Zusammensetzung verbannt wurde. Die Münchner waren es auch, die unter dem Motto „Dividenden zum Anfassen“ für vier Indizes aus der europäischen DJ Select Dividend-Familie erstmals Open-End-Zertifikate kreierten, die die Ausschüttungen direkt an die Anleger auszahlen, statt wie sonst üblich zu reinvestieren. Ein weiteres Indiz für die immer weitergehende Individualisierung der Underlyings am Zertifikatemarkt. Dies sind nur einige wenige Beispiele dafür, dass die Branche auch in diesem Jahr wieder das eine oder andere Novum für den Investor bereithalten dürfte. Für Spannung ist also weiterhin gesorgt.

Emit.

WKN

Basiswert

Laufzeit

COBA

CK15Z5

FAZ-Index

Endlos

DB

DE1FAZ

FAZ-Index

Endlos

HVB

HV5JPA

DJ Europe Select Dividend 30 Distributing Index

Endlos

HVB

HV5JPB

DJ Eurozone Select Dividend 30 Distributing Index

Endlos

HVB

HV5JPD

DJ Germany Select Dividend 20 Distributing Index

Endlos

HVB

HV5MPU

EURO STOXX 50 ex Financials (Net Return) Index

Endlos

HVB

HV5MPW

EURO STOXX ex Financials (Net Return) Index

Endlos

HVB

HV5MPY

STOXX Europe 600 ex Financials (Net Return) Index

Endlos

HVB

HV5MPT

EURO STOXX 50 ex Banks (Net Return) Index

Endlos

HVB

HV5MPV

EURO STOXX ex Banks (Net Return) Index

Endlos

HVB

HV5MPX

STOXX Europe 600 ex Banks (Net Return) Index

Endlos

Autor: Armin Geier, http://www.godmode-trader.de/zertifikate

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