Die Aktienmärkte sollten in den nächsten anderthalb Handelswochen Kursgewinne verbuchen. Eine Positionierung darüber hinaus sollte vom sich bis dahin gebildeten Kursmuster abhängig gemacht werden. Die Statistik und die Charts liefern kurzfristig mehr Kauf- als Verkaufsargumente.
November bis Januar: Beste Drei-Monatsphase
Der Zeitraum von November bis Januar umfasst historisch gesehen sowohl im Dow Jones Industrial Average als auch im weiter gefassten S&P 500 die beste Drei-Monatsspanne des Jahres. Das Gesamtjahr kann an der Börse in zwei Sechs-Monatszeiträume aufgeteilt werden. In der einen Hälfte fallen so gut wie fast alle Gewinne an, in der anderen erfolgen meist so gut wie keine Kursgewinne. Der Zeitraum November bis Januar fällt in die Zeitspanne, in der im Regelfall die Kursgewinne anfallen. November bis Dezember 2011 lief der Kurs zur Seite, Gewinne gab es keine. Das spricht aber nicht gegen die Zyklik. Der Oktober brachte zuvor eine kräftige Erholung nach dem vorherigen Kursverfall, so dass die letzten zwei Monate des letzten Jahres den vorherigen Anstieg bullisch konsolidierten.
Dezember: Bullischster Monat des Jahres
Der Dezember ist historisch gesehen im S&P 500 der beste Börsenmonat des ganzen Jahres. Beim Dow Jones Industrial Average ist es der zweitbeste Monat des Jahres. Seit dem Jahr 1950 gab es im Durchschnitt über alle Jahre gerechnet beim S&P 500 ein Kursplus von 1,7 Prozent. Die Gewinnhäufigkeit beträgt sagenhafte 75 Prozent. In drei von vier Jahren gab es also einen Gewinn und nur in 25 Prozent der Fälle einen Verlust. Beim Dow Jones Industrial Average beträgt die Gewinnhäufigkeit 70 Prozent. Auch dort liegt das Durchschnittsplus bei 1,7 Prozent, so dass es der zweitbeste Monat des Jahres ist. Dezember 2011 brachte beim S&P 500 nur ein mageres Plus. Die letzten drei Handelstage im November brachten jedoch ein Plus von 7,5 Prozent, so dass sich der Dezember in Anbetracht des zu Monatsbeginn massiv überkauften Kurses recht ordentlich mit der langfristigen Zyklik vereinbaren lässt.
Januar setzt Dezembertrend fort
Für gewöhnlich ist der Januar ein guter Börsenmonat. Die schlechte Entwicklung von Januar 2008 und Januar 2009 fiel mit dem Abverkauf aufgrund der US-Hypothekenkrise zusammen und entspricht nicht der typischen Januar-Zyklik. Seit dem Jahr 1950 gab es im Januar beim S&P 500 im Durchschnitt einen Gewinn von 1,1 Prozent. 38 Gewinnermonaten standen dabei 24 Verlustmonate gegenüber. Die Gewinnwahrscheinlichkeit lag in diesem Zeitraum bei 61 Prozent. Beim Dow Jones Industrial Average liegt die Gewinnquote bei 64 Prozent mit 40 Gewinnermonaten. 22 Mal gab es ein Minus. Damit ist der Januar beim S&P 500 der fünftbeste Monat des Jahres. Beim Dow Jones Industrial Average ist es der sechstbeste Monat des Jahres. Der Gewinn betrug dort im Schnitt 1,0 Prozent. Prinzipiell ist der Januar bei beiden Indizes in der jüngsten Historie schwächer gewesen, was in erster Linie am Bärenmarkt ab dem Jahr 2008 lag.
Präsidentschaftszyklus beeinflusst Jahreswechsel nicht
Im Jahr 2012 stehen die US-Präsidentschaftswahlen an. Der Vier-Jahreszyklus der US-Wahlen überdeckt im Regelfall die Zyklik einzelner Monate, so dass dieser Zyklik eine größere Bedeutung beizumessen ist als untergeordneten Monats-Zykliken. Wahljahre haben aber zumindest in der Vergangenheit keinen großen Einfluss auf den letzten Dezember des Vorwahljahres und den Januar des Wahljahres. Bei den US-Wahlen seit dem Jahr 1950 waren die drei besten Monate des Jahres beim S&P 500 der November, gefolgt vom Juni und dem Dezember. September und Oktober waren in Wahljahren die Verlierermonate, wobei der Oktober im Schnitt mit -0,6 Prozent in Wahljahren der schlechteste Monat des ganzen Jahres war. Mit anderen Worten: Die generelle Zyklik des Dezember und des Januar wurde in der Vergangenheit durch die Präsidentschaftswahlen nicht nennenswert verändert.
Verfallstermin stoppt den Kursanstieg
Irgendwann müssen die Gewinne anfallen. Auffällig ist der zweite Handelstag des neuen Jahres. Im Jahr 2012 ist dies Mittwoch, der 4. Januar. In 13 der letzten 18 Jahre gab es bei Dow Jones Industrial Average am zweiten Handelstag des Jahres ein Plus. Relativ oft verliert die Rally seit Santa Claus an diesem Tag aber an Fahrt. Zyklisch gesehen endet die Kursgewinnphase seit Santa Claus beim S&P 500 und Dow Jones Industrial Average am häufigsten am 11. Januar. Im Jahr 2012 ist das der Mittwoch in der zweiten Handelswoche. Kursverluste gab es in der Vergangenheit meist in der dritten Woche im Januar, was mit dem Verfallstermin zusammenhängt. Seit 1999 war der Dow Jones in der dritten Handelswoche in 9 von 13 Fällen im Verlust. Der erste Verfall findet 2012 am 20. Januar statt. Ungewöhnlich oft fielen in der Vergangenheit in dieser einen Woche größere Verluste an. 2010 ging’s beim Dow Jones Industrial Average 2,1 Prozent runter. 2006 waren es -2,0 Prozent. 2003 war der Verlust mit -1,3 Prozent auch recht hoch.
Chart steht kurzfristig im Kauf
Natürlich ist es nicht sinnvoll sich im Statistikdschungel zu verlieren, ohne den Chart, die Fundamentals, die Psychologie des Marktes sowie die im Umfeld einer politischen Börse wichtigen Einflussfaktoren und Termine zu beachten. Seitens dieser Faktoren ist für die nächsten zwei Handelswochen kein Störfeuer für die in dieser Analyse erarbeite Kursfristprognose zu erwarten. Der Chart des S&P 500 sieht wie folgt aus:

S&P 500: Noch Luft nach oben
Der S&P 500 könnte zunächst bis zum Verlaufshoch vom 27.10.2011 bei rund 1.285 Punkte steigen. Oberhalb dieser Marke könnte es bis zum Widerstandcluster aufwärts gehen, welches ab 1.339 Punkte beginnt. Ausgehend vom aktuellen Niveau ist dieser Widerstandsbereich 4,2 Prozent entfernt. Der Trendfolger MACD sieht aus wie er idealtypisch in der ersten Woche des Jahres aussehen sollte. Der MACD hat seinen Trigger geschnitten und ein Kaufsignal oberhalb der Null-Linie generiert, wobei das Momentum positiv ist. Größere Rücksetzer, insbesondere mehr als zwei Tage hintereinander, wären zyklisch jetzt ungewöhnlich und würden den bullischen Chart eintrüben. Idealtypisch sollte der Kurs nicht mehr unter 1.240 Punkte zurückfallen. Spätestens unter 1.205 Punkte (Tagestief des Gewinntags vom 20.12.) wäre der bullisch Chart zerstört, so dass das in dieser Analyse präferierte Szenario falsch wäre.
Kursgewinne zu Jahresbeginn möglich
Von Shortpositionen ist derzeit abzuraten. Die Statistik und der Chart reichen aus, um derzeit eine erhöhte Gewinnwahrscheinlichkeit für die Longseite auszumachen. Unruhiger dürfte es ab der zweiten Handelswoche des neuen Jahres werden, wenn größeres Volumen in den Markt kommt und der Terminverfall näher rückt. Statistisch ist dann die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Markt dreht. Auf die Darstellung der Zyklik des DAX 30 wurde in dieser Analyse aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichtet. Es spricht aber vieles dafür, dass der DAX in den nächsten zwei Wochen eng korreliert zum US-Markt laufen wird, so dass die getroffenen Aussagen für den US-Markt tendenziell auch für den deutschen Markt gelten.
Jens Lüders
Technischer Analyst und Redakteur bei Godmode-Trader.de
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Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten derzeit nicht investiert.



