Nehmen wir etwa die Konjunkturentwicklung in einigen Krisenländern Europas. Die folgende Abbildung zeigt, dass sich hier gerade einiges tut – allerdings nicht so, wie das die Politiker gerne hätten: Verglichen mit dem Vorkrisenniveau des Jahres 2007 wird die Wirtschaft zum Ende des laufenden Jahres in Griechenland um fast 15 Prozent eingebrochen sein. In Irland und Portugal wird das Minus bei rund acht Prozent liegen, in Italien bei sechs und in Spanien bei vier Prozent.

Allein anhand dieser Zahlen wird deutlich, wie sinnlos die aktuellen Bestrebungen zur Krisenbewältigung sind: Wenn diese Länder von der Europäischen Union jetzt zu drastischen Sparmaßnahmen verdonnert werden, dann wird das die Probleme nur noch schlimmer machen.
Zieht man nun noch einige Äußerungen der Ratingagenturen hinzu, dann wird schnell klar, dass die Lage nicht nur schlimmer werden kann, nein, dass sie geradezu schlimmer werden muss.
So hat etwa Fitch angekündigt, dass man Frankreich und Italien kräftig herabstufen werde, sobald die Sparbemühungen wirtschaftliche Bremsspuren zur Folge haben sollten. Was sich liest, wie ein schlechter Witz, das stimmt tatsächlich: Sparen die Staaten nicht, kommt es zu Herabstufungen. Zeigen die Sparanstrengungen aber die erwartete und unausweichliche konjunkturelle Abkühlung, werden sie ebenfalls herabgestuft.
Man kann es deshalb drehen und wenden wie man will: Egal, was passiert, die Euroländer werden so oder so herabgestuft. Doch schlechtere Bonitätsnoten erschweren den Schuldnern bekanntlich den Zugang zu frischem Geld – was wiederum weitere Herabstufungen nach sich ziehen wird. Es ist ein Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen gibt...
Oder etwa doch? Erklärt das vielleicht die merkwürdige Rallye an den Aktienmärkten? Steigen die Kurse dort womöglich deshalb, weil den Anlegern allmählich dämmert, dass viele der angeschlagenen Staaten ohnehin pleite gehen werden und man das Geld deshalb tunlichst in beständige Sachwerte umschichten sollte, zu denen ja auch Aktien gehören - insbesondere diejenigen international tätiger Weltkonzerne?
Vollends zur Farce gerät das aktuelle Börsentheater nämlich, wenn man sich den Baltic Dry Index ansieht. Dieses Marktbarometer, das den Warenverkehr auf den wichtigsten Schifffahrtslinien der Weltmeere misst, befindet sich in einer Abwärtsbewegung, die man in dieser Dramatik selten zu sehen bekommt: Allein seit Oktober vergangenen Jahres hat der Index fast 70 (!) Prozent eingebüßt. Die folgende Abbildung zeigt das:

Der Welthandel bricht ein – und trotzdem steigen die Kurse an den Börsen, wie auch der Kupferpreis und die Rohstoffmärkte? Was vollkommen unlogisch klingt, das erklärt sich aus der historisch einzigartigen Liquiditätsflut, mit der die Notenbanken derzeit rund um den Erdball in das Geschehen eingreifen. Man könnte auch sagen, wie sie die Märkte in ihrem Sinne manipulieren.
Erst kurz vor Weihnachten hatte die Europäische Zentralbank (EZB) Europas Finanzinstituten fast 500 Milliarden Euro zu niedrigsten Zinsen zur Verfügung gestellt. Mit diesem Geld kaufen die europäischen Banken jetzt, gewissermaßen als verlängerter Arm der EZB, die Anleihen der europäischen Krisenstaaten, erzielen damit Zinsen im Bereich von fünf bis sechs Prozent und fahren so risikolose Gewinne ein. Das Programm ist die europäische Variante des in den USA praktizierten „Quantitative Easing“ und wird die eigentlichen Probleme, nämlich die viel zu hohe Verschuldung des Bankensektors, natürlich nicht beheben.
In den USA wiederum hatte die Fed schon vor einiger Zeit ein weiteres Programm ihres „Quantitative Easing“ angekündigt, für den Fall, dass die Konjunktur wieder Schwäche zeigen sollte. Auch die EZB dürfte ihre Zurückhaltung noch in diesem Jahr aufgeben und den Krisenländern mit dem Kauf von Staatsanleihen verstärkt unter die Arme greifen.
Notwendig dürfte das insbesondere in Griechenland, Italien und Spanien werden, die zusätzlich zu ihren enormen Schulden allesamt mit einer heraufziehenden Rezession zu kämpfen haben, wie die eingangs gezeigte Grafik deutlich macht. Langfristig wird das Eingreifen der Notenbanken die Inflation befeuern, kurzfristig könnten die Aktienmärkte von der Aussicht auf weitere geldpolitische Maßnahmen jedoch sogar profitieren.
Doch eines muss man sich vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen klar machen: Jede Wette auf weitere Kursgewinne an den Aktienmärkten ist mit größten Unsicherheiten behaftet, denn wie dieses Börsentheater endet, das ist vollkommen ungewiss...
Es passt ins Bild, dass der Goldpreis gerade wieder Fahrt aufnimmt. In dieser Woche kletterte der Preis für eine Feinunze deutlich nach oben – und erst vor wenigen Tagen war es auf dem langfristig aussagekräftigen Point & Figure-Chart zu einem Ausbruch gekommen. Dabei bildete sich ein „Double Top Breakout“, ein Ausbruch über einen doppelten Hochpunkt. Das Kursziel liegt jetzt bei 1.930 US-Dollar je Feinunze – vorerst:

Abschließend noch ein ganz anderes Thema:
Am Holocaust-Gedenktag, dem 27. Januar, wird weltweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. An jenem Tag des Jahres 1945 waren die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz befreit worden. Auschwitz steht für den Völkermord und die Millionen Menschen, die von Adolf Hitler und seinem Terror-Regime verfolgt und umgebracht wurden. Seit 1996 erinnert der Bundestag jährlich in einer Gedenkstunde an die Befreiung des Vernichtungslagers.
In diesem Jahr hat Literaturkritiker und Zeitzeuge Marcel Reich Ranicki vor dem Parlament eine bewegende Rede im Gedenken an die Ereignisse gehalten. Der Vortrag beginnt ab Minute 22:
http://webtv.bundestag.de/iptv/player/macros/_x_s-144277506/od_player.html?singleton=true&content=1529928
Was wir in diesem Jahr an den Börsen erwarten, das lesen Sie in der Januar-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die vor wenigen Tagen erschienen ist.
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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de



