• Brutaler Stimmungsumschwung - Euro Richtung 1,35 USD

    Freitag 03.02.2012, 16:35 Uhr
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    DJ DEVISEN-AUSBLICK/Brutaler Stimmungsumschwung - Euro Richtung 1,35 USD

     
    Von Michael-Otto Denzin 
    DOW JONES NEWSWIRES 
     
    

    FRANKFURT (Dow Jones) - Kräftig aufwärts gehen dürfte es in den kommenden Wochen mit dem Euro. Nach über einer Woche der Konsolidierung sind die Ampeln nun auf Grün gestellt. Analysten halten Preise um 1,35 Dollar für schnell erreichbar.

    Grund ist die weiter abnehmende Angst der Marktteilnehmer vor einem Kollaps der Eurozone. Zuviel Negatives wurde hier eingepreist. Auf die europäische Aktien und die Währung wurden Risikoaufschläge erhoben, die den großen Knall einkalkulierten. Nun läuft die Gegenbewegung: Aktien und Euro bewegen sich wieder in Richtung ihrer fairen Werte nach oben.

    Die aktuelle Gegenbewegung läuft derart abrupt, dass die Analysten der UBS sogar von einem „brutalen" Umschwung sprechen. Dieser habe sich seit Januar zum Beispiel an den Aktienmärkten Europas in der größten Umschichtung der letzten sechs Jahre(!) gezeigt. Die bei Risikoängsten bevorzugten Telekom- und Konsum-Aktien wurden auf den Markt geschleudert und stattdessen volatile Konjunkturtitel wie Auto- und Finanzwerte gekauft. An den Kreditmärkten fielen die Preise für Ausfallversicherungen ("CDS") wie Steine, neu angebotene Anleihen aus Italien, Portugal und Spanien konnten sich vor Nachfrage kaum retten und ihre Zinsen sanken deutlich.

    Auslöser dafür waren die immer wieder besseren Konjunkturdaten rund um den Globus und die gleichzeitigen Geldspritzen von EZB und US-Notenbank (Fed). So stieg der ifo-Index aus Deutschland, dem Hauptzahler Europas und damit Garant der Finanzierbarkeit des Euro, gegen alle Analystenmeinungen zum dritten Mal in Folge. Das Risiko eines Absturzes in die Rezession ist damit nicht mehr gegeben. Ein weiterer Belastungsfaktor für den Euro entfällt damit.

    Dieser Optimismus setzt sich aber erst langsam durch: Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg kapitulierten die Strategen der größten Banken Europas und der USA mit ihren pessimistischen Erwartungen erst Ende Januar. Damit dürfte es noch längere Zeit Käufe in Euro und Europas Aktien geben.

    Die Geldschwemmen dies und jenseits des Atlantik verstärken die Risikoneigung noch weiter. Die US-Notenbank hat ihre Periode von Minizinsen verlässlich bis auf 2014 ausgedehnt. Die Commerzbank spricht hier von "ultra-lockerer" Geldpolitik, die den Dollar noch lange schwächen könne. Und seitdem die EZB mit ihrem 3-Jahres-Tender Mitte Dezember das erste Mal für die Finanzierung der Banken im Kapitalmarktbereich gesorgt hat, läuft es auch in Europa richtig rund.

    Ein zweiter Tender im Februar dürfte erneut für Zuversicht sorgen. Die Financial Times vermutet hier, dass sich Banken mit bis zu 1 Billion Euro bei der EZB bedienen könnten. Die Finanzierung aller europäischen Banken über die nächsten drei Jahre wäre damit gesichert.

    Die Wirkung dieses Effekts wird von Anlegern oft unterschätzt. Denn das einzig wirklich bedrohliche Risiko für den Euroraum ist das „Credit Risk", also die Sorge, sein Geld nicht wiederzubekommen. Wie im Fall Griechenland war diese Sorge vollkommen berechtigt und hatte alle europäischen Anlageklassen unter Risikoabschlägen leiden lassen. Vor allem US-Amerikaner mochten das Risiko nicht, für eine Anlage in 100 Euro Währungseinheiten eventuell nur 30 Euro zurückzubekommen. Dieses Problem gibt es in den USA nicht - die US-Notenbank steht immer bereit, frisches Geld zu drucken.

    Um den künftigen Wert des Dollars geht es nämlich nicht: Bei 3 Prozent Inflation hätten 100 Dollar in 30 Jahren zwar nur noch die Kaufkraft von 40 Cent aber der Nominalbetrag einer Anleihe von jetzt 100 Dollar wird auch dann zuverlässig mit 100 Dollar zurückgezahlt. Europas Anlageklassen konnten daher bei Auslandsanlegern nur mit Risikoabschlägen untergebracht werden, da jederzeit mit einer Ausbreitung der griechischen Zahlungsunfähigkeit gerechnet werden musste.

    Seit dem Öffnen der Geldschleusen durch die EZB besteht dieses Problem -zumindest für drei Jahre- nicht mehr. Die wohl in der kommenden Woche abgeschlossenen Umschuldungsverhandlungen mit Griechenland tun ihr übriges, um für neue Investitionen in Europas Aktien und Währung zu sorgen.

    Ein Risiko des Scheiterns in letzter Minute besteht hier allerdings: Denn wie so oft in den vergangenen Jahren hat es Griechenland in der Hand, das Misstrauen der US-Anleger gleich gegen Gesamt-Europa zu schüren. Das Land gibt sich nun nicht mehr nur mit einem Schuldenverzicht der Privatanleger zufrieden. Finanzminister Venizelos will mehr - auch die öffentlichen Gläubiger wie EZB und Bundesbank sollen auf 50 Prozent ihrer Anlagen oder mehr in Griechenland verzichten.

    Damit öffnet er aber die Büchse der Pandora: Mit der EZB wäre genau jene Institution getroffen, die als erste bereit war, Griechenland in der Finanznot durch Akzeptanz ihrer Anleihen beizustehen.

    Abschreibungen auf Griechen-Anleihen würde zu Löchern in der EZB-Bilanz führen und wohl einen Nachschussbedarf durch die nationalen Notenbanken erfordern. Schlimmstenfalls sogar irgendwann in den nationalen Haushalten auftauchen. Die Politikeraussagen, man gebe Griechenland ja "nur Garantien", wären dann schnell entlarvt; der politische Wille der Bevölkerung, sich weiter an "sicheren Verlusten" zur Rettung des Euro zu beteiligen, dürfte dann gegen Null gehen. Anleger im Ausland dürften wie üblich sehr hellhörig auf Signale aus dieser Richtung achten. Kleinste Anzeichen dafür werden den Euro sofort unter Druck setzen. Bis dahin dürfte es aber noch länger dauern.

    Kurzfristig überwiegt die Erleichterung. Technische Analysten sehen daher für den Euro wenig Kursbremsen bis in den Bereich um 1,35 Dollar. Besonders die aktuelle Konsolidierungsformation kommt gut an. Sie sei sehr bullish und lasse auf eine sehr dynamische Aufwärtsbewegung schließen.

    Passend dazu gibt es kommende Woche auch wenig Polit-Termine, die dem Euro dazwischenfunken könnten. Von den meisten Notenbank-Entscheidungen und der Ratsitzung der EZB am Donnerstag wird nichts Neues erwartet. Bei den zahlreichen Konjunkturdaten dürfte besonders auf die Entwicklung der EU-Peripherieländer geachtet werden, so beispielsweise am Mittwoch auf die Industrieproduktion in Spanien und am Freitag Italien.

    International stehen am Donnerstag die Aufträge in Japans Maschinenbau als guter Konjunkturindikator im Blick, sowie die Inflation in China. Dort wird am Freitag auch die Handelsbilanz vorgelegt, in den USA steht die Verbraucherstimmung der Universität Michigan im Februar an.

     -Von Michael Denzin, Dow Jones Newswires 
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