DAX/Wall Street Weekend Report: Ready to Rock and Roll
Im Vergleich zur Vorwoche legte der DAX immerhin 1,8% zu. „Europa bewegt sich im Plan und löst seine Probleme“, erklärte Tim Schroeders, Fondsmanager bei Pengana Capital laut Bloomberg. “Überall sind die Signale ermutigend. Die Investoren stellen sich darauf ein, mehr Risiken einzugehen” so Schroeders.
„Das Panik-Szenario ist jetzt eliminiert und der Euro dürfte sich wieder in die Höhe bewegen“, stellte auch Phil Burke fest (Bloomberg). Der Experte ist Chief Dealer für Währungshandel bei JPMorgan Chase & Co. in Sydney. “Das sollte eine bullishe Stimmung erzeugen” so Burke.
Wall Street: Immer wieder China
New York (BoerseGo.de) - Schwacher Beginn, starkes Ende. Nein, keine Prognose zur WM (an dieser Stelle gibt es ohnehin keine Prognosen, lediglich Analysen der Fakten), sondern eine Beschreibung des Wochenverlaufs an der Wall Street. An den ersten drei Wochentagen, wiederholte sich das schon gewohnte Muster: An mindesten 2 von 3 Handelstagen wird das Tagesergebnis durch einen späten Abverkauf verdorben, so auch im Verlauf von Montag bis Mittwoch. Interessierte Kreise schürten weiterhin die Angst vor einer Wiederkehr der Rezession (Double Dip) und nahmen dafür die Probleme von Griechenland & Co. zum Vorwand.
Ab Donnerstag hellte sich das Bild aber wieder deutlich auf, einfach deshalb, weil die Doom & Gloom-Fraktion (Roubini et al.) wieder einmal gründlich widerlegt wurde. Wieder einmal kamen die positiven Fakten aus Asien, der Wachstumsmaschine der Weltwirtschaft.
Asien brummt - aber nicht wie ein Bär
China meldete, dass die Exporte der Volksrepublik im Mai um 48,5% stiegen, außerdem gab es laut Bloomberg einen Sprung bei den chinesischen Immobilienpreisen, ein Zeichen, dass die aufstrebende Volkswirtschaft weiterhin brummt und der chinesische Immobilienmarkt intakt bleibt.
Außerdem fiel in Korea und Australien das Jobwachstum höher aus als erwartet.
Die guten Asienzahlen (am Freitag durch hohe Zuwächse bei der Industrieproduktion in China & Indien untermauert) stützen die These, dass der Wachstumsmotor Asien weiterhin rund läuft und die Weltkonjunktur daher weiterhin aus der derzeitig flauen Stimmung zieht. Das unterstütz auch das Argument, dass der Export (vor allem nach nach Asien) die fragile europäische Konjunktur (die stark vom Welthandel beeinflusst wird) wieder ankurbelt. Das wiederum entlastet die USA.
Konsequenterweise sprang der US-Markt am Donnerstag um knapp 3% und radierte die Verluste der Vortage wieder aus. Der Infodienst Bespoke verwies darauf, dass am Donnerstag alle 24 großen Sektoren an der Rally des S&P 500 (knapp plus 3%) teilnahmen und im Grün schlossen. Es käme zwar häufig vor, dass bei Kursänderungen von plus oder minus drei Prozent alle Gruppen teilnehmen, also Alles oder Nichts.
Bemerkenswert sei aber die hohe Frequenz mit der das in jüngster Zeit geschah. Einschließlich Donnerstag hatte der S&P 500 in den vergangenen 10 Handelstagen gleich 6 „Alles oder Nichts-Märkte“ (alle Sektoren entweder im Plus oder im Minus). Seit 2002 kam das bislang nur einmal vor, nämlich im November 2008.
Lesen statt Tanken
Am Freitag setzte sich die Rally - nach einem vorübergehenden Zögern - fort. Der Tagesstart litt noch unter einer negativen Schlagzeile: Die Einzelhandelsumsätze fielen im Mai gegenüber dem Vormonat um 1,2%, deutlich stärker als erwartet. Der erste monatliche Rückgang seit 8 Monaten. Dann gingen die Investoren aber ins Detail, das besser aussieht als die Schlagzeile vermuten lässt. „Warum die Einzelhandelsumsätze besser sind als die Schlagzeilen suggerieren“, titelte ein viel gelesener CNBC-Beitrag auf dem Yahoo Finanzportal:
Die Zahlen wurden vor allem durch die Autoverkäufe gedrückt, die um 1,7% fielen. Ex-Autoverkäufe betrug der Rückgang 1,1%. Hart traf es vor allem die Baumaterialien (einschließlich Garten & Rasenprodukte), die um 9,3% plumpsten. Die Bekleidungsgeschäfte meldeten ein Minus von 1,3%. Gespart wurde auch beim Tanken. Die Tankstellen meldeten einen Rückgang um 3,3%, teilweise auch wegen gefallener Benzinpreise.
Einige wichtige Bereiche verzeichneten dagegen Zuwächse: Möbel plus 1%, Elektronikläden plus 0,6%, Lebensmittel & Getränke plus 0,3%, Restaurants & Bars plus 0,1%. Freizeit (einschließlich Sport & Bücher) plus 0,4%. Einzelhändler ohne Ladengeschäfte, also Versandhandel & E-Commerce wuchsen solide 2%.
Volkswirte verwiesen darauf, dass die einzelnen Monatszahlen von Zufallsfaktoren, beispielsweise Wetter (das etwa bei Textil-Einkäufen eine große Rolle spielt) beeinflusst werden und daher sehr volatil sind. Im aussagefähigeren 3-Monatszeitraum März bis Mai stiegen die Verkäufe um 2.6% gegenüber dem vorangegangenen 3-Monats-Zeitraum, außerdem lagen die Mai-Einzelhandelszahlen immerhin um 6,9% über dem Vorjahresmonat.
Richard Hastings, ein Konsum-Stratege beim Broker Global Hunter Securities, bezeichnete die heutigen Zahlen daher als „Ein-Monats-Anomalie“ (CNBC). Jan Kniffen, CEO von J. Rogers Kniffen, einer Consultingfirma für den Einzelhandel, glaubt ebenfalls nur an eine Pause nach dem kräftigen Einkaufswachstum vor Ostern. Kniffen sieht jedenfalls Anzeichen, dass sich die Verbraucherausgaben in den vergangenen 3 Wochen bereits wieder erholten. Außerdem bezeichnet er die Stärke bei Elektronika & Restaurant-Ausgaben als Signal, dass die Verbraucher mit höheren Einkommen weiterhin Geld ausgeben, trotz flauem Aktienmarkt.
„Wir glauben, dass der Bericht wesentlich besser war als die Überschrift suggeriert“, kommentierte auch David Resler, Chief Economist beim Broker Nomura Securities. Die gemeldeten Rückgang wurden in vielen Fällen von Preissenkungen (etwa Benzin) verursacht, soResler.
Billiger Markt
Die aktuelle Rally lässt sich wohl auch damit erklären, dass besonnene Investoren die jüngste Schwäche als Kaufgelegenheit interpretieren, was seit März 2009 immer wieder geschah. „Die aktuelle Marktsituation ist ohne Hand und Fuß. Das ist alles nur Gerede über Furcht und über ein Douple Dip und die Furcht vor einem Douple Dip“, erklärte Craig Hodges, Präsident der Fondsgesellschaft Hodges Capital Management, am Wochenbeginn (Wall Street Journal). „Langfristig betrachtet sieht der Markt sehr billig aus“, so Hodges.
“Der Markt bietet eine reale Kaufgelegenheit,” schloss sich Gunnar Miller, Global Co-Head of Research bei Allianz Global Investors RCM, dem an (Bloomberg). „Die ökonomischen Daten zeigen, dass die Stimulierungsmaßnahmen weiter wirken. Wir haben Aktien noch stärker übergewichtet“, fügt Miller hinzu.
„Die ganze Evidenz zeigt auf ein anhaltendes Wachstum“, kommentiertw auchJeffrey Schappe, Chief Investment Officer bei BB&T Asset Management (Bloomberg).“Wir gehen davon aus, dass wir uns die flaue Phase durchwursteln und dann den Aufschwung wieder aufnehmen und die Aktien dem Beispiel folgen“.
„We are ready to really rock and roll“ verkündete Laurence D. Fink bereits vergangene Woche (Bloomberg). Der Chef des weltweit größten Vermögensverwalters BlackRock erklärte:
„Die Wall Street steht auf dem Sprung und vor dem Beginn eines neuen Rally-Schubs“.
Die am Donnerstag gestartete Rally scheint ihm recht zu geben.
Im Vergleich zur Vorwoche entwickelten sich die großen Wall Street Barometer solide:
Dow Jones plus 2,8 Prozent
S&P 500 plus 2,5 Prozent
Nasdaq plus 1,1 Prozent
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