• Das große Finale rückt näher...

    Freitag 22.04.2011, 15:05 Uhr
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    Als wir im Antizyklischen Börsenbrief vor einigen Jahren Staatspleiten in Europa angekündigt haben, da wurden wir von einigen Kollegen als durchgeknallte Spinner belächelt.

    Heute ist absehbar, dass in Griechenland schon bald ein Schuldenschnitt anstehen wird. Die Zinsen sind in dieser Woche auf das Rekordniveau von mehr als 20 Prozent explodiert. Auch die „Rettungsgelder“ der Europäischen Union (EU) helfen jetzt nicht mehr – das Land ist pleite.

    http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:euro-krise-griechenland-panik-kennt-kein-halten-mehr/60041241.html

    Was in den Medien hier zu Lande kaum erwähnt wird: Weil sie das Unheil kommen sehen, heben immer mehr Griechen ihr Geld von der Bank ab. Natürlich will man das in der EU nicht hören – schließlich könnten dann auch die Menschen in Irland und in Portugal, vielleicht auch in Spanien, in Italien und in Großbritannien auf die gleiche Idee kommen. Womöglich gar die Deutschen. Innerhalb weniger Tage wäre der gesamte Bankensektor pleite.

    http://www.sueddeutsche.de/geld/die-griechen-pluendern-ihre-konten-das-grosse-abraeumen-1.18193

    Ebenfalls vor einigen Jahren haben wir im Antizyklischen Börsenbrief geschrieben, dass auch die USA auf einen Staatsbankrott zusteuern. In dieser Woche hat die Ratingagentur Standard & Poor`s den Bonitätsausblick der Vereinigten Staaten von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Damit ist das Land zwar noch nicht pleite, aber ein erster Schritt in diese Richtung ist getan. Die Bestnote beim Rating steht jetzt auf der Kippe. Sollte sie fallen, müssten die USA Käufern ihrer Staatspapiere höhere Zinsen bezahlen. Der Weg in die Pleite wäre dann „dank“ der exorbitanten Verschuldung, die Washington angehäuft hat, relativ kurz...

    Da schon heute niemand mehr US-Staatsanleihen kaufen will, und die Notenbank deshalb selbst zur Tat schreiten muss, ist der Warnschuss der Ratingagentur ein weiterer Hinweis auf einen sich anbahnenden Staatsbankrott in den USA - und gleichzeitig die Konsequenz aus der schludrigen Haushaltspolitik der wechselnden US-Regierungen.

    Natürlich beeilt man sich jetzt, die Gemüter mit allerlei Taschenspielertricks zu beruhigen. Wie zu erwarten war, hat das US-Finanzministerium die Einschätzung von Standard und Poor's sofort scharf kritisiert. Die Ratingagentur unterschätze die Möglichkeiten der Regierung, die schwierigen fiskalischen Herausforderungen anzugehen, erklärte das Ministerium. Präsident Barack Obama gehe davon aus, dass eine breite Übereinkunft möglich sei, sagte Regierungssprecher Jay Carney. "Wir glauben, dass die Politik die Erwartungen von S&P übertreffen wird", polterte der Sprecher.

    Man kennt das ja aus Lissabon, aus Dublin und aus Athen. Erst im März hatte sich Griechenlands Ministerpräsident Papandreou ereifert, Standard & Poor's berücksichtige nicht die Anstrengungen, die das Land unternehme, um seine Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen. Nur wenige Wochen später droht der Schuldenschnitt. Und auch die USA beweisen: Staaten, die mit dem Rücken zur Wand stehen, sagen nicht die Wahrheit. Nein, sie lügen den Bürgern frech ins Gesicht, um das Spielchen so lange wie möglich fortsetzen zu können.

    Nebenbei bemerkt: Welche „Möglichkeiten der Regierung zur Lösung der Probleme“ meint das US-Finanzministerium eigentlich? Blicken wir einmal zurück: Im Herbst 2008 sorgte die Tatsache für weltweite Schlagzeilen, dass die US-Schuldenuhr in New York erstmals über zehn Billionen US-Dollar geklettert war:

    http://www.sueddeutsche.de/geld/new-york-us-schuldenuhr-kanns-nicht-mehr-fassen-1.521719

    Heute sind die Vereinigten Staaten ein ganzes Stück weiter: Die Schuldenuhr weist mittlerweile unfassbare 14,3 Billionen US-Dollar aus:

    http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/usa-14-billionen-dollar-schulden-obamas-kampf-gegen-staatsbankrott_aid_618410.html

    Um damit wieder auf die Aussage der US-Regierung zurück zu kommen: Die gepriesenen „Möglichkeiten“ Washingtons haben in der Tat etwas geschaffen, was noch keiner US-Administration zuvor gelungen ist: Seit Herbst 2008 sind die Schulden so stark gestiegen wie noch nie zuvor in der Geschichte der USA. In nur drei Jahren hat Barack Obama mehr Schulden angehäuft als alle US-Präsidenten vor ihm. Ein Wachstum der Schulden um mehr als 40 Prozent innerhalb von nicht einmal drei Jahren, das ist ohne Frage eine beachtliche Leistung, die es in der Geschichte der USA noch nie gegeben hat.

    Wer unsere Kommentare an dieser Stelle schon etwas länger liest, der wird sich daran erinnern, dass wir in der Vergangenheit immer wieder auf das exponentielle Wachstum der Schulden hingewiesen hatten - und auf die Gefahren, die damit verbunden sind. Was wir gerade sehen, das ist die Beschleunigungsphase dieses Wachstums. Die Schuldenberge wachsen jetzt nahezu senkrecht in den Himmel. Die folgende Abbildung zeigt das:

     

    Das Fatale ist jedoch, dass wir Menschen in der Evolutionsgeschichte unseres Bewusstseins nicht lernen mussten, die Zerstörungskraft einer exponentiellen Entwicklung korrekt einschätzen zu können. Für unser Überleben war es schlicht nicht notwendig, die Explosivität solcher Entwicklungen und die Gefahren, die daraus entstehen, richtig einordnen zu können.
     
    Deshalb werden sich die meisten Menschen bis zuletzt in Sicherheit wiegen: Weil sie sehen, dass der „Schuldenbecher“ um eine Minute vor Zwölf noch halbleer ist, gleichzeitig aber nur noch eine Minute Zeit bleibt, um sich in Sicherheit zu bringen, wird die Masse die Gefahr auch kurz vor dem Finale nicht sehen.

    An diesem Punkt stehen wir gerade. Börsianer und Massenmedien tun so, als sei alles in bester Ordnung. Und die Politiker, namentlich in den USA, beeilen sich, noch ein wenig Öl ins Feuer zu gießen: So hat Fed-Chef Ben Bernanke in dieser Woche durchblicken lassen, man sei durchaus gewillt, weitere Stützungsmaßnahmen vorzunehmen. Mit anderen Worten: Die Notenbank will den Märkten auch weiterhin die Dopingspritze setzen. Welche Erleichterung - sofort sprang daraufhin der DAX am Mittwoch um mehr als zwei Prozent nach oben:



    Zu dumm nur, dass auch der Goldpreis im gleichen Atemzug die Marke von 1.500 Punkten geknackt hat. Denn das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Maßnahme der Notenbank kritisch zu sehen ist.



    Doch viele Kommentatoren feiern jetzt die ganz große Party und glauben, etwa auf verprügelte Bankwerte setzen zu müssen. Dazu zwei aktuelle Zahlen: Die Citigroup (C) meldete für das Märzquartal einen Rückgang beim Nettogewinn um 32,3 Prozent auf 3,0 Milliarden US-Dollar. Bank of America (BAC) musste im gleichen Zeitraum einen Rückgang des Nettogewinns um 38,6 Prozent auf 1,7 Milliarden US-Dollar verkraften. Kein Wunder, dass sich beim US-Bankenindex BKX jetzt wieder erste Schwächesignale zeigen. Hier könnte sich ein Abwärtstrend formieren:  

     

    Den Finanzhäusern in Deutschland geht es nicht besser. In Zeiten einer globalen Schuldenkrise dürfte in dem Sektor noch so manche Überraschung auf die Anleger warten. Doch viele sehen diese Gefahren nicht. Erst kürzlich war im Kommentar eines Kollegen zu lesen, man solle jetzt die Aktien der Commerzbank kaufen, die Papiere seien mittlerweile sehr günstig und wegen der Beteiligung der Bundesregierung vor größerem Unheil sicher. Seither ist der Aktienkurs förmlich zusammengebrochen:



    Der Grund des Einbruchs: Das Finanzhaus hatte eine Kapitalerhöhung in Höhe von elf Milliarden Euro angekündigt. Anschließend ist die Rückzahlung von 14,3 Milliarden Euro an Staatsgeldern geplant. Die noch verbleibende Staatsbeteiligung in Höhe von 1,9 Milliarden Euro solle bis spätestens 2014 zurückgezahlt werden. Wenn alles gut geht...

    Wir glauben nämlich nicht, dass das internationale Finanzsystem noch so lange durchhält. Unserer Ansicht nach ist eine Staatspleite in den USA in naher Zukunft genauso unausweichlich, wie ein Auseinanderfallen der Eurozone – und dabei werden zwangsläufig auch einige Finanzhäuser ihre Zahlungsunfähigkeit erklären müssen. Aus diesem Grund würden wir derzeit weder Bankaktien kaufen, und schon gar keine Staatsanleihen, egal welcher Nation.

    Vieles deutet darauf hin, dass sich die Dinge jetzt immer stärker beschleunigen. Wegen des Zinseszinseffekts, der dem immer schnelleren Wachstum der Schuldenberge zugrunde liegt, ist das schon rein mathematisch auch gar nicht anders möglich. Manche Zeitgenossen sind deshalb jetzt besonders schlau und meinen, der Finanzmarktkrise ein Schnippchen zu schlagen, indem sie eilig auf den Immobilienmarkt ausweichen. Dort, so die Überlegung, ist das Geld vor Staatspleiten, Bankenkrise und Währungszusammenbruch ja vollkommen sicher...

    In der kommenden Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs werden wir unter anderem der Frage nachgehen, was von dieser Idee zu halten ist.

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    Zum Autor:

    Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de

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