1. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt stieg im ersten Quartal entsprechend der Schnellschätzung um 0,5% qoq an. Mit den heutigen Daten wurden auch die Details veröffentlicht, die teilsweise wie erwartet kamen. So sanken die Bauinvestitionen witterungsbedingt in Folge des Kälteeinbruchs im Februar (-1,3 % qoq).
2. In weiten Teilen gab es Überraschungen, allen voran der völlig unerwartete, starke Anstieg des privaten Konsums. Während die Einzelhandelumsätze im ersten Quartal um 0,8 % qoq schrumpften legte der Konsum um 0,4 % qoq zu. Der Blick auf die Verteilungsseite zeigt, woher diese Diskrepanz kommt: Dank eines kräftigen Anstiegs der Effektivlöhne und einer guten Beschäftigungsentwicklung stiegen die verfügbaren Einkommen um 1,2 % qoq an. Da der Deflator des privaten Konsums trotz Energiepreisanstiege nur um 0,2 % qoq zulegte, hatten die privaten Haushalte im Quartalsvergleich real 1,0 % mehr Einkommen zur Verfügung. Das passt nicht zum Einzelhandelsumsatz, weshalb das Statistische Bundesamt wohl einen Kompromiss wählte.
3. Nach den vorliegenden Indikatoren war auch das merkliche Minus der Ausrüstungsinvestitionen (-0,8 % qoq) so nicht zu erwarten. Offensichtlich waren die Unternehmen in ihren Investitionsentscheidungen vorsichtiger, als sie in ihren Zukunftserwartungen (wie den ifo Geschäftserwartungen) angedeutet hatten.
4. Das recht robuste Exportwachstum von 1,7 % qoq sieht besser aus als es tatsächlich ist. Bei genauer Betrachtung stellt man fest, dass die Warenexporte nur um 0,7 % zulegen konnten. Das restliche Wachstum stammt von den Dienstleistungsexporten, die nach einem Rückgang um 9 % qoq im vierten Quartal nun um 8,5 % qoq zulegten. Aufgrund der stagnierenden Importe kam es insgesamt aber dennoch zu einem starken Wachstumsbeitrag vom Außenbeitrag.
5. Die Lagerinvestitionen schließlich bremsten das Wachstum um 0,4 Prozentpunkte.

6. Gemessen an den monatlichen Konjunkturindikatoren (wie beispielsweise der Industrieproduktion u.a.) begann das zweite Quartal mit einem statistischen Überhang von rund ½ % qoq (hierbei wird bekanntlich Stagnation der monatlichen Indikatoren im weiteren Verlauf unterstellt). Die Frage ist, ob der deutsche Konjunkturdampfer Kurs halten kann, oder ob es im Verlauf des zweiten Quartals zu einem Rücksetzer kommt. Antworten hierauf versprach man sich vom ifo Geschäftsklima, das bislang eher positiv überraschte, und von den Einkaufsmanagerindizes, die eine andere Richtung – nämlich nach unten einschlugen.
7. Im Mai gab der Einkaufsmanagerindex für die Industrie erneut von 46,2 auf 45,0 Punkte nach und liegt damit deutlich auf Rezessionsniveau. Der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister hingegen blieb stabil bei 52,2 Punkten. Heute nun schlugen die ifo Indikatoren ebenfalls den Weg nach Süden ein. Das Geschäftsklima sank deutlich um 3 auf 106,9 Punkte, die Lagebeurteilung um 4,2 auf 113,3 Punkte und die Geschäftserwartungen um 1,8 auf 101,5 Punkte.

8. Den Ausschlag dürfte die durch die Schuldenkrise ausgelöste, wieder deutlich zunehmende Verunsicherung gegeben haben. Nicht nur, dass die Zukunft Griechenlands und dessen Verbleib in der Eurozone ungewisser denn je sind, auch die Diskussion um Eurobonds und schuldenfinanzierte Ausgabenprogramme dürfte den Unternehmen nicht geschmeckt haben.
9. Alles in allem deuten die Indikatoren für Deutschland auf eine Wachstumsabschwächung im Sommer hin.
Quelle: DekaBank



