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    Die Hausse nährt die Hausse?

    Dienstag 20.03.2012, 08:32 Uhr
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    Denken Sie nur ein paar Monate zurück: Im Spätherbst herrschte in Europa regelrechte Weltuntergangsstimmung. Vom Ende des Euro als Gemeinschaftswährung bis zu einer Weltwirtschaftskrise ungeahnten Ausmaßes wurden die möglichen Szenarien herumgereicht. Aussichten für 2012? Extrem mau.

    Und was ist passiert? Der deutsche Aktienindex DAX konnte einen der spektakulärsten Jahresstarts aller Zeiten hinlegen. Stand heute liegt er Im Jahr 2012 – nach nicht mal drei Monaten – 20% vorne. Seite dem Tief im Spätsommer 2011 legte der DAX sagenhafte 42% zu. Und die meisten Marktteilnehmer sind nicht annähernd adäquat in Aktien investiert. Die Hausse nährt die Hausse…

    Eine Adjustierung der Risikopräferenzen ist deutlich zu beobachten. Die Edelmetalle geraten heftig ins Bröckeln, die Renditen der als sicher geltenden Staatsanleihen haben ihre Tiefs vorerst gesehen, die Spreads zu den Südstaaten-Bonds gehen zurück. Die Umschichtungen aus den „sicheren Häfen“ sind nicht zu leugnen.

    Natürlich sind die Probleme nicht vom Tisch, und man kann mit absoluter Sicherheit feststellen, dass es ganz überwiegend die EZB war, welche den Karren aus dem Dreck geholt hat. Der Grund, warum sich chronische Krisen wie in der Weltwirtschaftskrise 1929 ff nicht verfestigen, liegt zu einem wesentlichen Teil daran, dass die modernen Zentralbanken es nicht mehr zulassen. Ob ein Ben Bernanke in den USA, der zu dem Thema im Rahmen seiner wissenschaftlichen Arbeit ausführlich geforscht hat, oder Mario Draghi in Europa. Sie wissen alle, dass das moderne Papiergeldsystem ohne massiven Interventionismus seitens der Notenbanken ständig bedroht ist, in sich zusammenzufallen. Deswegen haben sie jedenfalls derzeit kaum eine andere Wahl, als mit ihrer Politik des billigen Geldes weiter zu machen. Allerdings ist zumindest in Europa die Versorgung des Bankensystems mehr als großzügig. Man kann das an der „Einlagefazilität“ ablesen, eine Übernachtposition der europäischen Banken bei der EZB, die nur mit 0,25% verzinst wird. Sie liegt Stand heute bei 758 Mrd. EUR. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird diese Position im Laufe des Jahres stark sinken.

    Zum einen greifen die Banken bei Staatsanleihen wieder beherzter zu, zum anderen haben sie einen immensen Refinanzierungsbedarf wegen auslaufender Bankanleihen. Und warum den Anlegern hohe Renditen bieten, wenn man sich zu 1% bei der EZB refinanzieren kann – im Falle der LTROs über einen Zeitraum von drei Jahren! Natürlich ist das von der EZB (hoffentlich!) so nicht gedacht, aber es ist nur rational von den Banken, entsprechend zu handeln. Man darf gespannt sein, wie die EZB in den kommenden Jahren vorgeht. Ein erster Schritt der Normalisierung wäre schon mal, den außerordentlichen Zustand zu beenden, der es den Banken seit über drei Jahren erlaubt, sich in den wöchentlichen Refinanzierungsgeschäften bei entsprechenden Sicherheiten unlimitiert viel Liquidität zu holen. Damit ist aber angesichts der extremen Ungleichheiten in der Eurozone auch weiter nicht zu rechnen. Für deutsche Banken wäre das Stand jetzt kein Problem, für italienische aber womöglich sogar sehr bedrohlich.

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