DJ XETRA-SCHLUSS/Die pure Not treibt Anleger in Aktien
Von Benjamin Krieger
So kühl der Sommer ist, so heiß laufen die Aktien. Fünf Tage in Folge hat der DAX nun schon zugelegt. Am Donnerstag stand für den Leitindex am Ende ein Gewinn von 1,1 Prozent auf 6.758 Punkte auf der Kurstafel. So hoch handelte der DAX zum Schlusskurs zuletzt am 30. April. Die niedrigen, zum Teil sogar negativen Renditen der als sicher geltenden Staatsanleihen in den Kernländern der Eurozone treiben Anleger geradezu in Aktien.
Umfragen unter Investoren förderten jüngst neue Stimmungstiefs zutage. In den USA ist nur noch jeder fünfte Investor "bullisch" gestimmt. Die Bären gelten als in Aktien unterinvestiert. Wenn sie derart in der Überzahl sind und nun auf den immer schneller fahrenden Aktienzug aufspringen müssen, um die Kurs-Rally nicht gänzlich zu verpassen, dann kann starker Aufwärtsdruck entstehen.
Am Nachmittag enttäuschten zudem Konjunkturdaten aus den USA auf breiter Front. Ob der Arbeitsmarkt, der Immobilienmarkt oder eine regionale Umfrage zur Stimmung in der Industrie, die Zahlen konnten allesamt die Erwartungen von Volkswirten nicht erfüllen. Dies aber befeuerte einmal mehr die Hoffnung, dass die US-Notenbank versuchen wird, die Konjunktur mit neuen Anreizen in Schwung zu bringen.
Die Umsätze zogen an. Wurden am Mittwoch noch für insgesamt 2,46 Milliarden Euro Aktien der 30 DAX-Titel umgesetzt, so waren es am Donnerstag mit 3,31 Milliarden Euro rund ein Drittel mehr. Auch dies werteten Händler als Zeichen dafür, dass Anleger, die in Aktien untergewichtet sind, ihre Positionen aufstocken müssen.
Größter Kursgewinner im DAX waren die Aktien von Infineon, die um 4,6 Prozent zulegten. Hier stützten gute Quartalsergebnisse des US-Chipherstellers Qualcomm vom Vorabend. Auch waren Infineon im Mai und Juni stark unter Druck gekommen, weshalb Händler der Aktie technisches Erholungspotenzial attestierten.
Als "Fallen Angel", also als stark gefallene Aktie, gelten auch Metro, die sich um 2,2 Prozent erholten. Die Papiere von BASF profitierten von starken Geschäftszahlen der niederländischen Akzo Nobel und verteuerten sich um zwei Prozent. Auch Lanxess wurden mit einem Kursplus von 3,1 Prozent von Akzo Nobel gestützt.
Gesucht waren ferner Aktien von klassischen Konjunkturzyklikern wie MAN (+2,5 Prozent), Linde (+1,8 Prozent) und HeidelbergCement (+3,8 Prozent). Für den Zementhersteller führten Händler ins Feld, dass auf dem wichtigen US-Absatzmarkt der Zementverbrauch in den ersten sechs Monaten um fast zwanzig Prozent gestiegen sei.
Zurück blieben dagegen Aktien der Versorger E.ON und RWE. E.ON büßten 1,2 Prozent ein und RWE 0,8 Prozent. Sie wurden von schwachen Quartalsergebnissen des finnischen Stromerzeugers Fortum belastet, dessen Aktien an der Börse in Helsinki um mehr als acht Prozent einbrachen.
Bei den Nebenwerten ließ eine Hochstufung auf "Übergewichten" von der Bank HSBC die Aktien der Hamburger Kupferhütte Aurubis um 7,2 Prozent nach oben springen. Überraschend gute Quartalszahlen des Technologie-Unternehmens ADVA Optical sorgten für ein Kursplus von 5,8 Prozent. Die Aktien von TUI zeigten den zweiten Tag in Folge Stärke und zogen um 5,6 Prozent an, nachdem sie am Mittwoch bereits um 5,1 Prozent gestiegen waren.
INDEX zuletzt +/- % DAX 6.758,39 +1,11% DAX-Future 6.759,00 +1,03% XDAX 6.756,31 +1,07% MDAX 10.902,30 +1,49% TecDAX 775,41 +1,38% SDAX 4.984,81 +0,50%
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