Windstrom aus Rumänien? Solarenergie aus Bulgarien? In den Donauländern sind in den vergangenen Jahren mit Erfolg große Anstrengungen unternommen worden, um die Energiegewinnung aus Erneuerbaren aufzubauen. Doch ein überraschend schneller Ausbau der Kapazitäten hat auch in diesen Ländern zu einer Deckelung der Einspeisevergütung geführt.
Bulgarien hat beste Voraussetzungen zur Nutzung von Erneuerbaren
Eine zwölf Kilometer lange Straße ließen die bulgarischen Kommunisten ins Gebirge bauen, um an einem für die jüngere Geschichte Bulgariens historisch bedeutsamen Ort das monumentalste Denkmalsgebäude des Landes zu errichten. Während der Riesenbau auf einem Kamm des Stara Planina-Gebirges heute verwahrlost ist, hat die Straße ein Revival erlebt: Imposante Masten und Rotorblätter von Windkraftanlagen wurden auf ihr mittels Sattelschleppern von einer in der Nähe gelegenen Industriestadt herantransportiert. 1400 Meter hoch liegt der windgepeitschte Ort, an den sich selten Ausflügler verirren.
Genau hier hat der Schweizer Energiekonzern Alpiq Holding mittels seines bulgarischen Tochterunternehmens Vetrocom für umgerechnet 80 Mio Euro eines der größten Windkraftwerke Bulgariens errichtet – nicht nur wegen der hervorragenden Windverhältnisse, sondern vor allem auch wegen der guten infrastrukturellen Erschließung des Geländes. So liefern die 20 Windkraftanlagen, jede auf einem 85 Meter hohen Mast und mit einer Leistung von 2,5 MW sehr wirtschaftlich Strom.
Der bulgarische Staat hat den Ausbau der Erneuerbaren Energien nach Kräften unterstützt: Weil das Land mit Blick auf fossile Energieträger und Nuklearbrennstoff von Russland abhängig ist, räumt die Regierung den günstig verfügbaren und von keinem politischen Kalkül abhängigen Erneuerbaren eine wichtige Stellung ein. Das Bewilligungsprozedere etwa ist einfacher als in Westeuropa und auch die Bevölkerung stellt sich gegen Erneuerbare Energien nicht quer.
Von diesen besten Voraussetzungen hat bislang auch die Solarenergie profitiert: Mit Sonneneinstrahlungswerten zwischen 1.450 und 1.650 kWh/m2 liegen die Energieerträge des EU-Mitgliedstaates rund 30 Prozent über den mitteleuropäischen Durchschnittswerten. Die europäischen Richtlinien zu erneuerbaren und alternativen Energiequellen wurden beim EU-Beitritt 2007 in der bulgarischen Gesetzgebung verankert, der gesetzliche Rahmen ist an den europäischen Regelungen angelehnt. Bulgarien weist eine solide Einspeisevergütung samt Abnahmeverpflichtung auf, die garantierte Frist zum obligatorischen Ankauf der erzeugten Strommengen aus Solarenergie ist auf mehr 20 Jahre festgeschrieben.
Lothar Matthäus, Trainer der bulgarischen Fußball-Nationalmannschaft, schätzt die Investmentchancen bei Erneuerbaren Energien in Bulgarien und hat sich am bulgarischen Solarpark BulgarSol (Mindesteinlage 25.000 Euro) in der Nähe des Seebades Varna am Schwarzen Meer beteiligt. Anbieterin der Genussrecht-Beteiligung ist die Infinite Energy Deutschland GmbH, eine Tochter der Infinite Energy Holding AG mit Sitz in Düren bei Köln.
Das Projekt BulgarSol umfasst vier Photovoltaik-Anlagen mit einer Nennleistung von insgesamt fast 5 MWp. Die erwarteten Erlöse je erzeugter kWh betragen aufgrund der bulgarischen Förderung 0,37 Euro. Hieraus ergeben sich für den Solarpark voraussichtliche Gesamterlöse von circa 1,95 Millionen Euro jährlich.
„Ich glaube an Bulgarien. Dieses Land bietet nicht nur im Fußball ein enormes Entwicklungspotenzial. Die Menschen hier sind motiviert und ausgesprochen leistungsbereit“, begründet Matthäus sein Engagement.
Auch der Vorstandsvorsitzende der Infinite Energy Holding AG, Tjalling Halbertsma, freut sich über die persönliche Anteilezeichnung durch Lothar Matthäus: „Durch seine Bekanntheit in Deutschland schafft es Lothar Matthäus, dass viele Deutsche stärker auf Bulgarien aufmerksam werden und sich mit dem Land auseinandersetzen. Das hilft, mögliche Vorurteile abzubauen. Denn für viele Deutsche ist das kleine EU-Land noch immer eine große Unbekannte.“
Doch bevor der Ausbau der Erneuerbaren in Bulgarien so richtig in Gang gekommen ist und sich auch westeuropäische Anleger an lukrativen Investmentchancen beteiligen können, hat die bulgarische Regierung ihre Gesetzgebung überarbeitet: Im April 2011 wurde beschlossen, den weiteren Ausbau der Wind- und Solarenergie einzudämmen. Bislang seien Anlagen mit insgesamt 6.000 MW an installierter Leistung errichtet worden – laut Regierung zu viel für die bulgarische Netzinfrastruktur und offenbar auch zu viel für den schmalen Geldbeutel der Stromverbraucher, die die Vergütungsumlage tragen müssen.
Nach dem Willen der Regierung sollen jährlich weitere 2.000 MW an Zubau ausreichen, um das mit der EU vereinbarte Ziel von 16 Prozent Anteil Erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch im Jahr 2020 zu erreichen. Zudem soll die Dauer der garantierten Einspeisevergütung für Solarprojekte von 25 auf 20 Jahre und für Windkraft von 15 auf zehn Jahre gesenkt werden. Zusätzlich sollen die Einspeisetarife sinken.



