• EZB-Ratssitzung im Fokus der Märkte - leicht verstärkte Risikoaversion im Vorwege

    Donnerstag 05.07.2012, 10:54 Uhr
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    Der Euro eröffnet heute (07.51 Uhr) bei 1.2525, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Höchstkurse im europäischen Handel bei 1.2600 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 79.75. In der Folge notiert EUR-JPY bei 99.90, während EUR-CHF bei 1.2013 oszilliert.

    Der Feiertag in den USA, der "Indepence Day", passte gestern gut zu einer Lethargie an den Märkten, die von leicht gestiegener Risikoaversion geprägt waren. Im Vorwege der EZB-Ratssitzung war die Bereitschaft der Marktteilnehmer unausgeprägt, sich zu positionieren.

    Heute schaut der Markt auf die EZB. Nahezu durchgängig wird eine Zinssenkung um 0,25% auf 0,75% unterstellt. Damit würde ein neues historisches Zinstief markiert.

    Auch auf die Verbalakrobatik kommt es an. Wird eine weitere Zinssenkung in Aussicht gestellt? Wird Frau Lagarde erhört, die ein Wiederaufleben des Staatsanleiheankaufprogramms der EZB einfordert? Kommt es zu weiteren Langfristtendern? Oder setzt sich Herr Weidmann stärker durch, der sehr stark auf solitäre Ordnungspolitik in einer Extremsituation abhebt?

    Wir legen uns hier nicht fest. Wir wünschen dem EZB-Rat aus der Vergangenheit zu lernen, die Erkenntnis, dass es hier nicht um effiziente Märkte geht, dass ein aufdringlicher politischer Beigeschmack der Spekulation gegen die Eurozone innewohnt und die angemessene Portion Mut, in einer Extremsituation das Mandat der EZB so zu leben, dass die Eurozone, die massive strukturelle Fortschritte gemacht hat, überleben kann und nicht auf dem Altar der Spekulation „unserer Freunde“ geopfert wird.

    In dem Zusammenhang ist auch anzumerken, was derzeit bezüglich des Libor-Skandals passiert. Naivität bezüglich der Art und Weise, wie die Märkte/Marktteilnehmer in London und NY agieren (Absprachen, Koordination = Verschwörung) ist vollkommen fehl am Platze!

    Fakt ist, dass Endspielmodus für die Eurozone und den Euro gegeben ist. Es müssen die richtigen Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt ergriffen werden. Vergleichbar ist die Situation mit dem EM-Verlauf für Deutschland, explizit das Spiel Deutschland Italien. Deutschland überzeugte mit vier Siegen, um dann zu verlieren.

    Die Eurozone überzeugt gegenüber den "Gegnern" USA,Japan und UK mit Strukturreformen und Defizitreduktionen, die jedoch von den aus London und NY dominierten Märkten ignoriert werden und deswegen einer Verteidigung mit anderen Mitteln bedürfen oder es wird verloren.

    Zurück zum Fußballvergleich: Der Einsatz Podolskis im Italienspiel ist vergleichbar mit der solitären Fokussierung auf Ordnungspolitik in der europäischen Krisenpolitik. In einer Extremsituation, die sich von sachlicher Bewertung aggressiv entfernt hat, ist es "bisweilen" angebracht, unorthodoxe Maßnahmen zu ergreifen. Das wäre vergleichbar mit dem Einsatz der "hungrigen und jungen Wilden“ Reus, Schürrle oder Götze von Beginn an gewesen. Werden diese Spieler erst eingesetzt, wenn der Schaden (0:2) eingetreten ist, ist es häufig zu spät. Genau diese Erfahrung haben wir in der Defizitkrise der Eurozone in den letzten 30 Monaten gemacht. Am Ende wurden die Interventionen beschlossen, die am Anfang abgelehnt wurden, jedoch am Anfang eine hohe Traktion entfaltet hätten. Das Zaudern hat die Wirkung deutlich nivelliert. Wie sagte noch Gorbatschow: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

    Werfen wir einen Blick auf die gestrigen Veröffentlichungen:

    Der "Markit" Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor der Eurozone legte per Juni gegenüber der Erstschätzung von 46,8 auf 47,1 Punkte zu. In Frankreich ergab sich ein Anstieg von 47,3 auf 47,9 Zähler, dagegen sank der deutsche Index von 50,3 auf 49,9 Punkte.

    Die Einzelhandelsumsätze der Eurozone legten per Mai im Monatsvergleich unerwartet stark um 0,6% zu. die Prognose lag bei +0,3%. Gleichzeitig wurde der Vormonatswert von -1,0% auf -1,4% revidiert, so dass das aggregierte Ergebnis geringfügig enttäuschte. Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um -1,7% (Prognose -0,8%) nach zuvor -3,4% (revidiert von -2,5%).

    Der Blick auf den Chart belegt eindrucksvoll die konjunkturelle Problematik der Eurozone bedingt durch die Defizitkrise und der unangemessenen Spekulation gegen die Eurozone trotz nachhaltiger struktureller Erfolge. Auch dieser Datensatz unterstreicht die Forderungen des letzten G-Treffens in Mexiko, dass die Eurozone ernsthafte Lösungen der Krise liefern muss. Es ist halt Endspielmodus.

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    Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Erst ein nachhaltiges Überwinden der Widerstandszone bei 1.2820 - 50 neutralisiert den negativen Bias des Euros.

    Viel Erfolg!

    © Folker Hellmeyer
    Chefanalyst der Bremer Landesbank

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